Fragen & Antworten

Noten an Bremer Grundschulen? Was dafür spricht und was dagegen

Eine Lehrerin steht vor einer ersten Klasse an der Tafel.
Über die Art der Benotung an Bremer Grundschulen gibt es wieder einmal Diskussionen. Bild: DPA | Jens Büttner

Die FDP fordert die Einführung von Noten an Bremens Grundschulen ab der dritten Klasse. Die Bildungsbehörde ist dagegen. Was aber sind die Argumente?

Sind Noten an Grundschulen sinnvoll? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Wieder einmal. Die FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft hat mit ihrer Forderung zur Einführung von Noten an Bremer Grundschulen ab der dritten Klasse die Diskussion neu angefacht.

Die Befürworter von Noten sagen, dass die Ziffern für die Schülerinnen und Schüler eine klare Rückmeldung seien und Motivationsanreize bieten würden. Die Gegner von Noten stehen auf dem Standpunkt, dass man die Leistungen von Kindern nicht auf eine Ziffer zwischen eins und sechs herunterbrechen könne. Was aber sind die Positionen im Einzelnen?

Was spricht für Noten an Grundschulen?
Die Bremer FDP begründet ihren Vorschlag damit, dass die Leistung eines Kindes mit einer Note leichter einzuordnen sei. Eine Ziffer habe eine "signalhafte Wirkung", die motivieren oder aufzeigen könne, wo noch Wissenslücken bestehen, lautet die Ansicht der FDP. Von Zeugnissen mit Noten profitierten auch Menschen, die ein Problem damit haben, lange Texte zu verstehen.
Was spricht gegen Noten an Grundschulen?
Die Bremer Bildungsbehörde will Schülerinnen und Schüler nicht auf eine Ziffer beschränken. "Leistungen von Kindern kann man nicht an einer Hand abzählen", sagt Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD). Es müsse individuell geguckt werden, wo die Stärken und Schwächen der Kinder liegen.

Christiane Langer ist bei der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung (GEW) die Expertin für das Thema. Außerdem leitet sie seit 16 Jahren eine Bremer Grundschule. Sie findet, dass Zensuren für Kinder nur Nachteile mit sich bringen, weil mit den Noten auch immer ein Vergleich der Leistungen einhergehe. Und der sei oft demotivierend – das gelte sowohl für Schüler mit schlechten als auch mit guten Noten, sagt sie. Vergleiche ein leistungsschwaches Kind seine Note, würde es immer verlieren. "Das Kind wird frustriert und hat kein Ziel mehr, das es anpeilt", sagt Langer. Leistungsstarke Schüler werden ihrer Ansicht nach ebenfalls im Lernen gebremst: "Wenn ein Kind immer eine eins bekommt, fragt es sich, warum es dann noch etwas Neues lernen soll."

Auch der Zentral Eltern Beirat Bremen (ZEB) ist dagegen, Noten ab der dritten Klasse einzuführen. Die aktuellen Leistungsbewertungen seien ein "gutes Instrument", sagt der ZEB-Sprecher, Martin Stoevesandt. Der Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler sei gut zu erkennen, auch die einzelnen Kompetenzen würden detailliert bewertet. Unzufrieden zeigt sich die Elternvertretung allerdings trotzdem – nämlich mit der Art der Umsetzung. "Teilweise haben die Eltern den Eindruck, dass die Noten willkürlich vergeben werden", sagt Stoevesandt. Der Beirat fordert daher eine nachhaltige Qualitätskontrolle.
Wie gehen die anderen Bundesländer mit Noten an Grundschulen um?
Hier ist die Lage unübersichtlich. Es gab nach Einschätzung der GEW-Expertin Langer in den vergangenen Jahren bundesweit den Trend, Noten an Grundschulen einzuführen. In Bayern gebe es teils schon ab der ersten oder zweiten Klasse Noten. Anders als in Bremen könnten die Grundschulen häufig aber noch selbst über das Bewertungssystem entscheiden. Die Entscheidung treffe dann die jeweilige Schulkonferenz, ein Gremium aus Elternschaft und Lehrerkollegium, erklärt Langer. Das macht die Lage so unübersichtlich. In Bremen gebe es etwa seit der Einführung der Inklusion und der Abschaffung der Sonderschulen schriftliche Beurteilungen an Grundschulen. "Was für Noten hätte man den Förderschülern geben sollen, immer eine sechs?", spitzt Langer zu.
Ein Mädchen hält ihr Schulzeugnis in die Kamera.

Bremer FDP fordert Schulnoten ab der 3. Klasse

Bild: DPA | Bildagentur-online/McPhoto/Pulwey

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 22. September 2022, 23:30 Uhr