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Großes Risiko einer Corona-Infektion für Beschäftigte in Pflegeheimen

  • Sechs Mal größeres Risiko für Beschäftigte
  • Acht von zehn Heimen ohne Coronafälle
  • Forderung nach systematischen Tests
 Pflegekräfte arbeiten mit Bewohnern in einem Pflegeheim
Um die Ausbreitung des Coronavirus zu begrenzen, haben Pflegeheime teils drastische Maßnahmen getroffen. Bild: DPA | Jeffrey Groeneweg

Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste haben noch immer mit erheblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Das geht aus einer Studie der Universität Bremen hervor.

Ersten Ergebnissen der Untersuchung zufolge klagen beispielsweise noch immer jeder vierte Pflegedienst und jedes sechste Pflegeheim über zu wenig Schutzausrüstung. Hinzu kommt corona-bedingter Personalausfall, da Pflegepersonal ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko habe.

Sechs Mal so viele Infektionen bei Beschäftigten in Pflegeheimen

Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist der Anteil der mit dem Coronavirus Infizierten unter Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Pflegeheimen sechs Mal größer. Bei ambulanten Pflegediensten gebe es doppelt so viele Fälle. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass gerade in Pflegeeinrichtungen eine hohes Infektionsrisiko besteht. Deshalb fordern sie für diese Einrichtungen auch mehr Tests und schnellere Testergebnisse.

Knapp die Hälfte aller befragten Dienste berichtete den Forschern zufolge, dass die Versorgung von Pflegebedürftigen gefährdet oder sogar nicht sichergestellt ist.

Neben der Situation in Pflegeheimen sollte auch ambulanten Pflegediensten in der vorliegenden Pandemie – und auch mit Blick auf eine mögliche zweite Welle – eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommen.

Aus der Bremer Studie "Pflege in Zeiten von Corona"

Wenige Heime sind betroffen, die aber stark

Die Bremer Wissenschaftler haben eigenen Angaben zufolge vom 28. April bis zum 12. Mai Daten von 701 Pflegediensten, 96 teilstationären und 824 stationären Einrichtungen in ganz Deutschland eingeholt. "Aufgrund der Vielzahl potentiell Betroffener" sollte ein besonderes Augenmerk auf den Bereichen der ambulanten und stationären Langzeitpflege liegen – "auch mit Blick auf eine mögliche zweite Pandemie-Welle", heißt es in der Studie.

Den Forschern zufolge seien Pflegeheime der wichtigste Ort in Bezug auf Corona-Infektionen mit Todesfolge. Bei mehr als 60 Prozent der bundesweiten Todesfälle handelte es sich demnach um Bewohnerinnen und Bewohner aus Pflegeheimen beziehungsweise um Kunden von Pflegediensten. Dabei hätten knapp 80 Prozent der Heime gar keine Infektionen gehabt. "Die direkte Betroffenheit konzentriert sich also auf wenige Einrichtungen, die dann aber in der Regel stark betroffen sind", heißt es.

Pflegeheime fordern mehr Personal und bessere Bezahlung

Angesichts der Probleme fordern die befragten Pflegeeinrichtungen unter anderem, dass ausreichend Schutz- und Desinfektionsmittel bereitgestellt werden. Zudem sollten Bewohner und Mitarbeiter systematisch getestet werden. Bislang würden Testergebnisse oft erst Tage später vorliegen. Darüber hinaus müsse es bundesweite und praktikable Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Pandemien sowie eine bessere Vergütung von Pflegekräften und eine bessere Personalausstattung in Heimen geben.

Mehr Geld und Corona-Bonus: Das fordern Bremer Pflegekräfte

Video vom 12. Mai 2020
Mehrere Menschen demonstrieren, Mund und Nasenschutz tragend, für mehr Gerechtigkeit in Pflegeberufen.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Juni 2020, 19:30 Uhr