Fragen & Antworten

Brennholz in Bremen wird immer teurer – Vorsicht vor Betrügern!

Ein Lkw kippt kammergetrocknetes Brennholz auf einen Betriebshof.
Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Kaminholz und Heizpellets sind Mangelware. Die Preise explodieren. Ein Grund sind fehlende Lieferungen aus Russland. Die Polizei in der Region warnt vor Fake-Shops.

Mitten im Sommer haben Hamsterkäufe die Preise für Brennholz, insbesondere für Heizpellets, in Bremen wie im gesamten Bundesgebiet in die Höhe schnellen lassen. Zwar sei die Zeit der Hamsterkäufe möglicherweise schon wieder vorbei, sagen Händler aus der Region Bremen, Bremerhaven und umzu. Die Preise aber hätten sich noch lange nicht erholt. Die Unternehmen rechnen damit, dass Brennholz im Herbst und im Winter noch teurer werden könnte. Das sollten Kunden wissen:

Wie haben sich die Preise für Brennholz und für Heizpellets zuletzt entwickelt?
Holz ist seit Beginn des Angriffkriegs Russland in der Ukraine, aber auch schon in den Wochen und Monaten zuvor generell deutlich teurer geworden. Das gilt auch für Brennholz, welches üblicherweise aus Holzabfällen produziert wird. So lagen der Fachzeitschrift "Agrar heute" zufolge die Preise für kaminfertige, getrocknete Brennholzscheitel in den Baumärkten vorigen Sommer bei etwa 120 Euro pro Raummeter. Derzeit liegen die Preise für Kaminholz je nach Qualität bei 250 bis 290 Euro pro Raummeter und mehr – sofern man überhaupt Holz bekommt. Zur Erklärung: Ein Raummeter ist ein Kubikmeter geschichteter Holzscheitel.

Noch wesentlich deutlicher sind die Preise für Holzpellets gestiegen, die man für moderne Pelletheizungen benötigt. Bei Pellets handele es sich um gepresstes Nadelholz, das aus Restholz gewonnen wird, aus den Abfällen der Sägewerke, erklärt Michael Walewski von der Firma "Hoyer Energie Service Bremen". Hätten Holzpellets die Endverbraucher vorigen Sommer noch – je nach abgenommener Menge – rund 200 bis 250 Euro pro Tonne gekostet, so habe sich der Preis für die Pellets inzwischen auf beinahe 700 Euro pro Tonne etwa verdreifacht. Zur Orientierung: Laut Walewski verbraucht ein typisches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche jährlich ungefähr fünf Tonnen Pellets.
Gestapeltes Nadelholz in einem Wald (Symbolbild)
Das Nadelholz in den hiesigen Forsten ist begrenzt. Auch werden nur Reste zu Brennholz verarbeitet. Bild: Imago | Dirk Sattler
Worauf ist der große Preisanstieg beim Holz zurückzuführen?
In aller erster Linie auf die gestiegene Nachfrage – sowohl für Holz im Allgemeinen als auch für Holz im Besonderen So sagt Knut Sierk, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten: "Rund um größere Städte, etwa Hamburg, Lüneburg, Oldenburg, Bremen ist die Nachfrage nach Brennholz wahnsinnig gestiegen." Die Forstbetriebe aber hätten nur begrenzte Kapazitäten. Tatsächlich können auch viele Baumärkte und Händler derzeit kein Brennholz liefern. Kunden müssen sich auf lange Wartezeiten einrichten.

Das gilt auch für Pellets. Einige Händler sprechen von mehren Monaten, die Kunden derzeit auf Pellets warten müssten. Michael Walewski von der Firma "Hoyer Energie Service Bremen" beziffert die aktuelle Wartezeit für Pellets auf etwa vier bis sechs Wochen. Um die Bestandskunden überhaupt mit Pellets versorgen zu können, könne man Neukunden derzeit gar nicht beliefern. Ausnahmen gebe es nur für solche Kundinnen und Kunden, die eine neue Pelletheizung hätten.

