Wird Bremen jetzt zum Vorreiter bei den Corona-Impfungen?

Der Bremer Senat hat seine Pläne für den massiven Ausbau des Impfzentrums auf den Weg gebracht. Laut Gesundheitsressort wird es nach aktuellem Stand das deutschlandweit größte.

Video vom 23. Februar 2021
Impressionen aus dem Impfzentrum
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Der Bremer Senat hat die Pläne für den Ausbau des Bremer Impfzentrums in den Messehallen beschlossen. Ab Mitte März sollen in den Hallen 4, 5, 6 und 7 zwischen 12.000 und 16.000 Menschen pro Tag gegen das Coronavirus geimpft werden.

Bis jetzt ist das Bremer Impfzentrum auf die Halle 7 begrenzt. Bis Mitte März soll die zur Verfügung stehende Fläche auf mehr als 20.000 Quadratmeter anwachsen. Für den Zeitraum März bis Ende August kalkuliert Bremen mit Kosten von rund 70 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Bremen-Fonds.

Das Saarland plant mit 1.500 Impfungen pro Tag

Diese Dimensionen sind bemerkenswert, ist Bremen doch das kleinste Bundesland. Hinzu kommt die im Ländervergleich nicht gerade üppige Ausstattung des Bremer Haushalts. Dennoch ist laut Gesundheitsbehörde deutschlandweit perspektivisch wohl kein anderes Impfzentrum auf eine ähnlich hohe Zahl an Impfungen ausgelegt. Zum Vergleich: Im Saarland zum Beispiel, dem nach Bremen zweitkleinsten Bundesland, plant das Gesundheitsministerium ab März mit rund 1.500 Impfungen im größten der landesweit drei Impfzentren. Das ist etwa ein Zehntel der Bremer Zielmarke. Und auch im Hamburger Impfzentrum sollen ab März täglich "nur" 7.000 Menschen geimpft werden.

Möglich geworden sind diese Dimensionen durch die Unterstützung einiger Bremer Unternehmen um den Bauunternehmer Kurt Zech. Zech hatte im vergangenen Dezember vollmundig seine Unterstützung angekündigt und dabei von bis zu 25.000 Impfungen pro Tag gesprochen. Der Politik schmeckte dieser Vorstoß nicht so richtig. Der Tenor: zu forsch, zu unrealistisch. Tatsächlich konnte man sich fragen, wie Zech angesichts der Meldungen über die Probleme bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffs auf die Zahl von 25.000 Impfungen pro Tag kommt.

Ziel: Bis Ende Juli sollen drei Viertel der Bremer geimpft sein

Zusammengerauft haben sie sich dann trotzdem. Wenn auch mit niedrigerem Ziel und nach einigen – dem Vernehmen nach – konfliktreichen Gesprächen. Angepeilt werden jetzt mindestens knapp 12.000 und maximal knapp 16.000 Impfungen pro Tag. Bisher werden im Bremer Impfzentrum lediglich rund 2.000 Menschen pro Tag gegen Corona geimpft. Wird das Ausbauziel erreicht, könnten laut Gesundheitsbehörde Ende Juli immerhin fast drei Viertel aller Bremerinnen und Bremer geimpft sein.

Zech und einige weitere Unternehmer haben inzwischen die Initiative "Bremen impft" ins Leben gerufen. Die Initiative sondiert, wo die einzelnen Unternehmen konkret helfen können und organisiert die Umsetzung aufseiten der Wirtschaft. So bauten sie im Bremer Congress-Centrum auf der Bürgerweide ein Callcenter auf, in dem Mitarbeiter zentral die Impftermine für Bremen und Bremerhaven vergeben.

Unternehmer: "Terminvergabe im Callcenter läuft hervorragend"

Laut des Leiters des Callcenters, Peter Gärtner, läuft die Terminvergabe hervorragend. Gärtner arbeitet eigentlich als Manager für die Bremer Atlantic Hotels. "Wir haben hier eine Erreichbarkeit von 98 Prozent", sagt er. Das bedeute, dass 98 Prozent der Anrufer direkt zu einem Callcenter-Mitarbeiter verbunden würden und nicht erst in die Warteschleife müssten. Selbst falls ein Anrufer doch einmal in die Warteschleife komme, sei das gar nicht schlimm: "Die längste Wartezeit betrug bisher 90 Sekunden."

Von solchen Werten kann man in Niedersachsen beispielsweise in der Tat nur träumen. In Bremens Nachbarbundesland kamen zu Beginn der Impfungen einige Menschen, als sie telefonisch einen Impftermin vereinbaren wollten, tagelang nicht durch.

Im Hintergrund knirscht es

Wer denkt, dass zwischen den Beteiligten angesichts der verheißungsvollen Zusammenarbeit beste Stimmung herrscht, sieht sich allerdings getäuscht. Im Hintergrund knirscht es nach buten-un-binnen-Informationen immer noch gewaltig. Im Kern geht es dabei wohl um die Frage, wer das Sagen hat. Die Bremer Gesundheitsbehörde will partout den Eindruck vermeiden, dass sie auf die Hilfe der Unternehmen angewiesen ist. "Wir würden eine solch hohe Zahl an täglichen Impfungen auch ohne die Hilfe der Unternehmen schaffen, wenn auch nicht so gut", erklärt der Sprecher der Behörde, Lukas Fuhrmann.

Die Unternehmer wiederum fühlen sich dem Vernehmen nach nicht ausreichend einbezogen und gewertschätzt. Kurt Zech selbst will sich zum aktuellen Stand der Planungen nicht äußern.

Das sind die Pläne von Unternehmer Zech für ein Bremer Impfzentrum

Video vom 8. Dezember 2020
Der Unternehmer Kurt Zech im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Februar 2021, 19:30 Uhr