Infografik

Fair Fashion — wie präsent ist fair produzierte Kleidung in Bremen?

In die Innenstadt soll Anfang des Jahres ein Fairtrade-Kaufhaus ziehen. Mit dabei ist ein Laden mit fairer Mode. Gründerin Fiona Albiana musste erst selbst lernen, umzudenken.

Schwangere Frau beim Einkauf in einem Bekleidungsgeschäft.
Faire Kleidung gibt es auch in Bremen jetzt in mehreren Läden. (Symbolbild) Bild: Imago | photothek

Fair produzierte und nachhaltige Mode ist offenbar immer gefragter. Auch in Bremen gewinnt das Thema an Relevanz. Mittlerweile gibt es in der Hansestadt eine Vielzahl an Läden, die Fair-Fashion verkaufen. Im neuen Jahr soll ein Fairtrade-Kaufhaus in die Innenstadt ziehen, das Bremer Labels eine Plattform bietet und für Kunden, die sicher gehen wollen, dass ihre Kleidung sowohl unter ethisch vertretbaren Bedingungen hergestellt als auch gesund für sie und ihre Umwelt ist.

Mit dabei ist auch Fiona Albiana. Mit bestickten und gedruckten Statements will die Gründerin auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam machen. Aufschriften wie "Free hugs" oder "Equality" zieren die genderneutralen Statement-Shirts ihrer Kollektion. "Jedes Geschlecht soll sich angesprochen fühlen, bei mir gibt es keine Unterteilung in Damen und Herren", erklärt die 25-Jährige. Neben ihren eigenen Designs verkauft die Bremerin seit Oktober 2020 Second-Hand-Kleidung und fair produzierte Produkte von anderen Bremer Labels wie "Tizz & Tonic" oder "Mamoana" in ihrem Concept-Store in Bremen-Mitte.

Modern und trotzdem nachhaltig?

Während Fiona vor drei Jahren noch fast täglich shoppen war, ist ihr heute ein nachhaltiger und ethisch vertretbarer Lebensstil wichtig. Sie ernährt und kleidet sich vegan, kauft in erster Linie gebrauchte statt neue Sachen.

Wenn man nur einmal einen Blick in die konventionelle Modeindustrie wirft und sieht, wie sehr Menschen, Tiere und die Natur unter den Bedingungen leiden, dann kann man nicht mehr seine Augen verschließen.

Fiona Albiana, Gründerin eines nachhaltigen Mode-Labels

Gutes Aussehen dürfe nie wichtiger sein als die Umwelt, die Würde eines Menschen oder Tieres, findet sie. Deshalb will sie ihren Beitrag leisten. Denn in ihren Augen geht beides: Moderne Kleidung, die gut aussieht und trotzdem nachhaltig und unter fairen Bedingungen produziert ist.

Video vom 20. Dezember 2020
Eine junge Frau mit dunklen langen Haaren steht mit einem Pudel im Arm in einem Bekleidungsladen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mit ihrer Mission und der Gründung geht die 25-Jährige Risiken ein. Auch, wenn sie ihren Entschluss für den Sprung in die Selbstständigkeit schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gefasst hat, sind die Startbedingungen für sie als Gründerin schwer. Sie blickt aber selbstbewusst in die Zukunft: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", ist ihr Motto.

Langsames Umdenken

Die Statements auf den von der Stiftung Fairwair Foundation zertifizierten Shirts schreibt die junge Gründerin des Labels "Alima" selbst. "Alima ist Hawaiianisch und bedeutet Handschrift." Mit dem Slogan "Statement is in you" möchte sie deutlich machen, dass jeder, der ein Shirt von ihr trägt, die Werte von Alima in die Welt trägt.

