Schnapsideen ohne Jägermeister: Was auf Werders Brust schon los war

Mannschaftsfoto des Werder-Teams 1979.
Pentax warb ab 1978 auf dem Bremer Trikot. Glück brachte der japanische Hersteller von Fotoapparaten nicht. Mit ihm ging es 1980 erstmals in die 2. Liga. Bild: dpa | Werner Schilling

Vor 50 Jahren warb Eintracht Braunschweig als erster deutscher Klub mit Jägermeister für einen Sponsor auf dem Trikot. Kuriose Geldgeber gab es auch schon bei den Bremern.

Am 24. März 1973 sorgte Eintracht Braunschweig im deutschen Fußball für eine Revolution. Als erster Klub in Deutschland warben die Niedersachsen für einen Sponsor auf ihrem Trikot. Das Logo von Jägermeister prangte fortan auf der Brust der Braunschweiger. Es war ein cleverer Schachzug des damaligen Jägermeister-Chefs Günter Mast, denn seine Spirituose war auf einmal in aller Munde.

Trikotsponsoren haben sich im Anschluss rasch im Profifußball etabliert. Auch bei Werder gab es im Rückblick schon einige Kuriositäten. An manche Sponsoren denken die Werder-Fans gerne zurück. Mit anderen Namen werden in Bremen hingegen nicht die allerbesten Erinnerungen verbunden.

1 Das Land Bremen sponsorte einst Werder

Als das Logo von Jägermeister 1973 auf dem Braunschweiger Trikot auftauchte, war der Schnapshersteller aus Wolfenbüttel der erste kommerzielle Trikotsponsor im deutschen Fußball. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Werder jedoch einen Deal abgeschlossen. Nicht mit einem Unternehmen aus der Wirtschaft, sondern mit dem Land Bremen. Auf dem Trikot war ab der Saison 1971/72 der Bremer Schlüssel zu sehen. Dafür erließ das Land Bremen Werder Schulden.

Ohnehin war das Trikot seinerzeit besonders. Die Bremer liefen nicht in den grün-weißen Vereinsfarben, sondern in den Farben der Speckflagge – also in rot und weiß – auf. Zuvor hatte Werder mit Unternehmen aus der Bremer Wirtschaft einen Deal gemacht. Es wurde geklotzt, nicht gekleckert. Das Werder-Team wurde damals "Millionenelf" getauft, weil die Bremer auf dem Transfermarkt ordentlich zuschlugen. Unter anderem holte der Klub mit Peter Dietrich und Herbert Laumen zwei absolute Leistungsträger vom amtierenden Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach an die Weser.

2 Geburt eines Schmähgesangs?

"Was ist grün und stinkt nach Fisch? Werder Bremen!" Diesen Schmähgesang müssen Werder-Fans sich auch heute noch regelmäßig bei Auswärtsfahrten anhören.

Die Werder-Mannschaft versammelt sich fürs Mannschaftsfoto.
Das Schalke des Nordens? In der Saison 1977/78 lief Werder in blau-weißen Trikots auf. Bild: Imago | Schumann

Dies könnte auch an einem im Nachhinein etwas kuriosen Sponsor in den 1970er-Jahren liegen. Ab der Saison 1976/77 warben die Bremer für Norda. Ein Unternehmen aus Cuxhaven, das Fischkonserven herstellt. "Da haben sie bei Auswärtsspielen immer gesagt: 'Ah, die Fischköppe kommen!'", erinnert sich Dieter Burdenski in einer Dokumentation des NDR-Sportclub. Kurios war seinerzeit auch erneut die Wahl der Trikotfarbe. Zwischenzeitlich sah Werder nämlich eher aus wie Schalke 04 und lief in blauen Jerseys und weißen Hosen auf.

3 Der erste Abstieg mit Pentax

Nach zwei Jahren mit Norda auf der Brust wurde im Sommer 1978 Pentax neuer Trikotsponsor bei den Bremern.

Der Werder-Spieler Benno Möhlmann fällt zu Boden und blickt dem Ball hinterher.
Mit Pentax in die 2. Liga: Im Sommer 1980 stiegen die Bremer um Benno Möhlmann zum ersten ersten Mal aus der Bundesliga. Bild: Imago | Werner Otto

Hierbei handelt es sich um einen japanischen Hersteller von Fotoapparaten. Die Zusammenarbeit stand aber unter keinem guten Stern, denn am Ende der zweiten Saison stieg Werder im Sommer 1980 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. Ein Moment, den an der Weser sicherlich am liebsten niemand im Bild festgehalten hätte.

