Das war's mit Bremerhavens Wahrzeichen "Seute Deern"

Ein Bagger zerlegt das "Süße Mädchen" in seine Einzelteile. Vom einstigen Wahrzeichen der Stadt ist kaum noch etwas zu erkennen.

Video vom 15. April 2021
Ein Bagger reißt Planken von einem Schiffsrumpf.
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Einen schönen Anblick bot die "Seute Deern" schon seit Monaten nicht mehr. Jetzt aber ist das "Süße Mädchen" endgültig Geschichte. Ein Bagger zerlegt Bremerhavens ehemaliges Wahrzeichen seit dieser Woche. Am Donnerstag war nicht mehr viel vom Schiff zu erkennen. Das Abwracken soll aber laut Hafenbetreiber Bremenports insgesamt noch rund zwei Monate dauern. Holz, Stahl und anderes Material müssten getrennt werden.

Die Abwrackung schlägt mit rund drei Millionen Euro zu Buche. Zwei Millionen bezahlt das Land Bremen, eine Million die Stadt Bremerhaven. Einen wesentlichen Teil der Kosten verursacht laut Hafengesellschaft Bremenports die aufwendige Schadstoffbeseitigung.

Als der Bagger da geknabbert hat, wurde einem schon etwas wehmütig ums Herz.

Holger Bruns von Bremenports
Holger Bruns, Sprecher des Hafenbetreibers Bremenports

Schifffahrtsmuseum sichert Erinnerungsstücke

Ein Bagger reißt Planken von einem Schiffsrumpf.
Ein Bagger zerlegt das Schiff in seine Einzelteile. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Einige Teile des Schiffes, wie die Galionsfigur, die Anker und das Steuerrad, hat das Deutsche Schifffahrtsmuseum vor dem Abwracken gesichert. Eventuell sollen zudem aus schadstofffreien Holzteilen Souvenirs wie Schlüsselanhänger oder Buchstützen gefertigt werden. Noch ist aber unklar, ob dafür genügend Holz übrig bleibt. Unter anderem für die Sicherung der Objekte hat das Museum 256.000 Euro vom Bund bekommen. Das Geld wurde zudem für die Erstellung eines 3D-Modells genutzt. So könnten irgendwann auch virtuelle Spaziergänge durch das mehr als 100 Jahre alte Wahrzeichen Bremerhavens möglich sein.

Gleich zwei Unglücksfälle in einem Jahr

Das 1919 in den USA gebaute Holzschiff hieß ursprünglich "Elisabeth Bandi". Es wurde zum Transport von Holz eingesetzt. Seit 1966 lag der Segler in Bremerhaven und war jahrzehntelang ein Restaurantschiff. 1972, kurz nach der Gründung des Deutschen Schifffahrtsmuseums, schenkte die Stadt die "Seute Deern" der neuen Institution. Damit war sie fortan nicht nur Restaurant-, sondern auch Museumsschiff.

Das Technische Hilfswerk bei der Bergung des Schiffs "Seute Deern" in Bremerhaven.
Im August 2019 sank das Schiff im Alten Hafen. Bild: THW OV Bremerhaven

Im Februar 2019 brach dann ein Feuer auf der "Seute Deern" aus. Der Brand war in der Küche des Restaurantschiffs im Abluftkanal einer Abzugsanlage entstanden. Warum es dort brannte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Möglicherweise gab es einen technischen Defekt, es könnte sich aber auch altes Fett entzündet haben. Brandstiftung schlossen die Ermittler jedenfalls aus. Nach dem Brand wurde das Restaurant an Bord dauerhaft geschlossen.

Nur wenige Monate später, in der Nacht auf den 31. August 2019, sank das Schiff. Ursache war massiver Wassereinbruch. Die Pumpen, die seit Jahren rund um die Uhr das eingedrungene Wasser aus dem Schiff pumpten, waren ausgefallen.

Sanierung lohnte sich nicht

Eine Animation zeigt ein Segelschiff in einem Hafenbecken.
So soll der Nachbau der "Najade" aussehen. Bild: judel/vrolijk

Das Schiff war laut Gutachtern ein Totalschaden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab Ende 2019 47 Millionen Euro frei, die unter anderem für den Wiederaufbau der "Seute Deern" genutzt werden sollen. Erste Pläne, die "Seute Deern" originalgetreu aus Holz nachzubauen, wurden wegen zu hoher Kosten verworfen. Denn das hätte rund 100 Millionen Euro gekostet. Eine für knapp 120.000 Euro vom Bremerhavener Magistrat beauftragte Variantenprüfung ergab, dass ein Nachbau aus Stahl am besten geeignet sei.

Geplant ist jetzt der Nachbau des Frachtsegelschiffes "Najade". Das Stahlschiff war 1888 auf der Bremerhavener Tecklenborg-Werft gebaut worden. Allerdings wird das Schiff nicht seefähig sein, sondern im Museumshafen liegen. An Bord soll gezeigt werden, unter welchen Bedingungen damals Waren weltweit transportiert wurden – angereichert mit multimedialen Darstellungen.

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Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. April 2021, 19:30 Uhr