Bekannte Rechtsextremisten stecken hinter Aufkleber-Aktion

Einer der Männer hat unter anderem Verbindungen zur NPD. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Bremen-Nord – der Vegesacker Ortsamtsleiter ist besorgt.

Aufkleber Neonazi Rechte Bremen-Nord Jacobs University

"Ausländer raus", "Asylflut stoppen" oder "Deutschland, Deutschland über alles": Rund 400 Aufkleber mit Parolen wie diesen hat eine Gruppe am Wochenende in Bremen-Vegesack und im Ortsteil Grohn verklebt – auch an den Glaszaun der Jacobs University. Weitere 400 Sticker hatten die Täter dabei, als sie von der Polizei gestellt wurden. Ein Anwohner hatte die Beamten alarmiert.

Zwei Männer sind dem Staatsschutz schon länger als Rechtsextremisten bekannt. Einer von ihnen hat nach Polizeiangaben Verbindungen zur NPD und der Partei "Die Rechte". Auf seinem Facebookprofil bekennt sich der Mann auch selbst zu dem Vorfall. Die Gruppe soll auch für ähnliche Aufkleber-Aktionen im Juni in Bremerhaven verantwortlich sein.

Immer wieder Vorfälle in Bremen-Nord

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Bremen-Nord: Rechte sind hier in den vergangenen Monaten immer wieder mit Aktionen aufgefallen. Im vergangenen Winter wurde eine Mauer am Bunker Valentin mit einer rechten Parole beschmiert. Im Frühjahr demonstrierte die Antifa, nachdem ein Jugendlicher offenbar von Neonazis zusammengeschlagen worden war. In den Lack mehrerer Autos seien Hakenkreuze geritzt worden, hieß es. Aufkleber mit rechten Parolen finden sich seit Monaten im Stadtbild.

Heiko Dornstedt, Ortsamtsleiter von Vegesack, beobachtet das alles mit Sorge. "Vegesack steht seit Jahrhunderten für Toleranz und für Freundlichkeit Fremden gegenüber", sagt er. "Wenn wir keine Fremden in Vegesack gehabt hätten, hätten wir vor 400 Jahren unseren Hafen gar nicht bauen können – das haben die Holländer gemacht."

Für Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz ist hier in Vegesack überhaupt kein Platz.

Heiko Dornstedt, Ortsamtsleiter

Laut Verfassungsschutz umfasst die rechte Szene in Bremen zurzeit etwa 140 Personen. Dazu gehören Anhänger von Parteien ebenso wie Rechtsrock-Bands, Hooligans, Einzelpersonen oder die Identitäre Bewegung.

Keine neue Neonazi-Hochburg

Die Rechten verteilen sich über das gesamte Bundesland. Auch deshalb glaubt Max Wengel vom Verein "Pro aktiv gegen rechts" nicht, dass sich Bremen-Nord nach der Aufkleber-Aktion vom Wochenende zu einer neuen Hochburg entwickelt. "Die Häufung von Vorfällen könnte damit zusammenhängen, dass die Rechten in Bremen-Nord nicht so schnell gestört werden wie in der Innenstadt oder im Viertel", sagt er. Hinzu komme, das Bremens Norden auch für Rechte aus Bremerhaven gut zu erreichen sei. Daher biete sich Vegesack als Ort für gemeinsame Aktionen an.

Die Jacobs University hat die Aufkleber von einem Reinigungsdienst entfernen lassen. Die Rechnung will die Uni den Rechten schicken. "Unsere Universität versteht sich als Ort der Weltoffenheit und Völkerverständigung, denn auf unserem Campus leben und lernen Studierende aus mehr als 100 Nationen – und nur etwa jeder Fünfte von ihnen kommt aus Deutschland", teilt ein Sprecher mit. "Jegliche Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit widerspricht den Werten unserer Universität, und wir verurteilen die Aufkleber-Aktion daher scharf."

  • Jan Oppel

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 17. Juli 2018, 14:50 Uhr