Schicken Tierrechtler Zirkusaffe Robby in den Tod?

Seit fast 50 Jahren lebt der Schimpanse bei Zirkusfamilie Köhler. Tierrechtler wollen sie zwingen, Robby umzusiedeln. Eine Bremer Tierärztin sagt: Das wäre sein Ende.

Der Schimpanse Robby und sein Besitzer streicheln sich gegengesitig am Kopf.

Zirkus Belly gastiert gerade in Bremerhaven. Die ganze Familie Köhler ist dabei, und zu ihr gehört auch Schimpanse Robby. Der ehemalige Zirkusaffe ist mit 47 Jahren ein Greis. Er kam als Baby in die Familie und wurde als Flaschenkind aufgezogen, weil seine Mutter ihn verstoßen hatte. Geht es nach der Tierrechtsorganisation Peta, muss Robby den Zirkus verlassen und zu Artgenossen umgesiedelt werden. Ein Gericht gab den Tierrechtlern Recht. Der Zirkus ist in Berufung gegangen.

Tierärztin Alexandra Dörnath ist Expertin für Menschenaffen und kennt Robby seit Jahren. Er sei ein Ausnahme-Affe. "Er ist aggressionsgehemmt und zahm. Ich habe noch nie so einen tiefenentspannten Affen erlebt", sagt Dörnath. Sie erklärt, weshalb Robby bei den Köhlers bleiben sollte.

Eine Frau an einem Käfig
Tierärztin Alexandra Dörnath kennt Robby seit vielen Jahren.
Der Affe verhält sich anders als seine Artgenossen – ist das nicht eigentlich schon eine Störung?
Nein. Er ist nicht verhaltensgestört, das muss man klar unterscheiden. Er ist irreversibel auf den Menschen geprägt, das ist etwas anderes als eine Verhaltensstörung. Er verhält sich wie ein Mensch, er hält sich höchstwahrscheinlich selbst für einen Menschen. Er wird mit größter Wahrscheinlichkeit Angst vor seinen Artgenossen haben, er spricht die Schimpansen-Sprache nicht. Fremde Affen könnten ihn nicht lesen, und er könnte andere Affen nicht lesen.
Was wären denn die Folgen, wenn man Robby umsiedeln würde?
Würde man ihn hier rausholen, wäre das sein Tod. Aus verschiedenen Gründen: Er würde an gebrochenem Herzen sterben, weil er seine gewohnte Umgebung nicht mehr hat: Einem so alten Tier kann man keinen neuen Lebensraum zumuten. Er würde eventuell an einer Narkose sterben, er könnte in der Quarantäne-Zeit an Einsamkeit sterben. Würde er all das doch überleben, dann würde er bei einer Vergesellschaftung von Artgenossen umgebracht werden.
Das sehen andere, wie die Tierrechtsorganisation Peta, anders.
Aber das ist nicht nur meine Einschätzung. Kürzlich hat sich ein international renommierter Verhaltensforscher mit dem Fall Robby beschäftigt. Seine Aussage war: Es sei ein Verbrechen, Robby rauszuholen. Jemand, der empfehle, ihn rauszuholen, habe von Verhaltensbiologie nichts verstanden – das ist brutal und tierschutzwidrig.
Tierschutz muss man individuell sehen. Und für den Affen Robby ist dies der beste Platz auf der Welt.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. August 2018, 19:30 Uhr