Freipark bleibt zu: Bremer Schausteller sehen sich als Bauernopfer

  • Schausteller scheitern mit Beschwerde gegen Schließung des Freiparks
  • Oberverwaltungsgericht bestätigt Entscheidung endgültig
  • Schausteller sind enttäuscht und können Entscheidung nicht nachvollziehen
Video vom 23. Oktober 2020
Eine Maske liegt auf dem Freimarktgelände in Bremen. Im Hintergrund sind geschlossene Buden zu sehen.
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Die Bremer Freimarkt-Alternative "Freipaak" bleibt wegen der hohen Infektionszahlen in der Stadt geschlossen. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) der Hansestadt nach Mitteilung vom Freitag beschlossen. Es wies die Klage mehrerer Schausteller ab und bestätigte einen Spruch des Verwaltungsgerichts Bremen. Der Beschluss ist nicht anfechtbar.

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes des Landes Bremen, Rudolf Robrahn, kritisierte die Entscheidung heftig und sprach von einer überzogenen Entscheidung. "Wir sind maßlos enttäuscht", sagte Robrahn zu buten un binnen. Er habe das Gefühl, dass die Schausteller zu Bauernopfern gemacht würden.

Es wird so getan, als sei der Freipark ein Infektionsherd. Das ist aber nicht der Fall.

Rudolf Robrahn, Bremer Schaustellerverband
Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbandes des Landes Bremen

Vor der Schließung des Freiparks hätten das Ordnungsamt und der Senat zunächst mit den Schaustellern über strengere Schutzmaßnahmen sprechen sollen, bemängelte Robrahn. Das Hygienekonzept der Schausteller sei schließlich nicht beanstandet worden.

Gericht sieht Großveranstaltungen als Treiber der Pandemie

Für das abgezäunte Gelände galt eine Beschränkung erst auf 6.000, dann nur noch auf 3.000 Besucher zugleich. In den Augen des Oberverwaltungsgerichts war es richtig, den Freizeitpark zu schließen, als die Corona-Verbreitung über den Grenzwert von 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg. Großveranstaltungen seien ein Treiber der Pandemie, heißt es in der Begründung (Az. 1 B 325/20).

Schaustellervertreter Robrahn sieht das anders: "Der Freipark wurde am 7. Oktober geschlossen und seitdem sind die Corona-Infektionen in Bremen dennoch weiter gestiegen." Er könne nicht nachvollziehen, warum Einkaufszentren offen bleiben, der Freipark aber geschlossen werde, sagte Robrahn und sprach in diesem Zusammenhang von Willkür. Außerdem kritisierte er, dass der Sieben-Tages-Inzidenzwert, mit dem die Schließung des Freiparks begründet wurde, in den Bedingungen für die Zulassung der Veranstaltung nicht erwähnt worden sei.

Lage der Bremer Schausteller wird immer bedrohlicher

Dennoch werden sich die Schausteller mit der Gerichtsentscheidung abfinden müssen. "Es macht jetzt keinen Sinn, darauf zu hoffen, dass der Inzidenzwert innerhalb der nächsten Tage unter die kritische Marke sinkt", sagte Robrahn. Am 1. November wäre für den Freipark ohnehin Schluss gewesen. Jetzt sei es jedem Schaustellerbetrieb selbst überlassen, ob er sofort abbaut, oder noch ein paar Tage abwartet.

Für die Zukunft seiner Branche hat Robrahn angesichts dieser Entwicklung keine guten Vorahnungen: "Die nächste Frage wird sein, ob und wie der Weihnachtsmarkt stattfinden kann. Bei vielen Betrieben sieht es aber jetzt schon finster aus", sagte Robrahn.

Autor

  • Milan Jaeger Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Oktober 2020, 19:30 Uhr