So bunt und außergewöhnlich wird der Kunsttunnel

Der Tunnel zwischen Kunsthalle und Osterdeich wird bald in bunten Farben erstrahlen: Der Künstler Johann Büsen verwandelt ihn in einen mystischen Ort – voller Fabelwesen und verwunschener Räume.

Kunsttunnel
Die Motive entstehen am Computer.

Der Herr der Fabelwesen wirkt erschöpft, aber glücklich. Seit Sonntag ist er im Fußgänger- und Fahrradtunnel Altmannshöhe zugange, bis zu 13 Stunden am Tag. Zusammen mit Freunden und Familienangehörigen beklebt er die Wände mit bunt bedruckten Papierbahnen – seinem Werk.

Johann Büsen, 32 Jahre, ist Bremer Künstler. Er hat den Auftrag erhalten, den sogenannten Kunsttunnel zwischen Osterdeich und Kunsthalle neu zu gestalten. Im vergangenen Oktober gab es hierzu eine Ausschreibung der Stadt. 33 Künstler bewarben sich. Anfang Dezember bekam Büsen den Zuschlag. Seitdem sitzt er an dem bislang größten Kunstwerk aus seiner Hand.

Knallbunt ist die Welt, die Büsen erschafft. Fabelwesen hausen in ihr, Tiere, Menschen. Verschiedene Epochen überlagern sich, Phantasie- und reale Welten. Eine Szene reiht sich an die andere, assoziativ greifen sie ineinander. So entsteht eine ganze Landschaft aus Räumen und Figuren, die der Betrachter entdecken und erkunden kann. "Mein Ziel ist es, dass die Menschen sich mit den Szenen auseinandersetzen, sich Fragen stellen", sagt Büsen. "Manchmal werden vielleicht auch mehr Fragen entstehen als Antworten."

Seine Motive findet Büsen in Politik, Wissenschaft, Film und Comics. Die Bilder entstehen dann am Computer. Manche Bildelemente scannt er ein, an anderer Stelle nimmt er Fotos oder selbst erstellte Zeichnungen als Ausgangsmaterial, das er anschließend verfremdet, überzeichnet und neu zusammenstellt. Am Ende werden die fertigen Landschaften mit einem speziellen Drucker auf Papierbahnen ausgedruckt.

186 solcher Bahnen hat er für den Kunsttunnel angefertigt, hinzu kommen einzelne Verschnitte für Übergänge und Ränder. Jede Papierbahn ist einen Meter breit und 2,50 Meter hoch. Insgesamt wird Büsen so 500 Quadratmeter Fläche bekleben. Zwei Wochen lange habe er allein für das Ausdrucken der Bahnen gebraucht, berichtet er. Sind die Bahnen angebracht, versiegeln er und seine Helfer sie mit einem Kunstlack, damit sie gegen die Witterung gefeit sind.

Johann Büsen beim Bekleben seiner Bilder
Vor Graffiti hat Büsen keine Angst: Kleinere Kritzeleien könnten sich sogar in sein Werk einfügen, findet er.

"Digitale Malerei" nennt er seine Arbeitsweise. Entwickelt hat er sie schon während seiner Zeit an der Hochschule für Künste, wo er die Fotoklasse von Peter Bialobrzeski besuchte. "Auch dort ging es viel um digitales Arbeiten und Bildkomposition", sagt er. "Das hat mich interessiert."

Inzwischen werden Büsens Werke deutschlandweit in vier Galerien verkauft, er hat immer wieder Ausstellungen in Bremen, aber auch in Köln oder Berlin. Er kann von seiner Kunst leben.

Es gehört viel Glück dazu. Aber auch gute überregionale Kontakte. Ich war in den vergangenen Jahren viel in Berlin und München – aber immer mit einem Bein in Bremen. Und hier will ich auch bleiben.

Johann Büsen, Künstler

Bis der Kunsttunnel fertig beklebt ist, wird es wohl noch zwei Wochen dauern, schätzt Büsen. Ende August oder Anfang September soll es dann eine feierliche Eröffnung geben. Auch anschließend ist Büsen für den Kunsttunnel verantwortlich: Fünf Jahre lang soll er sich darum kümmern, dass sein Kunstwerk in seinen bunten Farben leuchtet. Graffitis und Beschädigungen fürchtet er nicht. "Ich denke, dass sich kleinere Graffitis in das Kunstwerk einfügen können", sagt er. Bei größeren Beschädigungen könne er die Papierbahnen mit relativ geringem Aufwand austauschen.

Blick in den Kunsttunnel
So soll der Kunsttunnel in Zukunft nicht mehr aussehen.

An an eine Pause denkt Büsen auch nach diesem Großprojekt nicht. Er hat schon ein neues Projekt im Kopf, sogar die Finanzierung steht schon. Diesmal soll es ein Ausflug in die Virtual Reality werden. Die Fabelwesen werden ihn dorthin begleiten.

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16.08.2017