Rundgang mit Roboter: Hier geht es virtuell durchs Museum

Können virtuelle Museumskonzepte Empathie erzeugen? Diese Frage stellten sich Forscher im Bremerhavener Auswandererhaus. Sechs internationale Ideen, die begeistern.

Zu sehen ist ein Mann der eine Virtual Reality Brille trägt im Museum.

"Kriegsgefangen. Ohnmacht. Sehnsucht. 1914 – 1921", so hieß die Ausstellung, die in Bremerhaven Gegenstand einer Studie war. 700 Museumsbesucher haben Forscher vor und nach ihrem Rundgang befragt. Sie wollten wissen: Haben Probanden, die den digitalen Teil gesehen haben, die Ausstellung anders erlebt als Probanden, die lediglich den analogen Teil besuchten?

International ist virtuelle Realität (VR) im Museum längst keine Seltenheit mehr. Die Bandbreite ist groß: Manchmal tragen Besucher im Museum eine VR-Brille, mit der die Ausstellungsstücke eine zusätzliche Dimension bekommen. Dann beginnen Bilder zu sprechen und Autos verraten, wie ihre Motoren funktionieren. Andere Rundgänge sind komplett virtuell und Nutzer können sie sogar von zuhause abrufen – ohne jemals einen Fuß ins tatsächliche Museum zu setzen. 6 Konzepte, die international begeistert haben.

1 Mauritshuis, Den Haag

Männer schauen Dr. Tulp zu, wie er eine Leiche seziert.
In der App "Rembrandt Reality" kommen Zuschauer ganz nah an den Seziertisch von Dr. Tulp heran. Bild: Mauritshuis, Den Haag

Die Niederlande feiern dieses Jahr den 350. Todestag des Malers Rembrandt. Zum Geburtstag gab es vom Mauritshuis in Den Haag eine Augmented Reality App. Die Anwendung "Rembrandt Reality" transportiert die Nutzer direkt in das Bild "Die Anatomiestunde des Dr. Nicolaes Tulp" aus dem Jahr 1632. Wer die App lädt, erfährt Details dazu, wie das Bild entstand und zur Komposition. Im eigenen Wohnzimmer und mit dem eigenen Smartphone oder Tablet können Nutzer so um den Seziertisch laufen und die Obduktion aus der Nähe betrachten.

2 Britisches Museum, London

Das Britische Museum bietet einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung alter ägyptischer Skulpturen und Mumien. Über die Facebook App können Zuschauer virtuell durch die Räume des Museums spazieren. Zu den 3D-Ansichten von Menschen oder Löwen aus Stein gibt es Schrifttafeln mit weiteren Informationen und einen Kommentar zum Hören. Das funktioniert auch ohne 3D-Brille – mit macht es allerdings mehr Spaß.

3 Kremer Kollektion, Internet

In einem virtuellen Museumsgang hängen Bilder an der Wand.
Die Kremer Kollektion existiert nur online. Einen eigenen Museumsbau gibt es für die Bilder trotzdem. Bild: Kremer Collection

Ausschließlich virtuell zugänglich ist die Kremer Kollektion. Sie vereint Bilder alter niederländischer Meister, die in dieser Zusammenstellung offline gar nicht zu sehen sind. Besucher brauchen eine eigene Brille für virtuelle Realität und können dann zuhause durch den futuristischen Museumsbau wandern und die Sammlung erkunden.

4 Van Abbe Museum, Eindhoven & Kunsthalle Emden

Einen anderen Weg geht das niederländische Van Abbe Museum in Eindhoven. Hier ist die Sammlung nicht digitalisiert. Besucher, die nicht selbst ins Museum kommen können, können seit 2015 einen Roboter buchen, der für sie durch die Ausstellung rollt und den Besuch per Video überträgt. Dank einer speziellen Software kann der Roboter von zuhause aus gesteuert werden. Der Roboter wird von einem Guide des Museums begleitet, dem der Besucher von zuhause aus Fragen stellen kann. Wie das funktioniert, zeigt ein Video des Museums auf dessen Internetseite – zwar auf Niederländisch, aber das "Roboter-Prinzip" wird anschaulich dargestellt.

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In der Kunsthalle in Emden gibt es seit 2017 ein ähnliches Projekt. Dort fährt Museumsroboter Emmi durch die Ausstellungssäle, ausgestattet mit einem hochauflösendem Tablet und Wlan. Die Rundfahrt mit Emmi wird ebenfalls online gebucht, zum vereinbarten Zeitpunkt wird der zugeschickte Link freigeschaltet und der virtuelle Besucher kann sich über die Roboterkamera die Ausstellung anschauen. Diese Projekt steckt laut Ilka Erdwiens von der Emder Kunsthalle allerdings noch in den Kinderschuhen.

5 Smithsonian Museum, Washington, D.C.

Bunte pilzförmige Kunstinstallation Shrumen Lumen von Foldhaus
Diese Pilze standen 2016 beim "Burning Man"-Festival in der Wüste in Nevada. Mittlerweile sind sie auch in der Online Galerie des Smithsonian Museums zu sehen. Bild: FoldHaus | Ron Blunt

Während das Van Abbe Museum das Museum zum Nutzer nach Hause bringt, holt das Smithsonian ein Festival ins Museum. "Burning Man" ist ein Musikfestival weit draußen in der Wüste des US-Bundesstaats Nevada. Jedes Jahr schaffen Künstlerinnen und Künstler dort Installationen und Skulpturen, die normalerweise nur eine Woche überdauern – und dann verbrannt werden. Das Smithsonian Museum in Washington, D.C., hat im vergangenen Jahr die Wüstenkunst einem größeren Publikum zugänglich gemacht. "Keine Zuschauer" heißt die Ausstellung und greift damit ein Motto des Festivals auf: Niemand soll nur zuschauen, sondern teilhaben und mitgestalten. Im Museum gab es neben den Exponaten auch virtuelle Rundgänge, die die Skulpturen vor Ort in der Wüste zeigten. Wer die Ausstellung in Deutschland sehen will, kann das in der Online Galerie des Museums weiterhin tun.

6 Deutsches Museum, München

Ein Mann sitzt im Fahrsimulator und schaut auf eine Mondlandschaft.
Ganz schön ruckelig, so eine Mondpiste. Ein Besucher im Deutschen Museum testet den Fahrsimulator. Bild: Deutsches Museum

Auch in Deutschland experimentieren Museen mit virtuellen Realitäten – wenn auch oft in kleinerem Rahmen. Im Deutschen Museum in München bekommen Besucher mit Hilfe der VR-Brillen zusätzliche Informationen zu den Ausstellungsstücken. Im so genannten "VR-Lab" können sie ein Mondauto steuern oder sehen, wie die Sulzer Dampfmaschine funktioniert. Besucher "bekommen so noch einmal ein ganz anderes Verständnis für die Mechanik, für die Funktionsweise von solchen Maschinen", sagt Projektkoordinatorin Andrea Geipel.

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  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Oktober 2019, 19:30 Uhr