Schwänzen für Klimaschutz: Sollten Schüler dafür bestraft werden?

In Bremen demonstrieren Schüler seit Wochen freitags gegen den Klimawandel – auch heute sind sie auf die Straße gegangen. Dass sie im Unterricht fehlen, verurteilen einige Politiker.

Schülerinnen und Schüler bei einer Demo zum Klimaschutz.
Bremer Politiker debattieren, ob es richtig ist, dass Schüler schwänzen, um zu demonstrieren.

"Alle reden übers Wetter, wir jetzt auch!" oder "Mama, was ist Schnee?" – Plakatsprüche wie diese haben Schülerhände in den vergangenen Wochen nicht nur in Bremen und Bremerhaven, sondern in vielen Städten in die Höhe gehalten. Sätze, die verdeutlichen sollen, weshalb die Jugendlichen sich im Zuge der weltweiten "Friday for Future"-Demonstrationen entschieden haben, künftig freitags den Klassenraum gegen die Straße zu tauschen. Dort protestieren sie, trotz Schulpflicht, gegen die derzeitige Klimapolitik. Auch an diesem Freitag demonstrierten Schülerinnen und Schüler auf dem Bremer Marktplatz.

Schülerinnen und Schüler bei einer Demo zum Klimaschutz.
Donald Trump bestreitet den Klimawandel, der seine Generation nicht mehr voll treffen wird.

Das Schwänzen gegen den Klimawandel stößt unter Bremer Politikern allerdings auf ein geteiltes Echo. Als einer der ersten übte beispielsweise der FDP-Bildungspolitiker Hauke Hilz Kritik daran, dass Schüler während des Unterrichts für den Klimaschutz demonstrierten. Politisches Engagement sei "gut und wichtig", so Hilz. Demonstrationen nach Schulschluss seien aber glaubwürdiger.

Ähnlich sieht es auch die CDU-Fraktion. Ihr bildungspolitischer Sprecher, Thomas vom Bruch, befürwortet zwar gesellschaftliches und politisches Engagement. Die Einigung der Kohlekommission verdeutliche schließlich, dass öffentliche Meinungsäußerungen nicht ungehört blieben, sondern sich in Politik umsetzten.

Mir erschließt sich jedoch nicht, warum das Engagement und die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden müssen.

Thomas vom Bruch, CDU

"Damit schaden sich die Schülerinnen und Schüler – anders als bei einem Arbeitsstreik – am Ende vor allem selbst", so vom Bruch. Es seien daher auch Schulleitungen und Klassenlehrer in der Pflicht, an die Schüler- und Elternverantwortung zu appellieren, die Schulpflicht ernst zu nehmen.

Bildungssenatorin warnt vor Folgen für Schüler

An die Schulpflicht hatte angesichts der großen Demonstrationen in Bremen bereits Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) im Januar erinnert. Zwar fände sie es gut, dass Jugendliche für ihre Umwelt und Rechte kämpften. Denn das sei gelebte Demokratie. Die Schüler "müssen dann aber auch mit eventuellen Folgen leben, denn es besteht Schulpflicht."

Ihr Parteigenosse Mustafa Güngör, bildungspolitischer Sprecher der SPD, hält von Sanktionen jedoch wenig. "Jetzt, wenn Schülerinnen und Schüler sich – wie immer wieder gefordert – engagieren, direkt nach Strafen zu schreien, ist der falsche Weg", sagt er. Es müsse vor allem darum gehen, das Gespräch mit den jungen Leuten zu suchen. "Wir sind klug beraten, das Anliegen der Schülerinnen und Schüler aufzunehmen – auch in den Schulablauf und Unterricht. Denn auch Schule ist etwas Positives."

Linke und Grüne verweisen auf Wirkungskraft von Schülerstreiks

Schülerinnen und Schüler bei einer Demo zum Klimaschutz.
Seit Wochen fordern die Schüler freitags weltweit eine andere Klimapolitik.

Erfreut darüber, "dass sich gerade die jungen Menschen für den Klimaschutz auf die Straße bewegen", ist Matthias Güldner, Bildungsexperte der Grünen-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft. Während mittlere und ältere Generationen das Problem vielleicht noch aussitzen könnten, sei eine heute 14-Jährige mit den Folgen des Klimawandels stark konfrontiert. Die Schulpflichtverletzung bestreitet er zwar nicht. "Die Brisanz des Protests kommt aber auch daher, dass ja ein Streik stattfindet", sagt Güldner. "Das stützt das Anliegen der Schüler." Es spreche indes nichts dagegen, sich darauf zu einigen, wie der Unterricht nachgeholt werden könne. Wichtig sei es auch, die Bewegung von der Straße in die Schulen und in den Unterricht selbst zu holen. "Meine Aufforderung an Schulen und Schulleitungen ist es daher, sich zusammenzusetzen und darüber zu diskutieren."

Die Schülerinnen und Schüler vertreten ein berechtigtes Interesse aller Menschen – ein Anliegen, von dem sich viele in meinem Alter nicht richtig betroffen fühlen: den Klimawandel mit seinen Auswirkungen.

Kristina Vogt, Die Linke

Von Strafen hält auch die Linken-Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt nichts. Die Proteste müssten empfindlich sein, um Wirkung zu zeigen. "Wofür sollen wir lernen, wenn wir keine Zukunft haben" sei griffig und  verdeutliche, dass die jetzige Generation die Verantwortung für die künftigen trägt. "Außerhalb der Unterrichtszeit würde diese Wirkung nicht entfacht werden", sagt Vogt.

Inwieweit Schüler und Schulleitungen bei den Freitagsprotesten aufeinander zugehen, darüber wird in den kommenden Wochen wohl noch reichlich diskutiert werden. Spätestens bei der nächsten weltweiten Großdemonstration. Sie ist für den 15. März geplant.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. Februar 2019, 23:30 Uhr