Ökologische Bestattungen: Was in Bremen möglich ist – und was nicht

Auflösen, Kompostieren, Schockfrieren — all das sind Alternativen zu einer Feuer- oder Erdbestattung. Setzen sich nachhaltige Beisetzungen auch in Bremen durch?

Eine Urne steht in einem Naturfriedhof vor einem Baum
Die Option, die letzte Ruhe in einem Friedwald zu finden, gibt es auch in Bremen und der näheren Umgebung von Bremerhaven. Bild: DPA | Angelika Warmuth

Was geschieht mit uns nach dem Tod? Wie und wo wollen wir beigesetzt werden und welche neuen Möglichkeiten gibt es gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit? Genau um diese Fragen drehen sich die Vorträge, Workshops und Fortbildungen des Bestatters Joerg Vieweg, die er in der Vergangenheit auch schon in Bremen durchgeführt hat. Dabei erkennt der Hamburger einen klaren Trend. "Das Thema Nachhaltigkeit ist in der gesamten Branche explosionsartig in den Fokus gerutscht", sagt Vieweg.

Mit der Frage wie sich menschliche Körper möglichst umweltschonend beisetzen lassen, beschäftigen sich auch Bremer Bestattungsunternehmen. Doch was ist rechtlich möglich, wo liegen die Grenzen und welche besondere Freiheit gestattet Bremen seit 2015? Ein Überblick.

1 Grüne Linie — lokal und ressourcenschonend

Die Idee ist simpel: Der letzte Fußabdruck, den Menschen auf der Erde hinterlassen, soll möglichst ökologisch und nachhaltig sein. Der Bestatter Werner Kentrup aus Bonn hat die Initiative ins Leben gerufen. Praktisch sieht das dann so aus: Statt glänzenden Särgen oder Trauerkarten entscheidet man sich zum Beispiel für einen schlichten Kiefernsarg, der lokal produziert wurde und biologisch abbaubar ist. Auch in Bremen gibt es Unternehmen, die sich den Grundsätzen der "Grünen Linie" verschrieben haben, wie zum Beispiel "trauerraum" im Bremer Steintor. "Unsere Urnen, Aschekapseln und Särge sind alle abbaubar", sagt Mitarbeiterin Lisa Schwacke. Produkte als Keramik oder Metall habe man erst gar nicht im Angebot. Viele Menschen entschieden sich bei einer Feuerbestattung lediglich für eine schlichte Aschekapsel, die nach fünf bis sieben Jahren im Boden keine Spuren mehr hinterlasse, so Schwacke. Auch das Bestattungsinstitut Heckmann aus Bremen-Grohn hat sich auf umweltfreundliche Bestattungen spezialisiert. Das Sarg-Sortiment besteht aus sogenannten "Grünen Särgen", die ausschließlich ohne Lacke oder Lasuren auskommen und aus schnell nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Außerdem bietet das Institut Natursärge, die beispielsweise aus Bambus, Bananenblättern oder Weide gefertigt sind.

2 Resomation — sich auflösen

Hier wird der Körper in einem Druckbehälter, dem sogenannten Resomator, in einer Lauge und unter hohen Temperaturen sowie hohem Luftdruck zersetzt. Das Ganze dauert etwa drei Stunden, übrig bleibt ein weißes Pulver. "Das kann dann ganz normal in einer Urne beigesetzt werden", sagt Vieweg. Diese Methode verbrauche weitaus weniger Energie, sei schneller und umweltschonender als die herkömmliche Verbrennung im Krematorium, so Vieweg. In den USA und Kanada darf teilweise resomiert werden, in Europa haben beispielsweise die Niederlande Ende 2020 eine Gesetzesänderung, die Resomation möglich macht, auf den Weg gebracht. Auch in Deutschland werde die Resomation kommen, glaubt Joerg Vieweg. "Wir befinden uns hier bereits in einem Prozess", so der Bestatter. Im Bremer Umweltressort ist diese Debatte offenbar noch nicht angekommen, wie Sprecher Jens Tittmann auf Nachfrage mitteilte.

