Jede zweite Neuanstellung in Bremen ist befristet

  • Deutscher Gewerkschaftsbund kritisiert hohe Zahl befristeter Verträge
  • Vor allem Frauen, Ausländer und junge Beschäftigte betroffen
  • Verträge in Bildung, Unterhaltung und im verarbeitenden Gewerbe besonders oft befristet
Ein roter Textmarker liegt auf einem Zettel, auf dem die Worte "sechs Monate" markiert sind.
Der DGB kritisiert viele befristete Arbeitsverhältnisse als "verlängerte Probezeit". Bild: DPA | Andrea Warnecke

Die Hälfte aller neu eingestellten Arbeitskräfte in Bremen bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor. Für die Erhebung hat der DGB Daten der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2018 ausgewertet.

Demnach sind in Bremen besonders die Bereiche Erziehung und Unterricht, das verarbeitende Gewerbe sowie Kunst und Unterhaltung betroffen. Hier seien sogar 59 bis 68 Prozent aller neuen Arbeitsverträge befristet. Besonders betroffen sind junge Menschen unter 25 und Ausländer, teilt der DGB mit.

Generell haben es  Befristete schwer, gute Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen einzufordern. Eine Schwangerschaft, eine zu lange Krankheit, eine engagierte Betriebsratsarbeit – alles kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird.

Annette Düring, DGB-Geschäftsführerin der Region Bremen-Elbe-Weser

Der Gewerkschaftsbund kritisiert, dass viele befristete Verträge als verlängerte Probezeit missbraucht würden. "Das erhöht den Leistungsdruck und macht Beschäftigte erpressbar", sagt die Bremer DGB-Vorsitzende Annette Düring.

Von der Bremer Wirtschaftsbehörde heißt es, der Senat setze sich bereits dafür ein, dass es weniger sachgrundlose Befristungen gibt. Das stehe auch im neuen Koalitionsvertrag. Der öffentliche Dienst in Bremen verzichte mittlerweile auf solche Verträge.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 19. Juli 2019, 14 Uhr