Radvereine fordern "coronasichere Straßen" – Ist das realistisch?

Verschiedene Vereine fordern breitere Rad- und Fußwege, um dort den Sicherheitsabstand einhalten zu können. Das Mobilitätsressort in Bremen ist zurückhaltend.

Fahrradfahrer fahren auf einer Spur, die mit Baustellenbarken von den Autos abgetrennt ist.
In Berlin wurden bereits Radwege auf die Straße verlegt. Bild: changing-cities.org

In Corona-Zeiten ist Abstand halten das oberste Gebot. Doch auch, wenn die Bremer deswegen meist nur alleine oder zu zweit in der Stadt unterwegs sind – auf Rad- und Gehwegen begegnet man unausweichlich auch anderen Verkehrsteilnehmern.

Dass es hierbei oft unmöglich sei, den Mindestabstand einzuhalten, kritisieren verschiedene Radfahrvereine und -initiativen. In einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordern sie den Bund auf, gesetzliche Rahmenbedingungen und Leitlinien zu schaffen, mit denen die Kommunen für mehr Platz auf den Geh- und Radwegen sorgen können. Auch die Bremer Initiative "PlatzDa!" hat diesen Brief unterschrieben.

Radspuren auf der Straße?

"Damit der empfohlene Sicherheitsabstand auf der Straße eingehalten werden kann, braucht es dringend eine schnelle Veränderung der Aufteilung des Straßenraums", heißt es in dem Brief, der auf der Webseite des Vereins "Changing Cities" veröffentlicht wurde. Unter anderem sollten Rad- oder Fußwege demnach an Engstellen temporär auf die Straße verlegt werden. Außerdem sollten bestimmte Straßen zeitweise verkehrsberuhigt, beziehungsweise für den Radverkehr, freigegeben werden. Auch andere Ampelschaltungen zum Vorteil von Radfahrern wären laut den Vereinen sinnvoll.

Auch der ADFC Bremen hält die Forderungen für sinnvoll. Der Verein hat selbst bereits vergangene Woche mehr Abstand durch sogenannte "Protected Bike Lanes" – also baulich abgetrennt Fahrradspuren – gefordert. "Berlin stellt zum Beispiel Baustellenbarken auf die Straßen, um die Fahrradspuren abzutrennen", so Sven Eckert, Geschäftsführer des ADFC Bremen. "Das kostet kaum etwas – noch günstiger kann man Radwege nicht bauen."

Mobilitäsressort: Weniger Verkehr – auch auf Radwegen

Das Bremer Mobilitätsressort zweifelt hingegen an der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen hier in Bremen. "Wir werden das prüfen. Aber es ist im Moment nicht nur der Pkw-Verkehr zurückgegangen, sondern auch der Fahrrad- und der Fußgängerverkehr", so Jens Tittmann, Sprecher der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Deswegen müsse geprüft werden, ob es überhaupt notwendig ist, jetzt mehr Platz zu schaffen.

Zudem lebten in Großstädten wie Berlin sehr viel mehr Menschen als in Bremen, und auch der Verkehr sei sehr viel stärker. "Und selbst in Berlin wurden die Fahrradspuren nur an zwei Stellen temporär umgesetzt", so Tittmann. "Wenn ich in Bremen zum Beispiel den Stern anschaue, dann sehe ich da im Moment kein Gedränge."

Außerdem wäre es laut Tittmann im Moment wohl auch nicht ganz einfach, unter anderem im Amt für Straßen und Verkehr, Kapazitäten für die Umsetzung zu bekommen. "Auch da arbeiten viele im Homeoffice oder mussten Urlaub nehmen, um die Kinder zu betreuen", so Tittmann.

Freie Fahrt fürs Rad: Das ist die neue Bremer Straßenverkehrsordnung

Video vom 25. Februar 2020
Zu sehen ist eine Straße mit dem neuen Verkehrsordnungsschild.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. April 2020, 23:30 Uhr