In der Bremer Fairtrade-Szene ist die 25-Jährige stark vernetzt. Zu vielen Läden hat sie einen guten Draht, kennt die Betreiber persönlich. So lässt sie ihre Shirts aus Bio-Baumwolle bei dem Label "Disko" im Viertel umweltfreundlich bedrucken, verkauft in ihrem Konzept-Store die Unterwäsche von "Tizz & Tonic" oder Schmuck vom Bremer Label "Layagh".

Auch, wenn faire Mode immer gefragter ist: Studien zeigen, dass noch lange nicht in allen Köpfen ein Umdenken stattfindet. Konventionelle Fast-Fashion-Marken wie H&M und Zara reagieren in Windeseile auf Trends, bringen fast wöchentlich neue und niedrigpreisige Kollektionen auf den Markt. Spätestens seit dem Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Bangladesch vor sieben Jahren steht die Modeindustrie aber massiv in der Kritik. Der Zeitdruck ist enorm, Arbeiter müssen die Kleidung unter menschenunwürdigen Bedingungen fertigen.

Kurzlebige Mode

Nach einer Studie vom Verein Christliche Initiative Romero kauft jeder Deutsche durchschnittlich etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lang wie noch vor 15 Jahren. Im Schnitt waren das etwa 200 Mal im Jahr 2000, 15 Jahre später nur noch 163 Mal.

Die Modeindustrie ist einer der umsatzstärksten Wirtschaftszweige. Damenbekleidung stellt das größte Segment im Markt dar. Insgesamt gaben Frauen im Jahr 2019 in Deutschland 776 Euro pro Kopf aus. Nach Zahlen des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie von 2019 generieren deutsche Unternehmen jährlich einen Umsatz von etwa 32 Milliarden Euro und sind damit in Europa führend. Die Preise für Kleidung steigen im Vergleich zu anderen Konsumgütern jedoch nur sehr langsam.

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Trotzdem steigt der Anteil der Verbraucher, die bei gleichem Preis und erwartetem Modegrad nachhaltig hergestellte Bekleidung kaufen würden. Immerhin 16 Prozent der Verbraucher stimmten nach einer Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen von 2018 voll und ganz zu, für umwelt- und sozialverträglich hergestellte Bekleidung mehr bezahlen zu wollen. 2017 stieg der Anteil an gekaufter Kleidung, der mit einem Ökolabel ausgezeichnet ist, auf 17 Prozent an.

Das Problem mit Greenwashing

In Deutschland wird sich der Umsatz mit nachhaltigen Produkten und Technologien laut Bundesumweltministerium bis Ende des Jahres auf 3,1 Billionen Euro verdoppeln. Bei Umfragen vor der Europawahl 2019 sahen mehr als die Hälfte der Befragten Umweltschutz als das wichtigste Thema an.

Dass Menschen die Umwelt am Herzen liegt, wissen längst auch große Firmen- und werben mit nachhaltigen Produkten. Nur sind diese nicht immer so umweltfreundlich und fair, wie sie daherkommen. Greenwashing und tatsächliche Nachhaltigkeit sind nicht immer leicht zu unterscheiden. Greenwashing (auf Deutsch Grünwaschen oder Grünfärben) ist eine Strategie, mit der sich Akteure durch die Verbreitung von Informationen ein Image ökologischer Verantwortung verschaffen. Die Behauptungen der Unternehmen sind vielleicht sogar wahr, das Kerngeschäft allerdings oft nicht umweltfreundlich. Die Unternehmen lenken von anderen Problemen, die ihre Produkte verursachen, ab.

Es handelt sich um Greenwashing, wenn etwa ein Bekleidungsgeschäft damit wirbt, dass seine T-Shirts aus Bio-Baumwolle hergestellt werden, das mitunter aber nur einen Bruchteil des gesamten Sortiments betrifft. So vergessen Kunden schneller, dass ihre Kleidung zwar aus Bio-Baumwolle, aber immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen genäht wurde. Umso wichtiger sind nachhaltige Siegel, an die sich Verbraucher halten können.

Autorin

  • Maria Sandig

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Dezember 2020, 23:30 Uhr