Infografik

Bei Notruf-Einsatz: Wie Bremens Feuerwehren Zeit gewinnen

Ob bei Feuer oder bei Unfällen: Der Ort des Geschehens ist die wichtigste Information für den Rettungseinsatz. Daher haben Bremens Notruf-Zentralen ihr Vorgehen optimiert.

Video vom 11. Februar 2020
Mehrere Fahrzeuge der Feuerwehr Bremerhaven nebeneinander parkend.
Bild: Radio Bremen

Das Mädchen war fast schon tot, atmete nicht mehr. Aufgelöst, panisch geradezu schrie der Vater der Kleinen in den Hörer. Kaum konnte man ihn in der Bremer Notruf-Leitstelle, Am Wandrahm 24, verstehen. Dann brach das Gespräch auch noch ab. Offenbar hatte der Vater in seiner Aufregung aufgelegt. Seine Nummer aber war bereits im Computer gespeichert. Ein Disponent aus der Leitstelle rief ihn sofort zurück, beruhigte den Mann, fand heraus, dass das Mädchen womöglich ertrunken war – und erklärte dem Vater nun Schritt für Schritt, wie man einen Menschen reanimiert.

Noch während der Reanimation fuhr der Rettungswagen los. Die Rettungskräfte konnten das Mädchen lebend ins Krankenhaus bringen. Letztlich kam das Kind sogar ohne bleibende Schäden davon: ein Verdienst nicht zuletzt der Bremer Notruf-Zentrale.

"Vielleicht erklärt diese wahre Geschichte am besten, was wir an unserem Rettungssystem haben", sagt Andreas Desczka, Pressesprecher der Feuerwehr Bremen und selbst regelmäßig als Disponent der Leitstelle am Notruf-Telefon. Mit einem "Twittergewitter" möchte seine Zentrale am Dienstag über den Alltag im Rettungsdienst, bei Feuerwehreinsätzen und in der Leitstelle informieren.

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"Strukturierte Notrufabfrage" statt W-Fragen

Mann mittleren Alters in Feuerwehr-Uniform telefoniert vor diversen Monitoren
Weiß um die Vorzüge der "Strukturierten Notrufabfrage": Andreas Desczka. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Wie viele Feuerwehren in Deutschland, so haben auch jene in Bremen und Bremerhaven vor einigen Jahren ihr System im Umgang mit Notrufen umgestellt. Statt den – oft hektischen oder gar panischen – Anrufer mit W-Fragen wie "Wo?", "Wer", "Wie viele?" oder "Was?" zu überfordern, formulieren die Disponenten in der Leitstelle diesen Satz, sobald sie den Hörer abnehmen: "Notruf Feuerwehr/Rettungsdienst Bremen (beziehungsweise Bremerhaven): Wo genau ist der Notfallort?"

Denn diese eine Information, die nach dem Ort des Geschehens, sei von allen Infos am wichtigsten, erklärt Desczka.

Ohne Einsatzort können wir nichts machen.

Andreas Desczka, Pressesprecher der Feuerwehr Bremen

Alle weiteren Infos ließen sich im Laufe des Gesprächs nach und nach einholen. Zugleich erfasse ein Computer automatisch die Telefonnummer und oft auch die Adresse des Anrufers, selbst dann, wenn dieser seine Nummer unterdrücke. Auf diese Weise könnten die Disponenten am Notruf-Telefon sofort zurückrufen, wenn ein Gespräch, wie im Falle des Vaters mit seiner kleinen Tochter, unvermittelt abreißt: "Strukturierte Notfallabfrage" nennt sich das System, das die Feuerwehren Bremens und Bremerhavens anwenden.

Notfall-Einsätze in Bremen

Arten von Notfall-Einsätzen Rettungsdienst Brände Hilfeleistungen 90 % 4,5 % 5,5 %
Bild: Radio Bremen | Dirk Osmers

"Es hat sich sehr bewährt", sagt Desczka. So sehr, dass die Feuerwehr Bremen das Verfahren demnächst mittels vorgefasster Fragen weiter standardisieren will. Das Grundprinzip der "Strukturierten Notfallabfrage" aber soll erhalten bleiben: Sobald die Leitstelle den genauen Notfallort kennt, versucht sie zu klären, in welcher Besatzung welches Fahrzeug ausrücken muss, ob beispielsweise ein Notarzt dabei sein sollte. In etwa 90 Prozent der Fälle gehe es um Einsätze des Rettungsdienstes, sagt Desczka. Nur bei etwa 4,5 Prozent der Einsätze handele es sich um Brände, die übrigen 5,5 Prozent seien Hilfeleistungen wie Notfalltüröffnungen oder Sturmeinsätze.

Feuerwehren in ständiger Hab-Acht-Stellung

Doch selbst wenn kein Sturm tobt, können sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht über Mangel an Arbeit beklagen. Etwa 400 Notrufe gehen Tag für Tag in der Bremer Leitstelle ein. In durchschnittlich 240 Fällen ziehen diese Anrufe Einsätze nach sich. Auch in Bremerhaven muss die Feuerwehr rund um die Uhr immer wieder ausrücken: durchschnittlich 54 mal pro Tag, alle 27 Minuten, wie Stefan Zimdars aus dem Magistrat der Seestadt mitteilt.

Und immer muss es schnell gehen. In spätestens zehn Minuten nach Eingang des Notrufs hätten die Einsatzkräfte vor Ort zu sein, sagt Desczka. So schreibe es das Bremische Hilfeleistungsgesetz den Feuerwehren Bremens und Bremerhavens vor. "Das schaffen wir zwar nicht immer", räumt Desczka ein. "Aber in fast 95 Prozent der Fälle", fügt er entschlossen hinzu.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar, 19.30 Uhr