Hochschule Bremerhaven wird zur Start-Up-Schmiede

Gründen oder studieren? Start-Up oder Bachelor? In Bremerhaven geht ab jetzt beides zusammen. In einem neuen Studiengang gehört eine echte Firmengründung dazu.

Studenten sitzen an einem Tisch und diskutieren über Ideen.
Hier sollen neue Ideen entstehen: Statt in Hörsälen zu sitzen, sollen die Studierenden im neuen Studiengang Firmen gründen. Bild: Imago | Science Photo Library

Zuerst war Michael Vogel inspiriert: Als der Professor der Hochschule Bremerhaven im Baskenland einen Studiengang kennenlernte, bei dem Studenten eine eigene Firma gründeten, um erfolgreiche "Start-Upper" zu werden. Er wollte mehr wissen und fuhr nach Finnland, wo dieses Modell erfunden wurde: "Und dann war ich – infiziert!"

Das Modell der "Team Academy" ließ ihn nicht mehr los. Und so überzeugte er seine Kollegen zuhause, etwas Ähnliches zu versuchen: Ab Herbst startet ein Start-Up-Studiengang auch an der Bremerhavener Hochschule. "Gründung, Innovation, Führung", kurz GIF, heißt das Angebot. Es ist das erste dieser Art im deutschsprachigen Raum. Zwar hatten sich auch größere renommierte Universitäten bei Vogel nach dem neuen Modell erkundigt. "Sie haben dann aber wieder abgewunken: Ihre Häuser waren zu groß, mit zu vielen Gremien. In Bremerhaven mit unserer flachen Hierarchie geht das viel besser."

Keine Professoren, keine Vorlesungen

Michael Vogel
Professor Michael Vogel hat den Studiengang mit gegründet. "Infiziert" wurde er von der Idee in Finnland. Bild: privat

Ab sofort können Interessierte sich bewerben. Wer mitmachen will, muss sich aber auf ganz besondere Studienbedingungen einstellen: Es gibt keine Professoren, sondern Coaches. Vorlesungen? Fehlanzeige, einen Hörsaal werden die GIF-Studenten nicht von innen sehen.

Wir suchen Menschen, die gründen, die machen, die eine Idee haben und umsetzen wollen. Sie in eine Vorlesung zu stecken, wäre doch ein Widerspruch in sich.

Michael Vogel, Hochschule Bremerhaven

Beim herkömmlichen Studium lerne man auf Vorrat, erklärt Vogel. "Aber hier gibt es für alles Wissen eine Anwendung." Darum sieht auch der Lehrplan etwas anders aus. Grundlage für alles sind die von den Studenten zu gründenden Firmen – damit beginnt das Studium. Vogel denkt an drei Unternehmen mit jeweils 15 Studenten. Sie sollen sich genossenschaftlich organisieren und müssen sofort loslegen. Kredite oder Startkapital gibt es nicht, auch das müssen die Jung-Unternehmen selbst zusammen bekommen: die erste Herausforderung.

Studieren ohne Komfortzone

"Genau darum geht es ja: einfach mal loszulaufen, die eigenen Hemmungen zu überwinden, Laufen lernen und auf Leute zuzugehen", so Vogel.

Hier gibt es keine Komfortzone und vom ersten Tag an Kundenarbeit.

Michael Vogel, Hochschule Bremerhaven

Natürlich weiß er, dass das nicht jedem gegeben ist. Darum kann man sich bei GIF nicht einfach einschreiben, man muss sich bewerben und drei Fragen zu Motivation, Selbsteinschätzung und Vorerfahrungen beantworten. Zu 45 Prozent zählen die Antworten bei der Zulassung, die Abi-Noten bringen den Rest.

Fährhaus der Hochschule Bremerhaven
Im Fährhaus an der Geeste werden die GIF-Studenten ihre Firmen gründen und führen.

Sechs Semester lang sollen die Studenten-Firmen dann wachsen und gedeihen. Die Unternehmer sollen immer dann Wissen erwerben, wenn sie es brauchen. Dazu werden Module angeboten von Produktentwicklung bis Marketing, von Teamleitung bis Finanzplanung. Klausuren gibt es nicht – "Entrepreneure schreiben keine Klausuren", betont Michael Vogel. Stattdessen fassen die Studierenden ihr Wissen in Reflektionspapieren zusammen.

Am Ende doch ein klassischer Abschluss

Am Ende eines Studiums, das mit fast allen Regeln des Studierens bricht, steht dann aber doch ein geregelter Abschluss. Ein Bachelor of Arts wird es sein, vielleicht wird irgendwann auch noch ein Master-Anschluss angeboten. Dass das nötig ist, bezweifelt Professor Vogel allerdings: "Wer Unternehmer ist, will dann auch raus mit seiner Firma, seinem Produkt", glaubt er.

Aber ist dafür dann auch Bremerhaven noch der richtige Ort? Da ist sich Michael Vogel ganz sicher: "In dieser Stadt gibt es so viele Menschen mit Ideen und auch eine Gründerszene rund um die maritime Wirtschaft", sagt Vogel.

Da könnte der neue Studiengang doch einen ganz wichtigen Impuls geben.

Professor Michael Vogel
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 27. April 2018, 23:20 Uhr