Erstaufnahmeeinrichtung: Initiative kritisiert Ende des Aufnahmestopps

  • Flüchtlingsinitiative: An den Mängeln hat sich nichts geändert
  • Derzeit leben laut Sozialbehörde rund 160 Menschen in der Einrichtung
  • Behörde erlässt Auflagen für Einrichtung
Ein Gebäude mit vielen Fenstern liegt hinter Bäumen und einem Zaun.
In den letzten Monaten hatten sich rund 200 Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in Bremen-Vegesack mit dem Coronavirus infiziert. (Archivbild) Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Initiative "Flüchtlingsrat Bremen" kritisiert die Aufhebung des Aufnahmestopps in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Bremen-Vegesack. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hatte das Ende des Aufnahmestopps am Donnerstag in der Sozialdeputation verkündet. Nach Ansicht von Holger Dieckmann vom "Flüchtlingsrat Bremen" hat sich an den wesentlichen Mängeln in der Einrichtung nichts geändert. Unter anderem sei die Lüftung mangelhaft und teilweise gebe es nur zimmerartige Kabinen mit unvollständigen Wänden. Die Bäder und Toiletten für zehn Personen und lediglich "angestrebte" Einzelzimmer würden der neuesten Corona-Verordnung widersprechen und die Sozialsenatorin habe diese Kritikpunkte selbst eingestanden.

Bereits am Dienstag habe das Gesundheitsamt den Corona-Ausbruch in der Einrichtung offiziell für beendet erklärt, hieß es in der Sozialdeputation. Rund 200 Bewohner waren in den letzten Monaten positiv auf das Virus getestet worden. Inzwischen seien alle wieder genesen. Schwere Krankheitsverläufe mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf hat es laut der Behörde nicht gegeben.

Protest gegen die Bedingungen in der Einrichtung

Immer wieder hatten Bewohner und Initiativen gegen die Unterbringung in der Einrichtung und die dortigen Bedingungen protestiert. Derzeit sei die Einrichtung mit rund 160 Personen belegt, hieß es in der Sozialdeputation. Für die Dauer der Corona-Pandemie werde eine Belegung mit etwa 200, aber nicht mehr als 250 Personen angestrebt. Insgesamt stehen laut Behörde rund 190 Wohnräume zur Verfügung. Bereits im März seien 30 Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aus der Einrichtung ausgezogen, inzwischen hätten annähend 450 Menschen die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen.

Die Sozialbehörde knüpft die Aufhebung des Aufnahmestopps für die Erstaufnahme an Auflagen. Dazu gehöre die Aufteilung der Flure auf kleine Kohorten von maximal zehn Personen mit jeweils eigenem Sanitärbereich. Mit Ausnahme von Familien und Paaren solle eine Unterbringung in Einzelzimmern angestrebt werden. Wer wegen seines Alters oder wegen Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf trägt, der solle zudem auch künftig möglichst in einer anderen Einrichtung untergebracht werden. Alle Neuankommenden werden weiterhin auf das SARS-CoV-2-Virus getestet und vorerst separat in eigenen Räumen der Erstaufnahme untergebracht.

Die Initiative "Flüchtlingsrat Bremen" fordert unterdessen ein "Konzept für die dauerhafte dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in menschenwürdigen Umständen".

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Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Juni 2020, 23:30 Uhr