So geht faires Shoppen in Bremen: 4 Fakten zum neuen Kaufhaus

Am Samstag hat in der Obernstraße Bremens erstes faires und nachhaltiges Kaufhaus eröffnet. Wir erklären, was es zu kaufen gibt und warum man dort nicht nur shoppen kann.

Die drei Gründer von Ekofair stehen in ihrem Kaufhaus
Felix Halder, Urs Siedentop und Erik Wankerl (v.l.n.r.) sind die Gründer des neuen Bremer Kaufhauses "Ekofair". Bild: privat

1 Das Konzept

Das neue Kaufhaus in der Obernstraße funktioniert nach dem Prinzip eines "Concept-Stores": Verschiedene Bremer Labels kommen unter einem Dach zusammen und bieten ihre Produkte an. So unterschiedlich die Sachen sind, eines haben sie gemeinsam: Alles ist fair und nachhaltig produziert. "Es geht darum, ein alternatives Angebot zu schaffen", erklärt Urs Siedentop, der zusammen mit seinen beiden Partnern Felix Halder und Erik Wankerl Ekofair gegründet hat. "Und über die Themen Nachhaltigkeit und Fairtrade zu informieren." So wird auf Hinweistafeln im Kaufhaus etwa der Begriff Mikroplastik oder das Lieferkettensystem in der Textilindustrie erklärt.

Für ihn und das Team sei es selbstverständlich, dass Produkte nachhaltig sind, sagt Siedentop. "Wenn wir bei dem ein oder anderen ein Umdenken hervorrufen können, ist das schön." Aber: "Wir wollen niemanden bekehren oder belehren". Wichtiger sei es ihnen, dass Kundinnen und Kunden eine gute Zeit haben: "Die Aufenthaltsqualität ist uns wichtig, der Besuch bei uns soll Spaß machen, die Menschen sollen sich austauschen."

Wir sehen uns nicht als Weltverbesserer

Urs Siedentop, Mitgründer von Ekofair

Im Kaufhaus geht es deshalb nicht nur nur ums Shoppen, sondern auch um Kunst und Kultur – ein weiteres Merkmal des Prinzips "Concept-Store". Lokale Künstlerinnen stellen bei Ekofair ihre Werke aus. Wenn es die aktuelle Corona-Lage wieder zulässt, sind laut Siedentop auch Veranstaltungen, wie etwa Vernissagen und Vorträge, geplant. Und auch ein Café gehört zum Kaufhaus dazu.

2 Die Produkte

Mode, Möbel, Kosmetik, Lebensmittel, Pflanzen: Das Angebot bei Ekofair ist breit gefächert. Über zwei Etagen auf rund 600 Quadrametern verteilen sich die verschiedenen Bremer Labels. Wer möchte, kann im Kaufhaus mikroplastikfreie Seife kaufen, Laptop-Halter aus alten Skateboards oder eben fair gehandelte Kleidung. "Auch Second-Hand-Mode gibt es bei uns, die man sich vor Ort umschneidern lassen kann", so Mitbegründer Urs Siedentop.

Sogar ein Anbieter von Lastenfahrrädern und Gemeinwohl orientiertem Ökostrom gehört zum Ekofair-Kaufhaus dazu. "Auch Greepeace hat bei uns eine Kabine, wo in Zukunft Veranstaltungen stattfinden sollen", sagt Siedentop. Und auch rund um die Produkte der einzelnen Labels seien Workshops geplant. "Kundinnen und Kunden können dann zum Beispiel selber Seife herstellen oder sich an der Töpferscheibe ausprobieren", so Siedentop.

3 Die Eröffnung

"Wir sind total gespannt, unser Konzept in der Praxis zu erproben", sagt Ekofair-Mitbegründer Urs Siedentop. Auch wenn man sich den Start – mit Blick auf die Corona-Beschränkungen – natürlich anders vorgestellt habe. "Aber wir freuen uns auf die ersten Kundinnen und Kunden." Aufgrund der aktuellen Corona-Regeln gilt: Wer zur Eröffnung am Samstag oder an einem anderen Tag ins neue Kaufhaus kommen will, muss sich vorher online einen Termin buchen. Das geht über die Homepage von Ekofair. "Momentan bieten wir erst einmal Zeitslots von 45 Minuten an. Uns geht es nicht darum, den Laden voll zu bekommen, sondern dass der Besuch bei uns sicher ist", sagt Siedentop.

Unklar ist momentan noch, welche Bereiche des Fair-Kaufhauses in welchem Umfang ab Samstag öffnen werden. Denn bei Ekofair sind mehrere Angebote vertreten, für die jeweils unterschiedliche Corona-Regeln gelten: Während das Pflanzengeschäft laut Corona-Verordnung öffnen dürfte, greift für die anderen Einzelhandels-Bereiche das Termin-Shopping, im Café dürften Getränke zum Mitnehmen angeboten werden. "Momentan sind wir da noch mit den Verantwortlichen der Stadt im Austausch", sagt Kaufhaus-Mitbegründer Siedentop.

4 Die Vorgeschichte

Seit November steht fest, dass Ekofair in das ehemalige Geschäft der Modekette "Gerry Weber" in die Obernstraße ziehen wird. Urs Siedentop und seine beiden Partner hatten mit ihrer Idee eines nachhaltigen und fairen Kaufhauses den Wettbewerb "Concept-Store" gewonnen. Existenzgründerinnen und -gründer, Startups, aber auch bereits etablierte Einzelhändlerinnen und -händler konnten ihre Ideen einreichen.

Der Wettbewerb ist Teil des Aktionsprogramms "Aufenthalts- und Erlebnisqualität Innenstadt 2020-2021", das der Bremer Senat beschlossen hatte. Ziel ist es, die Bremer Innenstadt mit innovativen Konzepten wieder neu zu beleben.

13 Monate lang können Siedentop und seine Mitbegründer das Fair-Kaufhaus nun mietfrei betreiben. Sollte das Konzept erfolgreich sein, kann es im Anschluss an dieser oder an einer anderen Stelle in Bremen zu marktüblichen Bedingungen fortgesetzt werden, heißt es von Seiten der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die das Aktionsprogramm im Auftrag des Wirtschaftsressorts umsetzt.

Ekofair-Kaufhaus in Bremen eröffnet

Video vom 13. März 2021
Ein Schild eines Fairtrade-Ladens mit dem Namen "Ekofair".
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2021, 19:30 Uhr