Brennholz, Möbel oder Papier: So erkennen Sie nachhaltige Holzprodukte

Holz liegt auch in Bremen als natürlicher Rohstoff voll im Trend. Gleichzeitig sind Wälder für das Weltklima wichtiger denn je. Diese Holzsiegel geben Orientierung.

Ein Mann steht in einem Baumarkt am Zuschnitt für Holz in einem markierten Halbkreis vor einer Plexiglasscheibe.
Laut Experten des Hamburger Thünen-Instituts stammen nahezu alle Holzprodukte im deutschen Handel aus legaler und nachhaltiger Forstwirtschaft. Bild: DPA | Sebastian Gollnow

Gerade während der Corona-Pandemie ist so mancher Bremer zum Hobby-Handwerker geworden. So wurden zahlreiche Gärten in Schuss gebracht, Terrassen gebaut oder ganze Räume und Häuser renoviert. Ein dabei beliebter Bau- und Rohstoff ist Holz. Ob als Brett, Latte, Planke oder bereits gefertigtes Möbelstück – die Vielfalt im Handel angebotener Holzprodukte ist groß. Doch wie umweltfreundlich und nachhaltig ist der Gebrauch von Holz?

Ulrich Bick ist Experte auf dem Gebiet nachhaltiger Waldbewirtschaftung, forstlicher Zertifizierungen und internationaler Waldpolitik. Der Forstwissenschaftler hat bis vor Kurzem am Hamburger Thünen-Institut im Bereich Nachhaltigkeitsbewertung, Wald und Gesellschaft geforscht und ist überzeugt, dass die Verwendung von Holz unproblematisch ist, solange man stets die Frage nach der Herkunft des Holzes stellt. "Wenn der Rohstoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, ist er im Prinzip unendlich verfügbar", sagt der 65-Jährige.

Siegel als Orientierung

Im Bereich Holz gibt es verschiedene Gütesiegel, die Verbrauchern auch eine visuelle Orientierung für nachhaltige Produkte bieten. Die Siegel des "Forest Stewardship Council" (FSC) und des "Programme for the Endorsement of Forest Vertification Schemes" (PEFC) sind die beiden bekanntesten Holz-Siegel. Doch wie aussagekräftig sind sie?

Bei Holz aus dem deutschen Handel könne man davon ausgehen, dass es nicht aus illegaler Holzwirtschaft stammt. Der Grund: Die seit 2013 in Kraft getretene europäische Holzhandelsverordnung verbietet den Besitz, die Verbreitung oder die Verarbeitung von illegal produziertem Holz. Klar sei aber auch, dass solche Gesetze immer nur so gut sind, wie sie in der Praxis angewendet und auch kontrolliert werden, so Bick. Auch an der Glaubwürdigkeit bestehender Gütesiegel, wie FSC und PEFC, müsse gearbeitet werden. "Die Menschen müssen sich voll und ganz darauf verlassen können", sagt Bick.

Kritik von Umweltverbänden

Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung steht das FSC-Siegel für die umweltfreundliche, sozial förderliche und zugleich wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung von Wäldern. "In über 80 Ländern haben nationale Arbeitsgruppen Standards für das jeweilige Land erarbeitet", sagt Forstwissenschaftler Bick. FSC gilt als das strengste internationale Siegel für nachhaltige Waldwirtschaft. Produkte, die mit dem FSC Siegel gekennzeichnet sind, bestehen zu 100 Prozent aus FSC-zertifiziertem Material. Der Bremer BUND hingegen kritisiert die FSC- und PEFC-Siegel. "Es ist besser als gar nichts", sagt Klaus Prietzel. Dennoch gebe es immer wieder Kontrolldefizite in den unterschiedlichen Ländern, so der Vorstandsvorsitzende des BUND Bremen.

Produkte, die das PEFC-Label tragen, bestehen mindestens zu 70 Prozent aus PEFC-zertifizierten Materialien. Klaus Prietzel empfiehlt, auf Regionalität zu setzen. Europäische Hölzer seien zu bevorzugen. Das "Holz von hier"-Siegel zeichnet zum Beispiel solche Produkte aus: Sie einen möglichst kurze Transportwege, klimafreundliche Produktionsketten und Holz aus heimischen Wäldern. Auch die Bremer Verbraucherzentrale bewertet dieses Label positiv. Im Bereich Bauen und Wohnen kann einem außerdem das Siegel "natureplus" begegnen, das Produkte kennzeichnet, die zu 85 Prozent aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen bestehen.

Vorsicht bei Tropenholz

Im Bereich Möbel, Bodenbeläge, Türen oder Werkstoffplatten empfehlen die Bremer Verbraucherzentrale und der BUND das Label "Blauer Engel", das auch auf vielen Papierprodukten zu finden ist. Deutschland ist Europas größter Papierproduzent, der dafür nötige Zellstoff wird zu mehr als 40 Prozent aus Ländern wie Brasilien, Uruguay oder Chile importiert. Eine Alternative sind laut Verbraucherzentrale Papierprodukte aus 100 Prozent Altpapier, die das Umweltzeichen "Blauer Engel" kennzeichnet. Darüber hinaus gibt es rund 15 weitere Papier-Siegel, die in Kombination mit dem "Blauen Engel" auf Produkten zu finden sind.

Die Bremer Verbraucherzentrale verweist gerade im Bereich von Möbeln auch auf das "Rainforest Alliance Certified"-Siegel, das den Schutz von tropischen Regenwäldern garantieren soll. Der Bremer BUND stellt die Vertrauenswürdigkeit des Labels in Frage und rät dazu, kein Tropenholz zu kaufen, auch wenn es zertifiziert ist. "Siegel wie Rainforest Alliance sind mehr oder weniger stark mit ökonomischen Interessen verbunden und von daher nicht empfehlenswert", sagt Prietzel.

Geltende Gesetze anwenden

Vor korrupten politischen Strukturen und unzureichenden Kontrollen warnt auch Forstwissenschaftler Bick. Der Experte ist der Meinung, dass sich selbst sensible Tropenwälder durchaus nachhaltig bewirtschaften lassen, ohne sie zu zerstören.

Ganz klar ist aber auch, dass so etwas, was gerade in Brasilien passiert, von der internationalen Staatengemeinschaft konsequent bekämpft werden muss.

Ulrich Bick, Forstwissenschaftler

Das Problem seien die "astronomisch hohen Korruptionsraten" vieler Länder. Positiv stimmt den 65-Jährigen, dass immer mehr Menschen Wert auf die Herkunft der von ihnen gekauften Produkte legen. "Das ist trotzdem ausbaufähig, nur allzu oft gewinnt am Ende eben doch der günstigste Preis", sagt Bick.

Onlinehandel für Holz: Damit schrieb ein Bremer eine Erfolgsgeschichte

Video vom 9. November 2020
Holzhändler Michel Kahrs sitzt auf Holzdielen in einer Halle.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. November 2020, 19:30 Uhr