Dass der Markt für Brennholz generell und speziell für Pellets derzeit wie leergefegt ist, hat laut Walewski drei Gründe: Zum einen habe es in den letzten Jahren aufgrund staatlicher Förderungen einen starken Zulauf auf Pelletheizungen gegeben, wodurch die Nachfrage nach Pellets gestiegen sei. Zum anderen hielten viele Verbraucher derzeit aber aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage ihr Geld fest, würden beispielsweise weniger bauen als sonst, weshalb die Sägewerke nicht ausgelastet seien und weniger Holzabfällen anfielen, aus denen man Pellets erzeugen könnte.

"Und dann sind da noch die Russland-Sanktionen: Man führt kein Holz mehr aus Russland ein", nennt Walewski einen dritten Grund für den Mangel an Brennholz. Sein Unternehmen führe daher inzwischen über den Seeweg Holz aus Litauen ein und versuche zudem darüber hinaus, auch aus den Vereinigten Staaten und aus Kanada Holz zu bekommen.

Die Ängste vor den angekündigten Preissteigerungen und nicht auszuschließenden Problemen mit der Wärmeversorgung in der kalten Jahreszeit nutzen Kriminelle aus.

Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch
In einigen Medien kursieren auch Meldungen über vermehrte Holzdiebstähle. Ist auch in Bremen oder im Bremer Umland zuletzt mehr Holz als sonst gestohlen worden?
Der Polizei Bremen sind zum Thema Holzdiebstähle "keine Auffälligkeiten bekannt", teilte Polizei-Sprecher Nils Matthiesen mit. Ähnlich äußern sich Knut Sierk von den Niedersächsischen Landesforsten sowie Waltraud Kubiak vom Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest auf Anfrage von buten un binnen.

Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch warnt allerdings vor Fakeshops im Internet. Es seien mehrere Anzeigen von Personen aus dem Kreis Oldenburg eingegangen, bei denen die Geschädigten Brennholz wie Pellets, im Internet bestellt und bezahlt, aber nicht bekommen hätten. Sie seien auf Betrüger hereingefallen, so die Polizei.

Die Polizei rät, dass man sich vor allen Einkäufen im Internet zunächst das vollständige Impressum, die Kontaktmöglichkeiten und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters ansehen solle sowie mögliche Bewertungen des Händlers im Internet. "Gerade bei der aktuellen Preisentwicklung auf dem Energiemarkt sollten günstig erscheinende Angebote besonders skeptisch betrachtet werden", so Albert Seegers aus der Polizeiinspektion. Gleiches gelte bei Zahlungen auf ausländische Konten, die an den ersten beiden Buchstaben der IBAN zu erkennen seien.
Wann wird sich die Situation auf dem Brennholzmarkt wieder entspannen?
Das ist gegenwärtig, auch aufgrund des Kriegs, nicht abzusehen. Fachmedien wie die Zeitschrift "Agrar heute" oder "Land & Forst" gehen davon aus, dass sich die Lage auf dem Brennholzmarkt im Herbst sogar noch verschärfen wird. Für die weitere Zukunft wagt Michael Walewski von der Firma "Hoyer Energie Service Bremen" unter Vorbehalten eine vorsichtige Prognose: "Wir werden frühestens in eineinhalb bis zwei Jahren wieder normale Preise erleben." Mit Hinblick auf Holzpellets geht Walewski davon aus, dass diese voraussichtlich nie wieder so günstig zu kaufen sein werden wie bis Mitte vorigen Jahres, als Kundinnen und Kunden die Pellets zeitweise für 200 Euro pro Tonne beziehen konnten. "Das war extrem billig", so Walewski.

Steigende Energiepreise machen Holz in Bremen zur Mangelware

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 23. August 2022, 7:40 Uhr