Angst vor Pferdediebstahl rund um Bremen: Sind Sorgen berechtigt?

Reiter sorgen sich um ihre Pferde. Tausendfach wurde ein Facebook-Beitrag geteilt, der vor Pferdedieben warnt. Die Polizei geht Hinweisen nach. So kann man sich schützen.

Einige Pferde an einem Strohballen
Kann ich nachts mein Pferd noch auf der Weide lassen? Das Landeskriminalamt gibt Tipps. Bild: Radio Bremen

"Wir haben den begründeten Verdacht, dass in nächster Zeit wieder Pferdediebstähle geplant sind" – über 5.000 Mal wurde dieser Post der Seite "Equitrans Pferdetransporte e.V. in Gründung" vom 12. August auf Facebook geteilt. Der vermutete Tatbereich liege in einem Radius von 100 Kilometern rund um Wildeshausen. Seitdem sind zahlreiche Pferdebesitzer in der Region beunruhigt, sorgen sich um die Sicherheit ihrer Tiere.

Nachtwachen und Kameraüberwachung in Harpstedt

Schwarzes Pferd steht am Zaun eines Paddocks.
Pferdediebstahl: Ein Facebookpost sorgt derzeit für Verunsicherung bei Pferdehaltern. Bild: Radio Bremen | Eva Linke

"Vor nicht ganz zwei Wochen hatten wir ungebetenen Besuch von zwei Frauen, die wir verdächtigen, unsere Anlage ausspioniert zu haben", schreibt der Reitclub Sport Harpstedt und Umgebung aus Groß Köhren am 24. August auf seiner Facebook-Seite.

Man wisse auch von Reitställen in der Umgebung, etwa in Dötlingen, Groß Ippener, Delmenhorst, Drebber und Hatten, wo es Berichte über zwei Frauen gegeben habe, die Anlagen ausgekundschaftet haben sollen. "Von vielen (nicht allen) Einstellern wird vermutet, dass es sich um Pferdediebe handelt, da sich die Kundschafterinnen bei uns insbesondere für die Weidetore interessiert haben." Um die Pferde zu schützen habe der Verein mittlerweile Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, Kameras installiert, Zäune abgeschlossen und Nachtwachen aktiviert.

"Eben gerade wurden fremde Männer in meiner Hengstweide direkt an der Bundesstraße vorm Geschäft gesichtet", schreibt Melanie Schierholz, Betreiberin des Geschäfts Mellis Reiter Shop in Stuhr, am 25. August. Über das Kennzeichen habe die Polizei die Männer ausfindig gemacht. Sie "gaben an, eine Kette gesucht zu haben".

Polizei warnt vor Hysterie

Pferd schaut in einem Stall aus seiner Box.
Ein Rat der FN lautet, Pferde nachts besser im Stall unterzubringen. Bild: DPA | Ingo Wagner

Die Polizei kennt die Problematik: Doch in keinem der genannten Verdachtsfälle konnte ermittelt werden, dass es sich um potentielle Diebe gehandelt hat. Thomas Gissing von der Poizei Diepholz warnt vor Hysterie, nimmt die Sorgen der Pferdebesitzer aber sehr ernst. Anlässlich der vermehrten Meldungen in den letzten Wochen in den sozialen Netzwerken habe die Polizei Diepholz gezielt analysiert, ob sich Diebstähle von Pferden in der Region gehäuft haben. Mit dem Ergebnis: Im Landkreis Diepholz wurde vergangenes wie auch dieses Jahr kein einziger gemeldet. Die Polizei bittet ausdrücklich darum, Auffälligkeiten dennoch stets zu melden. Und hat bereits Polizeistreifen entsprechend instruiert, Hinweisen nachzugehen und proaktiv bei ihren Touren ein waches Auge zu haben.

Für die Polizei in Bremen und Niedersachsen ist es schwierig, konkrete Zahlen zu Pferdediebstählen zu liefern. "Der Diebstahl von Pferden ist nicht mit einem Deliktschlüssel belegt, so dass anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) keine validen Zahlen erhoben werden können", erklärt Katrin Gladitz, Pressesprecherin des Landeskriminalamts Niedersachsen. Eine rückwirkende Recherche der vergangenen drei Jahre habe nach händischer Selektion Fallzahlen im einstelligen beziehungsweise niedrigen zweistelligen Bereich ergeben.

"Diebesgut sind in der Regel einzelne oder wenige Tiere. Die Fallzahlen sind aufgrund der Erhebungsmethode nicht valide, Trendaussagen können aufgrund der niedrigen Anzahl nicht getroffen werden", so Gladitz. Über das Tatmotiv könne keine allgemeine Aussage getroffen werden.

