Bremerhavener Klima-Forscher befürchten extreme Dürren in Deutschland

  • Deutschland muss sich laut Forschern künftig auf schwere Dürren einstellen
  • Das ergab eine Studie unter Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts
  • Grundlage ist die Analyse historischer Klimadaten
Vier junge Menschen sitzen auf einer vertrockneten Wiese.
Laut Bremerhavener Forschern drohen Deutschland extremere Dürren als im vermeintlichen "Rekordjahr" 2018. (Archivbild) Bild: DPA | Christoph Hardt

Ein Blick ins letzte Jahrtausend zeigt: Dürren in Deutschland könnten extremer werden. Das teilt das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) mit, unter dessen Leitung Forscher historische Klimadaten analysiert haben. Zukünftig könnten Dürren demnach noch stärker ausfallen, als dies im besonders trockenen Jahr 2018 in Teilen Deutschlands der Fall war. Dazu könne die menschengemachte Klimaerwärmung beitragen. Die Analyse von Klimadaten des letzten Jahrtausends zeige, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssten, damit eine Megadürre auftrete. Neben steigenden Temperaturen sei das die Sonneneinstrahlung sowie bestimmte Wetterlagen und Strömungsverhältnisse im Nordatlantik, wie sie für die Zukunft vorhergesagt würden.

Natur leidet unter Trockenheit der letzten Jahre

Trotz teilweise üppiger Niederschläge in diesem Winter haben sich vielerorts in Deutschland die Böden noch nicht von den drei letzten trockenen Jahren erholt, teilen die Forscher mit. Die Natur leide darunter. Entgegen Spekulationen sei das "Rekordjahr" 2018 aber nicht das trockenste der modernen Geschichte gewesen. Es bewege sich mit Blick auf die Daten des letzten Jahrtausends vielmehr innerhalb natürlicher Schwankungen. Die Forscher fanden heraus, dass es extreme Dürreperioden vor allem im 15. Jahrhundert und zwischen 1770 und 1840 gab.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass es im Zuge des Klimawandels in Deutschland zukünftig zu Extremdürren kommen kann, die in der modernen Land- und Forstwirtschaft enorme Schäden anrichten.

Dr. Monica Ionita-Scholz, Alfred-Wegener-Institut

Monica Ionita-Scholz hat mit ihrem Team die Dürren der Vergangenheit rekonstruiert, um daraus Vorhersagen für die Zukunft abzuleiten. Beobachtungs- und Modelldaten deuten demnach auf eine Veränderung der Bedingungen im Nordatlantik und dem Mittelmeer hin, was zu häufigeren Dürren in Zentraleuropa führen könnte. Dieser Aspekt sei in Vorhersagen bisher nicht berücksichtigt worden. "Prognosen für zukünftige Dürreszenarien konzentrieren sich derzeit auf die steigenden Temperaturen im Zuge der menschgemachten Klimaerwärmung, verbunden mit Trockenheit durch starke Verdunstung", sagt Ionita-Scholz. Hier gelte es, die natürlichen Variablen gemeinsam mit den Signalen des Klimawandels zu berücksichtigen. Kämen mehrere dieser Faktoren zusammen, könne es wieder zu ausgeprägten Dekaden andauernder Megadürren führen. Dies sei eine enorme Herausforderung für Gesellschaft und Politik.

So sieht Klimaforschung im Land Bremen heutzutage aus

Video vom 5. Juni 2020
Drei Eisbären, die hintereinander laufen, in der Arktis.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. März 2021, 23:30 Uhr