Gefahr durch versenkte Munition? Forscher untersuchen Nordsee-Wracks

Mehr als eine Million Tonnen Weltkriegsmunition werden allein in der deutschen Nordsee vermutet. Bremerhavener Forscher wollen wissen: Welche Gefahr geht davon aus?

Ein Mann mit Plastikhandschuhen hält ein verrostetes Geschoss in den Händen.
Philipp Grassel vom DSM zeigt im Rahmen des Projekts "North Sea Wrecks" eine Geschosshülse. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Forscher des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven sind am Morgen aufgebrochen, um das Wrack eines Kriegsschiffes aus dem Ersten Weltkrieg in der Nordsee zu untersuchen. Unterwasserarchäologen wollen Proben der Alt-Munition an Bord des Schiffes nehmen. Mit dem Forschungsschiff "Heincke" fahren die Wissenschaftler von Bremerhaven aus zunächst zur "SMS Mainz". Das Kriegsschiff wurde 1914 westlich von Helgoland versenkt. Wegen Windes und turbulenter See war die Abfahrt des Forschungsschiffes mehrfach verschoben worden.

Mit den Proben sollen mögliche Gefahren analysiert werden, die von im Wrack liegenden Kampfmitteln ausgehen. "Wir leisten für die Nordsee Pionierarbeit", sagt DSM-Unterwasserarchäologe Philipp Grassel. Versuche in der Ostsee zeigen, dass alte, sich zersetzende Waffen, Minen, Granaten und Bomben eine Umweltgefahr darstellen. In der Nordsee sei die Situation durch Tide und Strömung noch einmal eine andere.

Corona verzögert Bremerhavener Forschungsreise

Eigentlich war die Forschungsreise bereits für Frühjahr 2020 geplant gewesen. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte sie bisher aber nicht stattfinden. Reicht die Zeit, könnten die Forscher mit der "SMS Ariadne" und der "V187" noch zwei weitere Wracks westlich von Helgoland unter die Lupe nehmen, sagte Grassel. Nach offiziellen Schätzungen liegen allein in der deutschen Nordsee rund 1,3 Millionen Tonnen Munition aus Weltkriegszeiten. Über die Auswirkungen der Altlasten auf Fische, Pflanzen und Menschen, ist bisher wenig bekannt. Ein Forschungsteam unter Leitung des DSM sucht im Rahmen des 2018 gestarteten "North Sea Wrecks"-Projekts nach Antworten.

Beteiligt sind daran neben Deutschland auch Belgien, die Niederlande, Norwegen und Dänemark. Die Forschungsergebnisse sollen ab August in einer Wanderausstellung präsentiert werden. Nach dem Start im DSM in Bremerhaven wird sie in allen beteiligten Ländern zu sehen sein. Die deutschen Wissenschaftler wollen im Herbst 2021 und im nächsten Jahr zu weiteren Wracks aufbrechen, um sie zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen in die laufende Ausstellung einfließen.

Rückblick: Das explosive Erbe des Zweiten Weltkriegs

Video vom 11. Juni 2018
Eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 7. April 2021, 14 Uhr