Kaum Kunden im Frühjahr: Bremer Modegeschäfte in Zugzwang

Erst durften die Händler ihre Läden nicht öffnen, jetzt bleiben die Kunden fern: In Bremens Bekleidungsgeschäften türmt sich Ware. Löst Corona eine Rabattschlacht aus?

Schuhe auf einem Podest mit dem Schriftzug "Sale" vor einem Bekleidungsgeschäft
Nichts wie weg: Um nicht auf ihrer Kleidung sitzen zu bleiben, locken Bremens Bekleidungsgeschäfte mit Rabatten. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

"Martimes", "Wohliges", "Beruf": Das sind die drei großen Themen des Bekleidungsgeschäfts 'von der Aa' am Ostertorsteinweg. Damit ist der Laden zwar vergleichsweise breit aufgestellt. Doch das nützt Geschäftsführer Christian Siemer derzeit nichts. "Ob Berufs- oder Freizeitkleidung spielt gerade gar keine Rolle. Im Moment läuft das Geschäft auf niedrigem Niveau", stellt er fest.

Fünf Wochen lang durften die Einzelhändler im Land Bremen wegen der Corona-Pandemie nicht öffnen, Lebensmittelgeschäfte ausgenommen. Zehn Millionen Euro pro Tag hätten sie in dieser Zeit an Umsätzen eingebüßt, sagt Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest.

"Irgendwann muss die Ware einfach raus"

Portrait des Einzelhandelsverbands Niedersachen Bremen-Hauptgeschäftsführers Jan König
Erwartet eine Rabattschlacht: Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. Bild: Jan König

Fast noch schlimmer aber aus Sicht der Einzelhändler: Die Geschäfte sind seither nicht wieder richtig angelaufen, zumindest viele nicht. Die Kunden übten sich in Zurückhaltung, so König. Ein Umstand, der insbesondere die Bekleidungsgeschäfte teuer zu stehen kommt: Es droht, dass sie auf ihre Frühjahrskollektionen sitzen bleiben. König erwartet eine Rabattschlacht: "Irgendwann muss die Ware einfach raus", sagt er.

Gründe dafür, dass der Verkauf der Waren nur sehr schleppend anläuft, gibt es viele. Nicht nur, dass die Verbraucher verunsichert sind. "Auch der Mund- und Nasenschutz fördert die Lust am Einkaufen nicht", sagt König. Als in Bremen am 27. April die Maskenpflicht für die Kunden eingeführt wurde, seien die Umsätze der Händler prompt wieder ein bisschen zurückgegangen. Andere Corona-Schutzmaßnahmen wie Einlassbeschränkungen täten ihr Übriges.

Besonders hart trifft die Krise die Bekleidungsgeschäfte. Einer Umfrage des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie zufolge fürchtete Anfang Mai ein Drittel der Unternehmen dieser Branche, in den kommenden Monaten pleite zu gehen. "Im Sommer könnte der Modehandel auf einem Berg von einer halben Milliarde unverkaufter Textilien sitzen", sagt der Sprecher des Handelsverbandes Textil (BTE), Axel Augustin, dazu. Schon jetzt stapelten sich im Handel rund 200 bis 300 Millionen unverkaufte Artikel. Dabei handele es sich um "verderbliche Ware", so Augustin.

Frühjahrskollektion: "Verderbliche Ware"

Eine Frau betrachtet Kleidung, die an einem Kleiderständer vor einem Geschäft hängt. Im Hintergrund klebt ein Schild: "Mai-Rabatt bis zu 30 %"
Die Rabatte für Kleidung aus der Frühjahrskollektion liegen in Bremen derzeit in einigen Geschäften bei 30 Prozent. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Auch von der Aa-Geschäftsführer Christian Siemer gebraucht im Zusammenhang mit der Frühjahrskollektion den Begriff "verderbliche Ware". Um sie doch noch an den Mann oder an die Frau zu bringen, seien großzügige Rabatte zwingend erforderlich. Siemer sagt aber auch: "Ich glaube trotzdem nicht, dass jetzt alles kaputt geht. Wer vor der Krise stabil dastand, der wird diese Krise überstehen. Spätestens wenn auswärtige Kunden und Touristen wiederkommen, geht es wieder los."

Hilfreich wären allerdings weitere flankierende Maßnahmen durch die Politik. So wünscht sich der Unternehmer mehr öffentliche Toiletten in Bremen und Bremerhaven. Toiletten, die trotz Corona geöffnet seien. Es gelte, die Aufenthaltsqualität in den Einkaufsstraßen wieder zu erhöhen.

Schnäppchenjäger und Helfer zugleich

Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen
Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen rät zur maßvollen Schnäppchenjagd vor Ort statt im Internet. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Doch nicht nur die Politik kann Bremens Kaufleuten dabei helfen, die Coronakrise zu überwinden, sondern auch die Kunden. "Man kann jetzt zugleich Schnäppchen machen und den regionalen Handel unterstützen", sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Bremen. So gesehen befänden sich die hiesigen Verbraucher in einer starken Position.

Allerdings, räumt Oelmann ein, habe sie auch beobachtet, dass sich die Bremer derzeit aller Rabatte zum Trotz schwer damit täten, Geld auszugeben. Viele seien in Kurzarbeit. Andere, denen es im Grunde gut gehe, seien dennoch verunsichert. Oelmann rät diesen Verbrauchern, sich nicht verführen zu lassen, sondern sich vor dem Einkauf genau zu überlegen, was sie bräuchten. Vor allem aber sollten sie diese Artikel vor Ort kaufen, nicht im Internet. "Dann haben alle etwas von den Rabatten: die Verbraucher und der regionale Handel", sagt sie.

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 13. Mai 2020, 14:15 Uhr