Infografik

Umfrage: Mehrheit der Bremer für ticketlosen Nahverkehr

Die Initiative "Einfach Einsteigen" hat ein Konzept für einen ticketlosen ÖPVN entwickelt. Die Mehrheit der Bremer wäre dafür, zeigt eine neue Umfrage.

Eine Bremer Sraßenbahn von innen

Ohne Fahrkarte in Bus und Bahn einsteigen und trotzdem nicht schwarzfahren: Das sollte laut der Initiative "Einfach Einsteigen" möglich sein. Dafür haben sie bereits vor einigen Monaten ein Konzept entwickelt. Kostenlos wären die öffentlichen Verkehrsmittel jedoch nicht: Jeder Bürger ab 18 Jahren sollte 19,11 Euro monatlich bezahlen genauso wie Pendler aus dem Umland. Geringverdiener würden mit einem Betrag zwischen fünf und zehn Euro zur Kasse gebeten. Und Unternehmen trügen laut dem Konzept mit einer Umlage dazu bei. So könnten bis 2023 alle Fahrkarten wegfallen.

Mehrheit der Befragten findet die Idee gut

Die Idee gefällt offenbar vielen Bremern. Laut einer repräsentativen Umfrage der Forschungs- und Beratungsfirma Pollytix bewerten 65 Prozent der Befragten das Vorhaben als "gute Idee", teilte die Initiative am Dienstag mit. Eine deutliche Mehrheit (74 Prozent) befürwortet auch die Beteiligung Bremer Unternehmen an den Kosten für die Verbesserung des Nahverkehrs.

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Jeder Zweite bereit, bei besserem Nahverkehr auf das Auto zu verzichten

Zudem sprechen sich laut Umfrageergebnissen 72 Prozent der Bremer und Bremerinnen dafür aus, dass Alternativen zum Auto gefördert werden. Für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sind auch 67 Prozent der Befragten bereit, Nachteile beim Autoverkehr in Kauf zu nehmen. Jeder zweite Autofahrer wäre schließlich auch bereit, bei einem verbesserten ÖPVN das Auto häufiger in der Garage stehen zu lassen.

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Angesichts der Ergebnisse fordert der Initiativen-Gründer Mark Wege, dass der neue Senat "eine umfassende Verkehrswende" einleitet. Damit könne man nicht nur das Stau-Problem in Bremen lösen, sondern auch die CO2-Emissionen reduzieren, führt er aus. Die Initiative stellt an die künftige Regierung einen Forderungskatalog für die Einführung des neuen Systems und den Ausbau des ÖPVN. Die Forderungen beinhalten auch den Ausruf einer "Dekade des Klimanotstands" für Bremen bis zum Jahr 2030. Das Ziel sei, bis dahin die Hansestadt klimaneutral zu machen.

Verkehrsressort: "Projekt nicht klar durchdacht"

Ganz überzeugt vom Projekt der Initiative ist der jetzige Verkehrssenator, Joachim Lohse, offenbar nicht. "So wie es jetzt ist, ist es nicht klar durchdacht", erklärt sein Sprecher Jens Tittmann. Zum einen sei noch nicht rechtlich geklärt, ob eine solche Gebühr erhoben werden dürfe. Zum anderen müsse gesichert werden, dass der ÖPVN dadurch nicht weniger Geld bekommt als jetzt. Eine Mischfinanzierung aus Steuergeldern und Fahrkarten sei weiterhin besser. Positiv bewertet er den Vorschlag, dass sich die Unternehmen mit einer Abgabe pro Mitarbeiter daran beteiligen und die Tickets somit insgesamt günstiger werden.

Der Vorschlag, einen Klimanotstand auszurufen, sei "gut und richtig", führt Tittman aus. Bedenken gebe es jedoch wegen der Wortwahl: "Notstand" erinnere zu stark an die sogenannten Notstandsgesetze. Das Ziel, Bremen bis 2030 klimaneutral zu machen, könne Bremen alleine jedoch nicht schaffen. "Das hängt auch von den Akteuren auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene ab", fügt der Sprecher hinzu.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. Mai 2019, 23:30 Uhr