So geht Einkaufen ab heute in Bremen und Bremerhaven

Ein Stück Normalität in der Corona-Krise beginnt: Heute können viele Geschäfte unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen. Was Sie dürfen – und was nicht.

Eine Frau trägt eine Schutzmaske und Handschuhe bei ihrem Einkauf.
Das Tragen einer Mundschutzmaske beim Einkaufen wird auch in Bremen dringend empfohlen. (Symbolbild) Bild: Imago | Eibner Europa

Ab heute dürfen Geschäfte wieder öffnen – mit Auflagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dies am vergangenen Mittwoch angekündigt. Denn die Daten über die Corona-Infektionen zeigen, dass sich das Virus etwas langsamer ausbreitet. Die Reproduktionszahl für Deutschland liegt laut Robert-Koch-Institut unter 1 – bei 0,7. Das bedeutet: Ein Infizierter steckt zurzeit weniger als eine andere Person an. Vor allem aber wird jetzt eine schrittweise Rückkehr in die Normalität angestrebt. Bundesweit und natürlich auch im Land Bremen.

Deshalb hat der Senat am Freitag entschieden, dass die Bremer Geschäfte ab heute wieder aufmachen dürfen. Vorausgesetzt, dass sie gewisse Kriterien erfüllen. So wird dann ab nächster Woche der Einkaufs-Bummel im kleinsten Bundesland aussehen.

1 Mundschutzmasken empfohlen

Das Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes wird "dringend empfohlen", wie die Sprecherin des Bremer Innensenators, Rose Gerdts-Schiffler, erklärt. "Auch selbst genähte. Das ist ein Schutz für die anderen Menschen." Eine Pflicht besteht allerdings nicht. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) mutmaßte, dass die Geschäfte sie ihren Kunden künftig freiwillig zur Verfügung stellen werden.

Natürlich freuen wir uns, dass es wieder losgeht.

Jörg Fengler
Jörg Fengler, Inhaber von "Titus"

Darüber hatte auch Jörg Fengler vom Skateshop "Titus" im Bremer Viertel nach der Ankündigung der Bundeskanzlerin nachgedacht, als die genauen Auflagen noch nicht feststanden. Doch es gebe kaum welche auf dem Markt, sagt er. "Die Mitarbeiter tragen selbstgenähte." Die Anpassungen in dem Bremer Laden laufen jedenfalls auf Hochtouren. Fengler und seine Mitarbeiter haben sich bereits Bodenmarkierungen und Spuckschutz im Baumarkt besorgt. "Wir werden die nächsten zwei Tage damit verbringen. Wir werden die Möbel umgestalten, um einen größeren Abstand zu ermöglichen", sagte er schon am Donnerstag.

2 Abstände

Denn auf ausreichenden Abstand sollte man weiterhin achten: Mindestens 1,5 Meter müssen im Einzelhandel jederzeit eingehalten werden. "Die Einzelhändler müssen das sicherstellen. Es darf keine engen Schlangen geben, der Zutritt muss reguliert werden", sagt Gerdts-Schiffler. Eine Sicherheitskraft ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Eventuell müssen die Kunden von den Mitarbeitern selbst aufgefordert werden, den gebotenen Abstand zu halten.

3 Mitarbeiterschutz

Auch für Kassierer und Mitarbeiter an der Kasse soll der Schutz gewährleistet werden. Wie, wird momentan noch den Geschäftsinhabern überlassen. "Es muss einen Schutz für die Kassierer und Kassiererinnen geben – sei es durch Plastik oder Mundschutz", sagt die Sprecherin. Noch sei die Regelung nicht im Detail festgelegt.

Wir werden das ganze Wochenende im Laden verbringen.

Eva Schröder, Inhaberin von "Der Schuh"

Darauf bereitet sich jedenfalls Eva Schröder vor, Inhaberin vom Schuhladen "Der Schuh" am Ostertor. Und zwar seit Donnerstag. "Mein Mann und mein Sohn versuchen gerade eine Schutzwand zu bauen – mal schauen, ob das klappt", sagt sie und lacht. "Wir haben auch einen größeren Tisch nach vorne gezogen."

4 Verweilen

Vor allem Geschäfte wie Buchläden sollten aufpassen, dass es sich die Kunden nicht in einer Ecke gemütlich machen und sich kleine Grüppchen bilden, mahnt Sprecherin Gerdts-Schiffler. Das gilt auch für Gastronomen, die Speisen außer Haus verkaufen. Kunden sollten nicht an Tischen oder auf Stühlen vor dem Lokal essen.

5 Einkaufsfläche

Nur Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmeter dürfen allerdings ab Montag aufmachen. Ausgenommen von dieser Regel sind Auto-, Fahrrad- und Buchläden. Es gibt jedoch einen legalen Umweg: Größere Geschäfte dürfen ihre Fläche durch Trennwände reduzieren und so unter der 800-Quadratmeter-Grenze bleiben. Für Einkaufszentren gilt die Flächenbeschränkung nur in den jeweiligen Einzelgeschäften.

Doch wieso genau 800 Quadratmeter? Juristisch gesehen sei das die Grenze, die großflächige von nicht-großflächigen Geschäften unterscheidet. Das teilte der Bremer Bürgermeister am Freitag mit.

6 Unterschiede zwischen Einkaufszentren und Einzelhandel

Einzelhändler brauchen kein Sicherheitskonzept vorzulegen – anders als die Einkaufszentren. "Einkaufszentren müssen bis Montag ein Konzept vorlegen: regulierter Zutritt, nicht zu enge Räume, ausreichender Abstand", sagt die Sprecherin des Innensenators. Wer kein realistisches Konzept vorlegt, muss mit weiteren Auflagen oder mit einer erneuten Schließung rechnen.

Von den Einzelhändlern verlangen wir kein Konzept. Wir erwarten aber, dass sie die Wiedereröffnung verantwortungsvoll umsetzen.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde
Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Bremer Innensenators, Ulrich Mäurer (SPD)

Für den Einzelhandel gilt: Öffne man ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, seien Sanktionen möglich. "Wenn jemand sich nicht an die Auflagen hält, wird das Ordnungsamt ihn ansprechen. Werden sie weiterhin ignoriert, kann es zu Bußgeldern oder sogar Schließungen kommen."

Vor allem Einkaufszentren müssen aufpassen, dass sich durch Sitzbänke, Stände oder andere Elemente keine engen Gassen in den Fluren bilden. Außerdem sollte Essen am besten außerhalb der Strukturen oder höchstens im Stehen konsumiert werden. Auf jeden Fall aber nicht im Sitzen. Wie der Senat am Freitag mitgeteilt hat, sollte zudem auf Hygiene besonders geachtet werden.

Diese Folgen haben die Corona-Lockerungen für den Bremer Einzelhandel

Video vom 16. April 2020
Die Shopping-Meile in der Bremer Innenstadt.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. April 2020, 19:30 Uhr