Demo vor Bremer Standesamt: Mütter fordern Geburtsurkunden

  • Rund 70 Menschen haben vor dem Standesamt demonstriert
  • Sie fordern die schnellere Herausgabe von Geburtsurkunden
  • Hintergrund ist der Streit um die Anerkennung von Vaterschaftsrechten
Video vom 22. September 2020
Demonstrationfür das Recht auf Geburtsurkunden. Mehrere Leute halten Schilder hoch.
Bild: Radio Bremen

Rund 70 Menschen, darunter viele Mütter aus Afrika, haben am Dienstag vor dem Bremer Standesamt für die Herausgabe von Geburtsurkunden demonstriert. Die Demonstrierenden werfen der Behörde herabwürdigende Verfahren und eine rassistische Behandlung vor.

Hintergrund ist das Vorgehen der Behörde bei der Anerkennung von Vaterschaftsrechten. Das Standesamt verweist auf Fälle, in denen Mütter aus dem Ausland deutsche Männer als Väter angegeben haben, obwohl sie im Ausland verheiratet sind. Die Kinder werden dadurch deutsche Staatsbürger.

Auf Anfrage von buten un binnen teilte die Behörde mit, dass in den vergangenen fünf Monaten von 56 Familienstandsangaben mit Herkunft Nigeria zwölf angezweifelt worden seien. Vier davon hätten sich als unwahr herausgestellt. Von 90 Familienstandsangaben mit Herkunft Ghana seien 37 angezweifelt worden. Von diesen hätten sich zwölf als offenbar unwahr herausgestellt.

Die Folge: Während sonst eine Bearbeitungszeit von maximal einer Woche üblich ist, warten viele der Demonstrantinnen, darunter vor allem Frauen mit Migrationshintergrund, seit vielen Wochen oder Monaten auf die Aushändigung von Geburtsurkunden.

Flüchtlingsrat kritisiert Überprüfung der Mütter

Die Organisatoren der Demo vor dem Standesamt sprachen gegenüber buten un binnen von bis zu 200 betroffenen Müttern und Kindern, die aktuell auf Geburtsurkunden warten. "Nach bürgerlichem Gesetzbuch ist es tatsächlich so, dass zunächst derjenige Vater des Kindes ist, mit dem die Frau zum Zeitpunkt der  Geburt verheiratet ist", sagt Gundula Oerter vom Flüchtlingsrat Bremen. Die Frau selbst wisse es aber am besten, ob und mit wem sie verheiratet sei. "Und im Gesetz steht nicht, dass das bei Frauen regelmäßig und grundsätzlich überprüft werden muss." Dies geschehe aber hier.

Die Behörde weist hingegen darauf hin, dass eine Vaterschaft laut Gesetz dann genau geprüft werden müsse, wenn sie gezielt zu dem Zweck anerkannt werden soll, unter anderem die rechtlichen Voraussetzungen für die erlaubte Einreise oder den erlaubten Aufenthalt des Kindes, des Anerkennenden oder der Mutter zu schaffen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. September 2020, 19:30 Uhr