Keine Frauen – kein Innensenator: Mäurer geht nicht zum Eiswettfest

  • Karoline Linnert darf als Frau Bürgermeister Sieling beim Eiswettfest nicht vertreten
  • Innensenator Mäurer sagt aus Protest Teilnahme ab
  • Politiker und Frauenbeauftragte sprechen von Sexismus
Zu sehen sind die eingeladenen Männer des Eiswettfestes von oben.

Rund 800 Männer aus Wirtschaft und Politik haben am Samstag im Kongresszentrum Bremen das Eiswettfest gefeiert. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagte seine Teilnahme allerdings ab. Damit wolle er gegen das Vorgehen des Eiswettvereins protestieren, wie Staatsrat Thomas Ehmke mitteilte. Der Verein hatte sich geweigert, Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) als Vertretung für den verhinderten Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) einzuladen.

Der CDU-Spitzenkandidat, Carsten Meyer-Heder, sieht kein Problem. "Dass Frauen nicht zugelassen werden, finde ich ok", sagte er, bevor er das Kongresszentrum betrat. Das Fest habe Tradition und sei eine Bremensie, führte er als Begründung an.

Demonstration gegen Ausschluss von Frauen

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer im Interview
Er will nicht, wenn Karoline Linnert nicht darf: Innensenator Mäurer sagte seinen Besuch beim Eiswettfest ab.

Vor dem Kongresszentrum hatten sich gut 20 Demonstrantinnen und Demonstranten versammelt – auch, um gegen den traditionellen Ausschluss von Frauen beim Eiswettfest zu protestieren. Darunter die SPD-Landesvorsitzende Sascha Aulepp. Sie sagte buten un binnen: "100 Jahre Frauenwahlrecht. Eine Bürgermeisterin kommt aber nicht in Frage? Das ist undemokratisch." Bremens Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm war ebenfalls vor Ort.

Der Ausschluss von Frauen beim Eiswettessen, nur weil sie Frauen sind, ist sexistisch. Nichts anderes.

Bettina Wilhelm, Frauenbeauftragte Bremen

Obwohl der Ausschluss von Frauen sexistisch sei, werde das Fest jedes Jahr aufs Neue groß gefeiert und medial begleitet, hatte Wilhelm schon am Freitagabend schriftlich mitgeteilt. "Dass nun aber die Bürgermeisterin als demokratisch gewählte Mandatsträgerin den Bürgermeister nicht ihrem Amt entsprechend vertreten darf, ist nicht nur eine – weitere – Missachtung einer Frau. Es ist auch die Missachtung eines demokratischen Amtes: ein Affront gegen die Demokratie.", so die Frauenbeauftragte weiter.

Auch Bürgermeister Sieling kritisiert die Veranstalter des Eiswettfestes. Frauen traditionell von dem Stiftungsfest für die Seenotrettung auszuschließen, sei nicht mehr zeitgemäß, sagte er.

Bremerhavens OB nimmt Platz von Sieling ein

Sieling konnte selbst nicht zum Fest der Eiswette kommen, weil er zur Trauerfeier des getöteten Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz gereist ist. Die Veranstalter haben entschieden, dass der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) dessen Platz einnehmen soll – weil er ein Mann ist. Nach dem Protokoll des Bremer Senats hätte Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert gefragt werden müssen.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Januar 2018, 19:30 Uhr