4 Hoch hinaus mit Olympia

Olympia klingt ambitioniert – und das war es auch. Mit dem aus der Nähe von Wilhelmshaven stammenden Hersteller von Schreibmaschinen auf dem Trikot lief Werder ab dem Sommer 1981 auf.

Die Werder-Spieler Jonny Otten und Benno Möhlmann verabschieden sich von einem gegnerischen Spieler.
Aufschwung an der Weser: Mit Olympia etablierten die Bremer um Jonny Otten und Benno Möhlmann sich zu Beginn der 1980er-Jahre unter den Topteams. Bild: Imago | Kicker/Liedel

Es ist eine Zeit, an die es in Bremen durchaus gute Erinnerungen gibt. Unter Coach Otto Rehhagel war zunächst der direkte Wiederaufstieg gelungen, ehe Werder sich prompt in der Spitzengruppe der Bundesliga etablierte. Direkt nach dem Aufstieg belegte das Team den 5. Platz in der Tabelle. Ein Jahr später wurden die Bremer sogar Vizemeister. Der Wermutstropfen: Die Meisterschale schnappte sich ausgerechnet der Hamburger SV, der punktgleich war, aber die bessere Tordifferenz aufwies.

5 Ein Jahr ohne Sponsor

Mit dem Kleidungshersteller Trigema, dem Renovierungsunternehmen Portas, dem Versicherer DBV, Kommunikationsdienstleister Otelo und dem IT-Unternehmen QSC ging es für lange Zeit auf der Bremer Brust eher unaufgeregt zu.

Mladen Krstajic, Tim Borowski, Frank Baumann, Kristian Lisztes und Fabian Ersnt in einer Mauer bei einem Freistoß von Leverkusen.
Blanke Brust: In der Saison 2001/2002 lief Werder ohne Trikotsponsor auf. Bild: Imago | Weckelmann

Kurios war es jedoch in der Saison 2001/2002, als Werder ohne Sponsor auf dem Trikot auflief. Nachdem der Vertrag mit QSC ausgelaufen war, konnte der Klub sich mit keinem neuen Sponsor auf eine Zusammenarbeit einigen. Und dies, obwohl die Bremer erst zwei Jahre zuvor den DFB-Pokal gewonnen hatten und unter dem neuen Coach Thomas Schaaf auf dem besten Weg waren, sich wieder zu einem echten Topteam in der Bundesliga zu entwickeln. Ab dem Sommer 2002 warb dann das Schuhunternehmen Reno auf der Bremer Brust.

6 Viel Leid mit Kik, Citibank und Wiesenhof

Bei Werder ging es mit dem Gewinn des Doubles im Sommer 2004 und der Teilnahme an der Champions League unter Thomas Schaaf rasant bergauf. Der Klub besaß zudem nicht nur viele Fans im gesamten Land, sondern auch ein blendendes Image. In der Folge nutzten dieses immer wieder Unternehmen, die selbst keinen allzu guten Ruf besaßen.

Werder-Spielmacher Johan Micoud blickt seinem zu Boden gehenden Gegenspieler nach.
Nach dem Double 2004 warb Werder für den Textil-Discounter Kik. Bild: Imago | Ulmer

So warb vom Sommer 2004 bis zum Sommer 2006 der Textil-Discounter Kik auf dem Werder-Trikot. In der Folge waren auf diesem auch die Logos der Citibank, die sich später in Targobank umbenannte, und der Geflügelmarke Wiesenhof zu sehen. Vor allem Wiesenhof war bei den Fans bis zuletzt unbeliebt. Das Unternehmen wird im Sommer Werders Brust freimachen.

7 Das Wirrwarr um Bwin

Zwischenzeitlich gab es im Sommer 2006 noch reichlich Trubel um einen Trikotsponsor bei Werder. Eigentlich hatte der Klub sich mit dem Wettanbieter Bwin geeinigt, doch im Juli 2006 verbot die Stadt Bremen diese Zusammenarbeit, weil es sich um Sportwetten handelte, die ohne Genehmigung der Behörde angeboten wurden.

Die Werder-Spieler Diego und Naldo feiern einen Treffer.
Kurzer Spaß: Das Werben für Bwin wurde durch die Justiz gestoppt. Bild: Imago | Bernd König

Daraus entwickelte sich ein Rechtsstreit und Werder warb nicht mit Bwin, sondern mit dem Slogan "We win" für eine Weile auf dem Trikot. Letztlich gab es vor Gericht jedoch eine Niederlage und Werder musste sich wieder nach einem neuen Trikotsponsor umschauen. Für die Saison 2006/07 gab es dennoch den vollen vereinbarten Betrag von Bwin.

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