Flucht aus Kiew: So lotsen Albaneses den Tänzer Kalistov nach Bremen

Bild: Radio Bremen

Der Ukraine-Krieg trifft auch das Tanz-Ehepaar Albanese vom Grün-Gold-Club. Es sorgt sich um den Tanzpartner von Tochter Luna, der versucht, nach Bremen durchzukommen.

Der Donnerstagvormittag im Hause Albanese war hektisch und aufreibend. Die Tanztrainer des Bremer Grün-Gold-Clubs Uta und Roberto Albanese hatte der Krieg in der Ukraine ganz unmittelbar betroffen. Denn der 14-jährige Tanzpartner ihrer gleichaltrigen Tochter Luna, Dimitri Kalistov, hielt sich mit seiner Familie in Kiew auf.

"Ich hatte morgens gleich Nachrichten seiner Mutter bekommen, mich um Flüge zu kümmern, damit sie noch irgendwie rauskommen", erklärt Uta Albanese im Sportblitz, "aber der ganze Flugverkehr war schon gestrichen."

Eigentlich nur auf Stippvisite in Kiew

Uta und Luna Albanese mit ihrem Tanzpartner Dimitri Kalistov.
Im Junioren-Bereich im Lateintanzen erfolgreich: Luna Albanese (Mitte) mit Tanzpartner Dimitri Kalistov. Bild: Uta Albanese

Gemeinsam entschieden sie, dass sich die Eltern mit Dimitri und dessen zwei Brüdern sofort ins Auto setzen und auf diesem Wege das Land verlassen sollen. Eigentlich lebt die Familie inzwischen in Bremen, für die Tanz-Karriere ihres Sohnes waren sie ein paar Jahre im Sechs-Wochen-Rhythmus zwischen der Hansestadt und Kiew gependelt und wollten nach Deutschland auswandern.

Dimitri ist inzwischen Bremer und war mit seiner Familie nur in Kiew, um letzte Formalien mit seiner Schule zu regeln, damit er bis zur Junioren-Latein-WM im Juni fehlen dürfte. "Er sollte nur für drei, vier Wochen bleiben und jetzt kommt alles dazwischen", sagt Uta Albanese, "wir wissen jetzt gar nicht, wann sie hier ankommen und wie es weitergeht."

"Natürlich haben alle Angst"

Die Sorge ist groß und Albaneses versuchen von Bremen aus so gut wie möglich zu helfen und die Familie herzulotsen. "Wir haben vereinbart, dass sie immer wieder ihre Standorte schicken", berichtet Uta Albanese. Nicht über die polnische Grenze, an der es lange Warteschlangen geben soll, sondern über Ungarn sollten sie nun fahren. Dorthin haben Albaneses Kontakte und erfahren, dass die Grenzübergänge noch nicht überlaufen seien.

"Natürlich haben alle Angst, aber im Moment funktionieren sie alle nur", sagt Uta Albanese, selbst den Tränen nah. Die nächsten Stunden, möglicherweise Tage, werden aufreibend bleiben.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 24. Februar 2022, 18:06 Uhr