Modedesignerin Martina Glomb: "Bremen ist wie eine Jogginghose"

Trotz jahrelanger Arbeit mit Modegröße Vivienne Westwood hat Designerin Martina Glomb ihre Bremer Wurzeln nicht vergessen. Aber wie sieht die Modeszene in Bremen aus?

Designerin Martina Glomb steht vor einem Fenster.
Nach vielen Jahren in verschiedensten Ländern hat es Martina Glomb zurück nach Norddeutschland gezogen. Bild: Axl Jansen/ Martina Glomb | Axl Jansen

Zwischen Fridays For Future und dem Klimapaket der Bundesregierung wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger – auch in der Modeszene. Die Textilindustrie trägt maßgeblich zur Umweltverschmutzung bei, und die schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken machen immer wieder Schlagzeilen. Modedesignerin Martina Glomb hat es sich zur Aufgabe gemacht, daran etwas zu ändern. Und damit beginnt sie in den Köpfen der Bremer: Im Hafenmuseum Speicher XI können Besucher ein Gefühl dafür bekommen, was Nachhaltigkeit in der Mode heißt – und wie jeder Einzelne sie umsetzen kann.

Frau Glomb, Sie sind schon viel rumgekommen, haben in England, Italien und China gelebt und gearbeitet. Wie ist es, jetzt hier in Bremen Ihre Arbeit zu präsentieren?

Für mich ist das natürlich ein Highlight in meinem Leben. Dass die Ausstellung ausgerechnet in Bremen startet, finde ich ganz toll. Ich habe hier studiert, an der Hochschule für Künste. Und es bedeutet mir auch viel, weil ich nach vielen Jahren, in denen ich in der Welt rumgetingelt bin, wieder in die Nähe von Bremen gekommen bin.

Also beeinflusst Bremen Sie bis heute in Ihrer Arbeit?

Ja, das kriege ich doch nicht raus aus mir! Ist ja klar, selbst nach zehn Jahren in England, wenn ich Deutsch spreche, habe ich einen Bremer Slang. Das geht doch nicht weg. Bremen ist eine Stadt, die mir ganz wichtig ist, und die wird mich auch immer beeinflussen. Die Bilder, da gibt es auch Heimatgefühle. Ich wohne seit vielen Jahren bei Worpswede. Wenn ich da in die Gegend fahre dann merke ich, dass ich so kleine Wurzeln zwischen den Zehen habe. Aber ich war jetzt letzte Woche in Vegesack am Hafen, und wenn man dann da steht, dann fällt einem alles von früher wieder ein. Da hat man was gemeinsam, und das geht nie wieder weg.

Wenn Sie mit all diesen Erfahrungen jetzt auf Bremen gucken, wie würden Sie die Stadt in einem Wort beschreiben?

Ich würde Bremen gerne in Kleidungsstücken beschreiben. Dann ist die Stadt vielleicht eine Jogginghose, die aber noch einen coolen Patch draufhat. Oder ein Troyer. Der müsste dann aber auch noch einen Patch draufhaben. Aber vielleicht ist Bremen auch mehr ein Look. So zusammengesammelt aus allem, "I don't care, bin zu spät dran, aber irgendwie habe ich Charme".

Sie beschäftigen sich in Ihrer Arbeit auch viel mit Nachhaltigkeit in der Modebranche – was ist da das große Problem?

An allen Punkten im Produktionsprozess gibt es Probleme: Die Textilindustrie ist eine der größten Umweltverschmutzer und die Textilien werden unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt. Es wird zu viel Wasser verbraucht und Chemikalien verwendet. Bei den Nutzern ist es aktuell ein Trend, dass man sich ein umweltbewusstes Image gibt: Man kauft Second-Hand, geht freitags demonstrieren. Aber tatsächlich sieht es dahinter nicht so toll aus. Aber es liegt auch oft daran, dass man gar nicht weiß, worauf man achten muss und was man verändern kann. Und bevor sie sich blamieren, gehen sie dann doch wieder irgendwo hin und denken: "Ach, der Pullover ist aus Öko-Baumwolle. Da kaufe ich doch gleich mal zwei."

Und was kann man tun, um das zu ändern?

Hände fassen Baumwollstücke an, die aus einem Ball herausgucken.
Glomb ruft dazu auf, sich wieder mehr mit Materialien zu befassen. Bild: Daniela Buchholz/use-less Ausstellung | Daniela Buchholz

Weniger nutzen und weniger kaufen. Außerdem kann man die vorhandenen Teile fantasievoll und mit Humor neu nutzen. Und wenn man doch mal etwas kaufen möchte, dann muss man ganz genau prüfen, woher das Kleidungsstück kommt. Gehen Sie zur Verkäuferin und fragen: "Was ist das hier eigentlich? Wo kommt das her, wer hat das gemacht? Welche Geschichte steckt hinter diesem Teil?" Die Qualität ist auch ein wichtiges Kriterium. Aber wenn ich heutzutage nicht mehr abends stundenlang auf der Couch saß und gestrickt habe mit der Wolle in der Hand, wie soll ich dann im Geschäft einen Pullover anfassen und echte Wolle erkennen können?

Und wie kann man da auch als Laie wieder ein Gefühl für kriegen?

Nehmen Sie sich lokale Modedesignerinnen zur Hilfe. Da kann man fragen, was ist das eigentlich? Welches Material wurde verwendet? Wir Modedesignerinnen sind uns auch nicht zu schade, die Kleidungsbranche und vielleicht auch den eigenen Kleiderschrank etwas nachhaltiger zu machen.

Und wie weit ist Bremen damit schon? Wie sieht es hier in der Modeszene aus?

Portrait von Vivienne Westwood mit Kleidungsstücken.
Ein Portrait der Designerin Vivienne Westwood ist Teil der Ausstellung im Speicher XI. Bild: Ki Price/Martina Glomb | Ki Price

Es gibt hier eine sehr aktive Modedesign-Szene. Von kleinen Businesses, die Sachen ausprobieren. Secondhand-Läden. Es gibt kleine Geschäfte und auch anspruchsvolle Boutiquen. Aber das macht natürlich auch wieder Mühe, da musst du gucken, was gibt es? Und ich weiß nicht, ob den Leuten das dann nicht zu umständlich ist. Das ist das Problem, im Internet geht es einfach schneller.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 26. September 2019, 10:10 Uhr