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Gift im Meer? Bremerhavener Forscher untersuchen alte Schiffswracks

Die Wissenschaftler haben erstmals Proben von einem mehr als 100 Jahre alten Schiffswrack vor Helgoland genommen. Ihre Vermutung: Die Munition an Bord gibt Gift ab.

Video vom 11. April 2021
Ein Taucher im Wasser. Er trägt einen Taucheranzug.
Bild: Radio Bremen

Dass in den Ozeanen und Meeren dieser Welt Unmengen an Plastik schwimmt, ist ja mittlerweile ziemlich bekannt. Was weniger bekannt ist: Am Boden von Nord- und Ostsee liegen gesunkene Schiffe, Granaten, Bomben und Minen – alles Überbleibsel der beiden Weltkriege.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts und des Deutschen Schifffahrtsmuseums aus Bremerhaven waren jetzt mehrere Tage vor Helgoland unterwegs, um ein Schiffswrack zu untersuchen. Die Forschungsexpedition ist Teil eines europaweiten Projekts.

Was wollen die Forscher herausfinden?
Die Forscherinnen und Forscher wollen wissen, wie gefährlich die Wracks sind, die in ihren Bäuchen noch eine ganze Menge Kriegsmunition geladen haben. Die Munition rostet nämlich – und gibt dabei, so die Vermutung der Forscher, Giftstoffe ab. Mit Folgen für Fische, aber auch andere Lebewesen. Und auch für Menschen, die Fisch essen, könnte das Auswirkungen haben. Das Ganze ist kein kleines Problem: Schätzungen zufolge liegen allein im deutschen Teil der Nordsee 1,3 Millionen Tonnen Munition.
Ein Schiff liegt an einem Pier.
Mit dem Forschungsschiff "Heincke" waren die Wissenschaftler unterwegs. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
Welches Wrack haben die Forschenden jetzt untersucht?
Die Wissenschaftler haben ein deutsches Kriegsschiff untersucht: Die "SMS Mainz" ist 1914 im Ersten Weltkrieg bei einer Seeschlacht von den Briten beschossen worden und dann gesunken. Das Schiff liegt nur etwa 30 Meter tief und ist daher für die Taucher gut erreichbar. Wie viel Sprengstoff das Schiff noch geladen hatte, weiß man nicht. Eigentlich wollte das Team noch zu zwei weiteren Wracks, aber der starke Sturm hat das verhindert.
Wie genau ist die Untersuchung des Wracks abgelaufen?
Das Team hat vor allem Proben genommen, sagt Expeditionsleiter Matthias Brenner: "Die Taucher waren unten am Wrack und konnten auch Bildmaterial liefern und auch direkt von der Wrackhülle Organismen einsammeln. Das heißt, wir haben jetzt, wenn wir zurückkommen, viel zu tun und insofern war das sehr, sehr erfolgreich." Sie untersuchen nun zum Beispiel Muscheln und Fische. Insbesondere die Leber der Fische wollen sie sich anschauen, weil dort die Giftstoffe verarbeitet werden.
Ein Mann steht neben Gasflaschen.
Matthias Brenner leitete die Expedition. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
Können die Forscher schon was zu den Ergebnissen sagen?
Nein, noch stehen Untersuchungen an. Mit den Ergebnissen soll dann eine Art Einstufung vorgenommen werden, welches Wrack wie gefährlich ist, sagt Matthias Brenner. Die Gefährlichkeit eines Wracks liegt jedoch nicht nur allein an der Menge der Munition, sondern auch an der Position des Schiffes.
Könnte man die Munition nicht einfach bergen?
Das ist nicht so leicht. Manche Sprengkörper, die in den Meeren liegen, sind laut Brenner noch voll funktionstüchtig. Am leichtesten wäre eine Bergung ihm zufolge bei den Verklappungsgebieten. Das sind die Orte, wo Munition auf einem Haufen entsorgt wurde. Aber es gibt noch einen wichtigen Punkt zu beachten, sagt Brenner: "Zusätzlich ist es auch so, dass die Wracks auch Denkmäler und Seemannsgräber sind. Das heißt, Räumen ist nicht einfach so möglich, das muss mit einem respektvollen Umgang geschehen."

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Autorin

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. April 2021, 19:30 Uhr