3 Kompostieren — zu Erde werden

"Recompose" — so heißt die Idee der US-Amerikanerin Katrina Spade. Die Architektin und Designerin arbeitet seit 2014 daran, eine professionelle und würdevolle Kompostierung von Verstorbenen möglich zu machen. Menschen sollen zu Erde werden; das schone die Umwelt und gebe dem Verstorbenen einen Sinn über den Tod hinaus, heißt es auf der Homepage der Initiative. Seit Mai 2020 ist diese Methode im US-Bundesstaat Washington legal. In anderen US-Staaten wie Kalifornien, Colorado oder Oregon werde darüber diskutiert, so Spade. Bis sich diese Bestattungsform auch in Deutschland durchsetzen kann, wird es laut Bestatter Vieweg wohl noch um die 30 Jahre dauern. "Da sind wir wohl einfach noch nicht offen genug, vielleicht auch zu spießig", glaubt Vieweg. Gleichzeitig stelle er fest, dass es insbesondere bei Menschen zwischen 18 und 30 Jahren "nach einem ersten Schreck" keinerlei Berührungsängste mehr mit der Idee einer Kompostierung gebe.

4 Entgiftung: Infinity Burial Suit oder Pilz-Särge

"Ein Leichnam ist nach einem ganzen Leben in der Regel voller Medikamente, Umweltchemikalien oder Schwermetalle", sagt Vieweg. Laut des Zentrums für Seuchenkontrollen in den USA sollen es sogar über 200 Substanzen sein. Streng genommen kann ein Leichnam also eine echte Gefahr für Böden und Grundwasser sein. Pilze können Giftstoffe neutralisieren, sie in ihre Bestandteile zersetzen und damit unschädlich machen. Die gebürtige Südkoreanerin Jae Rhim Lee hat deswegen einen speziellen Anzug erfunden, den "Infinity Burial Suit". Er ist gespickt mit Pilzen und Mikroorganismen, die nicht nur den Zersetzungsprozess der Leiche beschleunigen, sondern auch sämtliche Schadstoffe filtern.

Ähnlich funktionieren die Pilz-Särge des niederländischen Start-Ups "Loop". Gründer Bob Hendrikx entwickelte einen Sarg, der aus Pilzgeflecht besteht und in dem sterbliche Überreste nach eigenen Angaben innerhalb von zwei bis drei Jahren vollständig zersetzt werden. Verstorbene werden lediglich in ein Leinentuch gehüllt, der Sarg ist im Inneren mit Moos ausgelegt. "Wir finden das sehr interessant und sind gerade dabei, Kontakt zu den Herstellern aufzubauen, erste Bestattungen gab es in dem Sarg ja bereits", sagt Joerg Vieweg. Übrig bleibt auch hier am Ende lediglich Erde. Ob diese Bestattungs-Variante auch für Bremen geeignet wäre, bezweifelt Behördensprecher Jens Tittmann. "Wir haben in Bremen teilweise mit einem extrem hohen Grundwasserspiegel zu kämpfen, der den Verwesungsprozess behindert", sagt Tittmann. Auf einigen Bremer Friedhöfen gebe es deswegen gar keine Sargbestattungen mehr und ob Pilze unter diesen Bedingungen ihre Arbeit gut leisteten, sei zumindest fraglich.

5 Asche im eigenen Garten: Einmalige Möglichkeit in Bremen

Auch wenn fast alle Bestattungs-Alternativen für Bremen derzeit in weiter Ferne liegen, ist Bremen bezüglich der "Freiheit für die eigene Asche" so liberal, wie kein anderes deutsches Bundesland: Seit 2015 kann in der Stadt Bremen die Asche von Angehörigen, die ihren letzten Wohnsitz vor dem Tod in Bremen hatten, im eigenen Garten oder an anderen Orten in der Stadt vergraben oder verstreut werden. Vor dem Tod muss dafür lediglich die passende Bestattungsverfügung ausgefüllt werden. Möglich ist das in keinem anderen deutschen Bundesland, möglich gemacht wurde diese Option Ende 2014. Bis Ende 2020 sind 171 dieser Anträge beim Umweltressort eingegangen. "Diese Zahl ist noch relativ gering, das Gesetz ist allerdings wohl eher für kommende Generationen gemacht, die offen darüber nachdenken, wo überall und wie man in Zukunft trauern kann ", sagt Sprecher Tittmann.

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Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. September 2021, 19:30 Uhr