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Werders Füllkrug: "Möchte natürlich Teil des Nationalteams bleiben"

Ein turbulentes Jahr mit zahlreichen Highlights liegt hinter dem Bremer. Im Interview spricht Niclas Füllkrug über seine DFB-Pläne, Dankbarkeit und seine Ziele mit Werder.

Herr Füllkrug, im vergangenen Jahr sind Sie mit Werder aufgestiegen, Nationalspieler geworden und haben an der WM teilgenommen. Waren die zurückliegenden zwölf Monate die turbulentesten Ihrer Karriere?
Man muss schon sagen, dass die letzten zwölf Monate nicht nur turbulent, sondern fast durchweg positiv für mich waren. In der 2. Liga hatten wir eine starke Rückserie, in der sich ein Flow und eine positive Energie entwickelt haben, durch die der Erfolg fast schon selbstverständlich wurde. So etwas spiegelt sich dann auch neben dem Platz wider, das macht auch unsere Familien ganz glücklich (lacht).

Und nach der Krönung durch den Aufstieg, einem unfassbar schönen und emotionalen Tag, haben wir eine sehr gelungene Hinrunde gespielt. Dass es so gut für uns läuft, damit hat kaum jemand gerechnet. Am Ende noch mit der Nationalmannschaft belohnt zu werden, war natürlich ein besonderes Ereignis für mich – auch wenn wir bei der WM viel zu früh ausgeschieden sind.
Steht aktuell der beste Niclas Füllkrug aller Zeiten auf dem Platz?
(Überlegt) Ich hoffe, der kommt noch. Natürlich kann ich aber nicht verneinen, dass es gerade sehr gut läuft. Ich habe eine Mannschaft, von der ich sehr profitiere und kann mich dank ihr gut zur Geltung bringen. Diese Momente genieße ich und es klappt gerade sehr viel, aber das macht mich nur noch gieriger, weitere Schritte zu gehen.
Haben Sie eine Erklärung für ihre starke Form?
Wenn es gut läuft, steckt da immer viel Arbeit dahinter. Genau deshalb bin ich jetzt da, wo ich gerade bin. Für mich bedeutet das aber, noch einen Tick mehr draufzulegen. Sich zu hinterfragen, wenn es gut läuft, das ist die Kunst – und das versuche ich gerade.
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug bejubelt einen Treffer für das DFB-Team.
Glänzte bei der WM in Katar mit zwei Treffern: Werder-Stürmer Niclas Füllkrug. Bild: Imago | Agencia MexSport
Geben Ihnen die Erfolge der vergangenen Wochen jetzt noch mehr Selbstvertrauen?
Selbstvertrauen ist etwas, das sich aus der momentanen Phase heraus entwickelt. Wenn ich im Training viele gute Momente habe, gehe ich mit einem guten Gefühl ins Spiel. Zuletzt habe ich viele positive Erlebnisse gehabt, die mein Selbstvertrauen gestärkt haben. Und bei der Nationalmannschaft habe ich gemerkt, dass es für mich kein Problem war, dort mitzuhalten. Das hat mir natürlich auch ein gutes Gefühl gegeben.
Wie geht es für Sie im DFB-Team weiter? Haben Sie die EM 2024 im eigenen Land im Blick?
Für mich war die Nationalmannschaft immer das Größte. Dass ich dort Fuß gefasst habe, macht mich stolz und froh. Aber so weit hinaus setzte ich mir keine Ziele. Ich möchte Woche für Woche gute Leistungen bringen. Nach den Spielen möchte ich zu Hause auf dem Sofa sitzen und sagen können: "Heute konnte ich der Mannschaft helfen und wir haben Punkte eingefahren." Das ist es, was mich reizt. Alles andere kommt von selbst. Aber natürlich möchte ich Teil des Nationalteams bleiben.
Und wie schaut es mit der Torjägerkanone aus? Sie stehen schließlich schon bei zehn Saisontreffern.
Nein, das reizt mich nicht. Mich triggert es mehr, wenn ich mir in einem Spiel keine Chance erarbeite. Ich schaue auf meine Leistung und möchte das Bestmögliche dabei herauszuholen. Für mich ist daher jetzt erst einmal das elfte Tor das wichtigste – und nicht die Tore, die danach kommen könnten.
Hat sich durch die große Aufmerksamkeit nach der WM-Teilnahme Ihr Verhältnis zu den Werder-Kollegen verändert?
Nein, ich merke zwar schon, dass ich bekannter geworden bin, nehme das aber ganz entspannt wahr. Und natürlich tue ich alles dafür, damit die Jungs spüren, dass sich für mich nichts verändert hat. Dass ich genauso dankbar bin, von ihnen profitieren und bei Werder spielen zu dürfen. Und ich habe schon einmal gesagt, dass all das nicht für mich möglich gewesen wäre, wenn wir die Hinrunde auf Platz 15 beendet hätten. Denn dann wäre ich niemals so zur Geltung gekommen. Dass das nie zu kurz kommt, ist ganz, ganz wichtig für mich.
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug steht mit dem Ball am Fuß auf dem Trainingsplatz.
Aktuell bereiten sich Niclas Füllkrug und Werder im spanischen Murcia auf die Bundesliga vor. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Ihre guten Leistungen sind auch anderen Vereinen nicht verborgen geblieben. Bleiben Sie Werder erhalten oder sitzen Sie schon auf gepackten Koffern?
Ich sitze nicht auf gepackten Koffern, ganz im Gegenteil. Aber im Fußball kann man so eine Frage eigentlich nicht beantworten. Schon allein, weil das immer eine Konstellation mit sich bringt, bei der mehrere Parteien zusammenkommen. Und weil eine solche Konstellation aktuell nicht da ist, spreche ich nicht gern darüber. Ich bin einfach froh hier zu sein und glaube, dass ich bei Werder noch viele Möglichkeiten habe, mich weiterzuentwickeln.
Blicken wir auf das Trainingslager: Ihr Trainer Ole Werner hat gesagt, dass es in Murcia vor allem um Taktik, sprich: um Spieleröffnung und Flanken geht. War das Ihre Idee?
(Lacht) Nein, der Trainer macht einen super Job, der braucht mich nicht. Ich gebe ihm aber recht: Ich glaube schon, dass wir in dem ein oder anderen Moment schneller in den gefährlichen Bereich kommen können. Wir spielen mit zwei Spitzen, die abschlussstark sind, das gehört zu unseren großen Stärken. Das ist eine Qualität, die wir weiter ausbauen müssen.
Wohin geht für Werder im neuen Jahr der Blick in der Tabelle? Nach oben oder nach unten?
Nirgendwohin. Gerade die letzten ein, zwei Jahre haben gezeigt, dass wir mit Demut und Bodenständigkeit total gut gefahren sind – und es auch weiterhin tun. Ich glaube auch, dass sich die Fans damit identifizieren können. Die wollen nicht von uns hören, was wir für eine große Schnauze haben. Am Ende ist jeder Fan froh, wenn wir am Wochenende ein gutes Spiel machen und nicht, wenn wir große Töne spucken. Uns nicht unter Druck zu setzen, damit kommen wir viel näher an unsere Topleistung heran. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die wir gewonnen haben – auch weil das in Bremen teilweise schon anders lief.

Das Gespräch führte Olaf Rathje. Aufgezeichnet von Helge Hommers.

Füllkrug im Fokus: So bringt sich Werders Stürmer im Training ein

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Olaf Rathje Moderator

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 6. Januar 2023, 18:06 Uhr