Wenig Autos und Ladesäulen – so steht es um E-Mobilität in Bremerhaven

Eine Frau steht zwischen einer Tanksäule und einem Kleinwagen.
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

E-Autos sollen die Zukunft sein. Die Gegenwart ist oft eher ernüchternd: In Bremerhaven beklagen Nutzer zu wenig Ladesäulen und Anbieter zu wenig Nutzung. So ist die Lage vor Ort.

Bei der Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Bremerhaven haben Bund und Länder vor allem über das 49-Euro-Ticket für die Bahn verhandelt. Auf der Tagesordnung stand aber auch der Ausbau der E-Mobilität. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgelobt, dass bis 2030 15 Millionen reine Elektro-Autos auf deutschen Straßen rollen. Bislang sind es aber – Plug-In-Hybride nicht mitgerechnet – nicht einmal eine Million E-Autos. Um das Ziel zu erreichen gibt es noch bis Ende des Jahres eine Kaufprämie. Aber auch die Zahl der Ladesäulen will das Bundesverkehrsministerium deutlich erhöhen.

In Bremerhaven finden sich zwischen all den Diesel- und Benzinfahrzeugen erst wenige Elektro-Autos – nur 1,6 Prozent aller zugelassenen Autos in der Stadt fahren rein elektrisch, weitere 1,5 Prozent sind Plug-In-Hybride. Vor dem Hauptbahnhof parkt an einer Ladesäule der Wagen von Stefanie Arndt.

Ich bin Wissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Ich habe gerade meinen Freund zur Bahn gebracht und nutze jede Minute – wenn ich irgendwo mal eine Ladesäule habe und da eh parke, dass ich dann einfach ein paar Kilowattstunden mitnehme.

Stefanie Arndt, Bremerhavener E-Auto-Besitzerin

ÖPNV treibt Bremerhavenerin zum E-Auto

Eine Ladesäule steht vor einem Gebäude.
Am Bremerhavener Hauptbahnhof können E-Autos Ökostrom tanken. Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Arndt fährt seit gut einem Jahr E-Auto. Ihre Entscheidung dafür hatte auch mit dem Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zu tun. Seit zehn Jahren wohnt sie in Bremerhaven. Es sei schwierig, von dort mal eben ans Meer oder ins Umland zu kommen. Für diese Zwecke hielt Arndt ein E-Auto für geeignet. Ebenso für die Strecke nach Bremen. "Da fährt zwar der Zug, aber nur einmal die Stunde und mit Problemen."

Mit ihrem Kleinwagen kommt sie auf der Autobahn 200 Kilometer weit, in der Stadt schafft sie deutlich mehr. Grundsätzlich mag sie das E-Auto, das hier am Hauptbahnhof sogar Öko-Strom tankt. Doch die Lade-Infrastruktur in Bremerhaven treibt sie manchmal zur Verzweiflung. Es gebe zu wenig Säulen, zu oft auch defekte.

Ich habe noch drei Prozent, will laden und die Säule funktioniert nicht. Dann ruft man da an und die sagen einem: Ja, wissen wir jetzt auch nicht, woran das liegt. Müssen sie eine andere nehmen. Man denkt: Ich habe noch drei Prozent, mein Auto ist schon im Schildkrötenmodus, alles fährt runter. Und dann denkst du: Ja, super!

Stefanie Arndt, Bremerhavener E-Auto-Besitzerin

Mehr Säulen nur bei mehr Nutzung und umgekehrt

Insgesamt gibt es in Bremerhaven laut Versorger SWB 45 öffentliche Ladestandorte. An jedem seien es zwei Ladesäulen. Auch auf Supermarkt- und Kaufhausparkplätzen lässt es sich laden – während man einkauft. Doch die Säulen würden noch nicht oft genug genutzt, sagt SWB-Sprecherin Angela Dittmer. Dabei koste der Bau einer Ladesäule 15.000 Euro. Eine Schnell-Ladesäule sogar das Dreifache.

Das sind Investitionen, die irgendwie wieder reinmüssen. Deshalb wünschen wir uns da mehr Frequenz. Die Tendenz ist leicht steigend, wir wünschen uns aber mehr, damit auch eine Wirtschaftlichkeit erreicht wird.

Angela Dittmer, SWB-Sprecherin

Die SWB habe deshalb entschieden, das öffentliche Netz nicht weiter auszubauen, beziehungsweise nur in Kooperation mit dem Mutterkonzern EWE. Dass Anbieter mit dem Bau neuer Säulen warten, weil Auslastung fehle, hat auch der ADAC beobachtet. Sprecher Nils Linge findet: Es braucht ausreichend Ladesäulen, wenn mehr E-Autos verkauft werden sollen. Ein "Henne-Ei"-Problem.

Laden von E-Autos zukünftig zu Hause

Till Scherzinger vom Bremerhavener Umweltschutzamt sagt: Ladeinfrastruktur gewährleisten – und zwar überall – das ist in Zukunft auch Aufgabe des Staates. Der Experte geht aber auch davon aus, dass Autos künftig überwiegend zu Hause geladen werden.

Die eigentliche E-Mobilität in ihrer Gesamtheit wird sich, was die Ladevorgänge angeht, zu einem ganz, ganz hohen Anteil im Privatbereich abspielen. Da sind Mieter und Hauseigentümer gefragt. Und da wird wahrscheinlich 80 Prozent der Ladeleistung abgerufen werden.

Till Scherzinger, Umweltschutzamt Bremerhaven

Ab 2026 schreibt ein Gesetz vor, dass an neuen Mehrfamilienhäusern auch Ladesäulen eingerichtet werden müssen. Am Arbeitsplatz soll es künftig ebenso Lademöglichkeiten geben. Dafür brauche es private Initiativen, sagt Scherzinger. Und für den öffentlichen Raum in Bremerhaven ist ebenfalls Besserung geplant: Die Stadt will im Frühjahr ein Ausbaukonzept vorlegen – damit kein E-Autofahrer mehr nach Ladesäulen suchen muss.

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Autorin

  • Carolin Henkenberens
    Carolin Henkenberens Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 12. Oktober 2022, 16:35 Uhr