Kommentar

Freimarkt in Corona-Zeiten?: "Das passt nicht zusammen"

Auch in diesem Jahr heißt es wieder "Ischa Freimaak". Macht das Sinn in Corona-Zeiten? Nicht so richtig, findet Radio Bremen-Redakteur Thorsten Reinhold.

Eine Ampel, die die Stadtmusikanten als Männchen hat.
Der Senat hat grünes Licht für den Freimarkt gegeben. (Symbolbild) Bild: Radio Bremen

Die Bremer Osterwiese abgesagt, die Sail in Bremerhaven fällt ins Wasser und der Freimarkt? Der kommt. Bisher dachte ich, dass Corona und Massenveranstaltungen nicht zusammengehören. Jetzt wird passend gemacht, was nicht zusammenpasst. Da kommt der Koch mit seiner Acht Schätze-Gewürzmischung und will den Freimarkt so den Schaustellern schmackhaft machen. Ob den Schaustellern diese Mischung überhaupt schmeckt, wird sich ja noch zeigen. Ganz zu schweigen von den Besucherinnen und Besuchern, die da auch zugreifen müssen.

Mal ehrlich: Ist das überhaupt der Freimarkt, so wie viele ihn kennen und lieben? Aus dem Freimarkt wird ein Freizeitpark. Das Partyvolk wird wegbleiben. Wo ist denn der Spaß, wenn es weder Bier, noch Schunkeln im Festzelt oder Party in Halle 7 gibt? Ja, ja, ich weiß. Viele finden das bestimmt total gut, wenn es all das auf dem Freimarkt nicht gibt. Auf der anderen Seite gehört doch aber genau das zum Fest auf der Bürgerweide dazu. Und den Schaustellern bringt diese Zielgruppe Geld. Aus Infektionsschutzsicht ist es natürlich richtig, das Feiervolk auszubremsen. Sauf- und Knutschveranstaltungen passen einfach nicht zu Corona-Zeiten. Wenn also die Partypeople nicht kommen, wer kommt dann noch? "Mehr Familie, weniger Party", sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Das kann ich durchaus verstehen. Schließlich ist der Freimarkt vor allem für Kinder ein absolutes Highlight.

Wie sollen Abstand und Hygiene gewährleistet werden?

Aber. Jetzt kommt das Aber. Schulen und Kitas haben erst wieder geöffnet. Und damit haben Familien gerade wieder so eine Art normales Leben zurück. Aber die Freude währt ja irgendwie nicht lange. Denn es ist ein paar Tage her, da hatten wir massenhaft Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums in Quarantäne. Das bedeutet bei kleineren Kindern Betreuungswahnsinn für die Eltern und überhaupt bedeutet das Einschränkungen für die ganze Familie. Und es ist doch ziemlich klar, dass wir gerade im Herbst kaum Corona freie Schulen haben werden.

Und dann lassen wir Familien massenhaft auf den Freimarkt? Wie sollen da Abstand und Hygiene gewährleistet werden? Wer kontrolliert die Maskenpflicht? Wie soll ein Gastwirt das nachvollziehen? Warum soll ein Open-Air-Volksfest (korrigiere: Open-Air-Freizeitpark) möglich sein, ein Open-Air-Konzert aber nicht? Wieso darf Werder dann nicht vor bis zu 6.000 Zuschauern in der Bundesliga spielen? Mir fehlt eine klare Linie.

Ich möchte verstehen, warum das eine geht und das andere nicht. Es gibt ohnehin viel Kritik an der Corona-Politik. Warum bietet man solch eine Angriffsfläche? 

Autor

  • Thorsten Reinhold

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. September 2020, 19:30 Uhr