Keine Diebesmeldungen bei Verbänden

Beim Pferdesportverband Hannover (PSVH) sowie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind bisher keine Anrufe zu dem Thema eingegangen. "Da wir ein Sportverband und keine mit hoheitlichen Ermittlungs-Befugnissen ausgestattete Behörde sind, bleibt für uns an erster Stelle der Rat an Betroffene, sich bei dem Verdacht eines Diebstahls an die örtliche Polizeidienststelle zu wenden", erklärt Julia Basic, Sprecherin der FN.

Sei der Diebstahl gemeldet, solle man sich bei der Abteilung "Turnierpferdeeintragung und Fortschreibung" melden. Der Verband hinterlege dann einen Vermerk, dass das Pferd gestohlen sei und sperre es für etwaige Besitzwechsel und Turnierstarts.

"Es ist mit Sicherheit der absolute Albtraum eines jeden Pferdebesitzers, wenn sein Pferd plötzlich verschwindet oder gar gestohlen wurde. Wir raten in Sachen Prävention vor allem dazu, die Wachsamkeit und die Anwesenheit von Menschen in der Nähe der Pferde zu erhöhen", so Basic. Der Verband rät dazu, Kontrollgänge im Bereich der Weiden, Paddocks und Stallungen vorzunehmen.

"Hier gilt: Je häufiger, desto besser." Nachts sollten die Pferde in Boxen untergebracht werden. "Kameras zur Beobachtung der Pferde sind zwar inzwischen für viele Menschen erschwinglich, jedoch kommen hier Schranken wie zum Beispiel Persönlichkeitsrechte und etwa bei der Überwachung von öffentlichen Anlagen auch Datenschutzvorgaben ins Spiel", sagt die Sprecherin.

Landeskriminalamt gibt Tipps

Auch das Landeskriminalamt Niedersachsen gibt zum Schutz vor Pferdediebstahl einige Hinweise: Neben einer sicheren Eingangstür solle über die Anbringung von schwenkbaren Gittern an Fenstern nachgedacht werden. "Ein weiterer Schutz, den Stall für Einbrecher unattraktiv zu machen, ist das Ausleuchten des Gebäudes und des Umfeldes mit Hilfe von Bewegungsmeldern. Das signalisiert, dass eine Ausführung der Tat im Verborgenen hier nicht möglich ist." Eine weitere, zwar einfache, aber wirkungsvolle Abschreckungsmaßnahme, sei ein Wachhund.

Weitaus schwieriger sei es, Pferde auf abgelegenen Weiden zu schützen. Neben Kontrollgängen und dem Aufstellen von Schildern mit dem Hinweis auf regelmäßige Kontrollen des Bestandes, empfiehlt das LKA "wachsame Weidegenossen wie Gänse, Schafe oder Ziegenböcke als ‚lebende Alarmanlage‘". Darüber hinaus sollten die Pferde ausschließlich entfernt vom Zaun im Weideinneren gefüttert werden. Denn seien die Tiere darauf konditioniert zum Zaun zu laufen, in der Annahme, sie bekämen etwas zu fressen, liefen sie möglichen Tätern quasi in die Arme.

Strom soll Diebe abschrecken

Schimmelpony steht hinter einem Elektrozaun
Elektrozaun mit Alarmsystem: Moderne Technik soll mögliche Diebe abschrecken. Bild: DPA | Sascha Steinach

Für die Umzäunung rät das LKA Elektroband mit mindestens drei Reihen, sodass ein erwachsener Mensch, ohne mit dem Zaun in Berührung zu kommen, nicht durchkriechen kann. "Zur Kontrolle der Stromspannung bieten einige Firmen Überwachungseinheiten mit GSM-Alarm an. Wird der Draht beispielsweise an einer Stelle gekappt, bekommt der Pferdebesitzer eine Warnung per SMS." Diese Maßnahme sei umso erfolgreicher, wenn gleichzeitig eine Sirene ertönt. So könnten gegebenenfalls Nachbarn direkt schauen, was passiert sei.

Mit natürlichen Barrieren wie dichten Sträuchern, Dornenhecken oder Gräben um die Koppel könne man zusätzlich Tätern den Zugang erschweren, "so dass diese den regulären Eingang, also das Tor, nehmen muss. Das wiederum kann durch das Anbringen eines Schlosses oder einer Kette entsprechend geschützt werden."

Hendrik Sosath, der gemeinsam mit seiner Familie den Stall Gerd Sosath in Lemwerder führt, hat bisher noch nichts von Pferdediebstählen in der Umgebung gehört. Schon seit geraumer Zeit werden die Stallungen nachts abgeschlossen. Zusätzlich sind Kameras und Alarmsysteme angebracht. "Aber die 110, 120 Hektar Weideland kann ich nicht komplett mit Kameras überwachen", so der Profireiter. Da seine Familie auf dem Hof lebe, mache er sich aber eigentlich keine Sorgen. "Mehr Angst habe ich vor dem Wolf."

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Autorin

  • Johanna Ewald Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 18. September 2020, 23:30 Uhr