Gegendemonstranten stören in Bremen Kundgebungen gegen Corona-Regeln

  • Mehrere Demos gegen Corona-Vorschriften
  • Hunderte Gegendemonstranten stoppen Autokorso
  • Polizei spricht von gereizter Stimmung
Video vom 9. Mai 2020
Polizisten halten Radfahrer am Stern in Bremen auf

In Bremen haben mehr als 100 Menschen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert. Ihnen stellten sich mehrere Hundert Gegendemonstranten entgegen. Laut Polizei war die Stimmung zeitweise gereizt. Die Beamten ermitteln gegen mehrere Demonstranten wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und gegen Infektionsschutzmaßnahmen.

Die erste Demo sollte eigentlich in Form eines Autokorsos am Nachmittag von der Parkallee in Richtung Innenstadt aufbrechen. Sie wurde allerdings nach einer Stunde vom Veranstalter abgebrochen, weil sich den Demonstranten in den 45 Autos – viele davon aus dem Umland – rund 200 linke Gegendemonstranten auf Fahrrädern entgegengestellt hatten. Sie fuhren im Stern im Kreis und blockierten so die Strecke.

Verstöße gegen das Versammlungsgesetz

Als der Korso umgeleitet werden sollte, verlagerten die Gegendemonstranten ihren Protest und verhinderten den Start endgültig. Die Polizei leitete deshalb Ermittlungsverfahren wegen Verstöße gegen das Versammlungsgesetz ein. Ein Auto eines Teilnehmers wurde laut Polizei zudem mit zwei mit Mehl gefüllten Tüten beworfen.

Autos mit Transparenten in Bremen
Beim Autokorso waren Transparente zu populären Verschwörungstheorien zu sehen.

Der Organisator des Autokorsos schrieb auf der Facebook-Seite der Veranstaltung gegen den "Corona-Shutdown" und "Zwangsimpfungen", man habe sich im Gegensatz zu den Gegendemonstranten vorbildlich verhalten. Er wehrte sich in dem Statement auch gegen Vorwürfe, die die Demo mit Verschwörungstheorien in Zusammenhang bringen würden. Auf einigen Bannern an den Autos waren allerdings gängige Corona-Mythen zu lesen, etwa Vorwürfe gegen Bill Gates und angebliche Zwangsimpfungen.

Ähnlich sah es auf dem Marktplatz aus, wo laut Polizei rund 100 sehr unterschiedliche Menschen gegen die Corona-Regeln demonstrierten, darunter Mitglieder der Bremer Friedensbewegung und vereinzelte Reichsbürger. Viele hielten sich von den etablierten Medien schlecht informiert oder sahen ihre Grundrechte in Gefahr. Aber auch Verschwörungstheorien bis hin zu Vergleichen mit dem Dritten Reich samt Holocaust waren zu lesen. Einige der Teilnehmer hielten sich laut Polizei zudem nicht an die Hygienevorschriften.

Demonstranten halten ein Banner
Die Gegendemonstranten warfen den Teilnehmern der anderen Demos vor, rechte Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Mehrere Hundert Menschen – laut Polizei rund 300 – versammelten sich in der Nähe zu einer Gegendemonstration. Auch hier ermittelt die Polizei eigenen Angaben zufolge wegen möglicher Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Zu größeren Zwischenfällen sei es nicht gekommen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Mai 2020, 19:30 Uhr