Oyten sagt Elterntaxis den Kampf an – auch ein Modell für Bremen?

Oyten greift durch. Damit Eltern ihre Kinder nicht länger mit dem Auto zur Schule bringen, sperrt die Gemeinde die einzige Zufahrt.

Eine Polizistin, die eine Warnjacke trägt, geht auf ein Auto zu.

Es sei zwar nur ein Test, versichert Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse (CDU). Ein Test allerdings, von dem sie sich viel verspreche. Von Montag, 13., bis Freitag, 24. Januar, sperrt die Gemeinde Oyten die Pestalozzistraße für den Autoverkehr, jeweils von 7.15 bis 8.15 Uhr sowie von 12 bis 15.30 Uhr, also zu Schulbeginn und zum Unterrichtsende. Nur, wer eine Sondergenehmigung vorweisen kann, darf in dieser Zeit mit dem Auto in die Pestalozzistraße fahren.

Mit der Sperrung möchte die Gemeinde Eltern davon abbringen, ihre Kinder mit dem Auto zum Schulzentrum zu fahren. Es gebe immer mehr sogenannte "Elterntaxis", sodass die Verkehrsverhältnisse zu Schulbeginn vor Ort oft chaotisch seien, sagt Röse. Bei der Pestalozzistraße in Oyten handelt es sich um eine Sackgasse mit kurvenreicher Einfahrt (siehe Foto).

Enge Zickzack-Zufahrt einer ländlichen Straße, der Pestlozzistraße in Oyten
Auch ohne Elterntaxis ziemlich unübersichtlich: die Zufahrt zur Pestalozzistraße in Oyten.

"Die Lage ist hier sehr unübersichtlich, gerade im Winter, wenn es zu Schulbeginn noch dunkel ist", erläutert die Bürgermeisterin. Sie spricht von einem hohen Unfallrisiko, gegen das die Gemeinde dringend etwas unternehmen müsse. Darüber herrsche in der kommunalen Politik parteiübergreifend Konsens. Das bestätigt auch Volker Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD Oyten: "Wir sind alle sehr gespannt, wie das zweiwöchige Experiment verläuft. Es muss etwas geschehen." Viel zu viele Eltern brächten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Verkehrswacht Bremen Stadt kritisiert "neue Generation von Eltern"

Wie in Oyten, so in Bremen. "Wir haben genau die gleichen Probleme", sagt Ingo Biniok, erster Vorsitzender der Verkehrswacht Bremen Stadt.

Manche Eltern würden ihre Kinder am liebsten bis ins Schulgebäude fahren.

Ingo Biniok
Ingo Biniok, erster Vorsitzender der Verkehrswacht Bremen Stadt

Biniok spricht von einer "neuen Generation von Eltern". Diese Eltern wollten ihre Kinder besonders behütet erziehen, seien übervorsichtig. Dabei fänden sich Kinder erfahrungsgemäß umso besser im Straßenverkehr zurecht, je früher sie sich an diesen Verkehr gewöhnten, sagt er. Die Verkehrswacht empfiehlt Eltern daher, ihre Kinder zur Einschulung ein paar Wochen auf dem Schulweg zu begleiten und sie behutsam darauf vorzubereiten, eigenständig zur Schule zu laufen oder zu fahren: mit Bus, Bahn oder Fahrrad.

Verkehrsexperte: Kinder fahren schlechter Rad

Allerdings könnten Bremens Schüler oftmals gar nicht mehr richtig Rad fahren, stellt Biniok fest. So fielen die Ergebnisse beim Fahrradtraining der Kinder seit Jahren immer schlechter aus. "An die Stelle des Opas, der den Kindern früher das Radfahren beigebracht hat, sind inzwischen leider oft Computer und Handys getreten", sagt Biniok. Viele Kinder besäßen noch nicht einmal mehr ein eigenes Fahrrad. "Fatal" nennt Biniok diese Entwicklung. Er findet, dass jedes Kind möglichst früh das Radfahren lernen sollte.

Dass die Gemeinde Oyten den Elterntaxen nun gar mit einer Straßensperre begegnet, kann Biniok gut nachvollziehen. Dennoch ließe sich ein vergleichbares Experiment in Bremen kaum in die Tat umsetzen, glaubt er: "Fast all unsere Grundschulen liegen an Durchgangsstraßen. Der Individualverkehr bräche schnell zusammen, wenn man eine solche Straße einfach sperren würde." Auch könnte die Bremer Polizei den personellen Aufwand kaum stemmen, den ein derartiger Versuch mit sich brächte. Davon unberührt ist auch Biniok "sehr gespannt" auf die Ergebnisse des Experiments in Oyten.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Januar 2020, 19.30 Uhr