Warum Wohngeldanträge in Bremen so lange liegen bleiben

Ein Kugelschreiber liegt auf einem Wohngeldantrag. Darunter liegen Geldscheine.
Bild: DPA | Zoonar
  • 4.400 Wohngeldanträge warten in Bremen auf Prüfung
  • Baubehörde: Bearbeitung eines Antrags dauert im Schnitt vier Monate
  • Für Betroffene ist das in der aktuellen Krise ein großes Problem

In Bremen sind aktuell mehr als 4.400 Wohngeldanträge unbearbeitet. Das bestätigte die Wohnungsbaubehörde auf Nachfrage von buten un binnen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt – ab dem Zeitpunkt, wenn der Behörde alle Daten vorliegen – nach Angaben des Behördensprechers bei vier Monaten. Es kann also sein, dass die Bearbeitung einiger Anträge deutlich länger dauert. Für die Betroffenen ist das angesichts von Energiekrise und Inflation aktuell ein noch größeres Problem als ohnehin.

Grundsätzlich ist das laut der Bremer Wohnungsbausenatorin Maike Schaefer (Grüne), aber kein bremisches, sondern ein bundesweites Problem. Schuld ist in Schaefers Augen die ehemalige Bundesregierung mit ihrem Bauminister Horst Seehofer (CSU). Dieser habe durch insgesamt drei Gesetzes-Novellen das Wohngeld zu kompliziert gemacht. Schaefer spricht von einem Bürokratiemonster.

Baubehörde: Bearbeitungsdauer in Bremen noch kurz

Im Bundesvergleich steht Bremen laut Behörde gut da. In vielen Städten und Kommunen würde die Bearbeitungszeit noch länger dauern. Bremen habe bereits mehr Personal in der Wohngeldstelle eingesetzt. Zudem will die Behörde eine Bundesratsinitiative einreichen, die bewirken soll, dass das Wohngeldgesetz vereinfacht wird. Auch auf der nächsten Bundesbauministerkonferenz will sich Schaefer dafür einsetzen, dass die neue Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) den bürokratischen Aufwand bei der Bearbeitung verringert.

Es darf nicht sein, dass Menschen die dringend Hilfen brauchen wegen bürokratischen Hürden vom Bund auf ihr Geld warten müssen.

Maike Schaefer (Grüne), Bremens Wohnungsbausenatorin

Betroffene: "Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll"

Eine Junge Mutter aus Bremen-Obervieland hat im Gespräch mit buten un binnen von ihrer Situation berichtet. Ihren Namen wollte sie dabe nicht nennen. "Wir warten jetzt schon seit einem halben Jahr darauf, dass unser Antrag bearbeitet wird", sagt sie.

Ich weiß nicht wie ich die Gasrechnung bezahlen soll. Man steht so vor Existenzangst. Es tut sich nichts. Uns fehlen jeden Monat 500 Euro dadurch. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Junge Mutter aus Bremen-Obervieland

Zu diesem Fall kann die Baubehörde nichts sagen, weil man den Sachverhalt prüfen müsse, wie es heißt.

Auch die Arbeitnehmerkammer in Bremen kritisiert den hohen bürokratischen Aufwand. Dieser sorge dafür, dass viele erst gar keinen Antrag ausfüllen würden. Nach Zahlen der Kammer beziehen nur ein Drittel aller Wohngeldberechtigten auch diese Hilfe.

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Bild: Imago | Bernd Elmenthaler

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Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 8. September 2022, 9:15 Uhr