Wälder durch Klimakrise in Gefahr: So ist die Lage nahe Bremerhaven

Audio vom 7. Juli 2021
Zwei Männer stehen im Wald, einer zeigt auf etwas.
Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner
Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Die Klimakrise ist da und der Wald könnte ihr erstes Opfer werden, das hat die Bundesumweltstiftung am Mittwoch bilanziert. Ein Förster zeigt die Lage nahe Bremerhaven.

Angesichts des Klimawandels mit Trockenheit und Hitze nimmt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Auswirkungen auf den Wald stärker in den Blick. Die Klimakrise sei in Deutschland angekommen, sagte am Mittwoch der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde, bei der Vorstellung des Zustandsberichts in Osnabrück: "Der Wald könnte zum ersten Opfer der Klimakrise werden." Trotz eines regenreichen Frühjahrs drohe erneut ein Trockenjahr.

Das Absterben der Wälder wiege umso schwerer, weil sie als Klimahelfer gebraucht würden. Notwendig seien mehr wilde Wälder, aber auch eine nachhaltigere Holznutzung in langlebigen Produkten.

Borkenkäfer mögen schwache Bäume

Ein Mann lehnt an einem Baum.
Tobias Loewer ist Förster beim Forstamt Harsefeld in der Nähe von Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Ein Besuch bei Förster Tobias Loewer von den Niedersächsischen Landesforsten: Aus einer Fichte im Revier Holzurburg unweit von Bremerhaven tritt kräftig Harz aus – für den Förster ein Zeichen, dass sich der Baum gegen Schädlinge wehrt: "Ich achte darauf, wo Bäume anfangen zu schwächeln", sagt Loewer. Denn die seien besonders anfällig für Borkenkäfer, die zur Plage werden können. "Ein gesunder Baum kann sich erst mal gut gegen wehren."

Trockener Boden bereitet Probleme

Eine Hand hält ein Stück Baumrinde mit Insekten-Gängen.
Unter der trockenen Rinde toter Bäume leben Insekten, die wichtig für den Wald sind. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Erst das Zusammenspiel aus ausgetrocknetem Boden und einer hohen Temperatur, bei der sich die Käfer gut vermehren können, macht die Situation problematischer. So lange sich der Befall des Borkenkäfers in Grenzen hält, kann er durch Fressfeinde, wie den Specht, in Schach gehalten werden.

Loewer läuft zielstrebig auf einen abgestorbenen Baum zu, für Borkenkäfer uninteressant, weil hier die Rinde schon komplett trocken ist. Stattdessen haben sich andere Insekten, Spinnen und Kellerasseln breitgemacht. "Die sorgen dafür, dass hier ein ökologisches Gleichgewicht steht – Totholz im Wald ist enorm wichtig." Auch in Loewers Revier in der Nähe von Bremerhaven gibt es Schwierigkeiten durch Trockenheit.

Wir haben aus den letzten Jahren ein riesengroßes Defizit im Boden. Wir brauchen langfristigen Regen und konstant feuchtes Wetter.

Tobias Loewer, Förster

Aber vor allem die Probleme mit dem Borkenkäfer halten sich im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland noch deutlich in Grenzen, sagt er. Eher gebe es Schäden durch Mäuse und zu viel Rehwild, das sich gerne über die jungen Triebe der Bäumchen hermache: "Hier oben bei uns im Forstamt Harsefeld und speziell hier im Revier Holzurburg haben wir äußerst geringe Schäden", so der Förster. Es handele sich um einen Borkenkäferbefall in normalem Umfang. Durch die Küstennähe seien die Temperaturen etwas abgemildert und die Luftfeuchtigkeit etwas höher.

Förster fehlt das Verständnis

Drei Männer stehen imWald, einer zeigt auf etwas.
Förster Tobias Loewer mit Schülerpraktikant Simon und Knut Sierk von den Niedersächsischen Landesforsten (v.l.n.r.). Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Entdecken Förster einen stärkeren Käferbefall, bleibt ihnen nur schnell gegenzusteuern. Sie müssen die betroffenen Bäume fällen und aus dem Wald schaffen. Haben sich erst mal Hunderte Käfer ausgebreitet, besteht die Gefahr, dass die Situation außer Kontrolle gerät. "Ich glaube, die Schwierigkeiten des Klimawandels und, dass unsere Wälder sehr stark leiden, ist inzwischen absolut angekommen", sagt Loewer.

Was ihm als Förster große Probleme bereite, sei das Verständnis dafür, wie diese Probleme zustande gekommen seien. Dabei wolle er seinen Vorgängern allerdings nicht zum Vorwurf machen, dass es heute so einseitige Fichtenwälder gebe. "Es war eine riesige Leistung nach dem Zweiten Weltkrieg, wo es im Anschluss sehr große Verwüstungen und Holzrodungen gab, diese Flächen wieder zu bewalden."

Nachhaltiger Wald soll widerstandsfähiger werden

Die einseitigen Wälder versuchen die Förster umzugestalten – hin zu einem Mischwald, der gut nachwächst und nachhaltig bewirtschaftet werden soll. Etwa mit Baumarten wie der Douglasie, die durch ihre Eigenschaften für Loewer an vielen Standorten eher auf der Gewinnerseite des Klimawandels stehen. "Wir können auf tolle Art und Weise die wirtschaftlichen mit den Naturschutzaspekten kombinieren", sagt er. "Das Eine bedingt das Andere – nur wenn ich möglichst viel und hochwertiges Holz produziere, erreiche ich auch den größtmöglichen Klimaschutzeffekt, nämlich die Speicherung von Kohlenstoff." Dabei soll ein künftig widerstandsfähigerer Wald helfen.

Darum geht es den Wäldern in Deutschland immer schlechter

Video vom 21. März 2021
Ein umgefallener Baumstamm in einem Wald.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 7. Juli 2021, 17:10 Uhr