Lockdown, Shutdown oder Ausgangssperre: Was bedeutet was?

Die Corona-Pandemie hat viele neue Begriffe in unseren Sprachgebrauch gebracht. Oft ist nicht genau klar, was sie bedeuten. Wir erklären die wichtigsten Wörter.

Buchstabenwürfel bilden den Schriftzug Lockdown vor einem Vorhängeschloss mit Kette.
Lockdown und Shutdown, was heißt das eigentlich? Bild: Imago | Christian Ohde

1 Lockdown

Der englische Begriff 'Lockdown' bezeichnet einen "Zustand der Isolation, Eindämmung oder des eingeschränkten Zugangs, der normalerweise als Sicherheitsmaßnahme eingeführt wird", schreibt Sprachforscherin Annette Klosa-Kückelhaus mit Verweis auf das Oxford English Dictionary in ihren Aufsatz 'Shutdown, Lockdown und Exit'. Die Leiterin des Programmbereichs Lexikographie und Sprachdokumentation am Leibnitz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim untersucht, wie die Corona-Krise unsere Sprache beeinflusst.

Während der Corona-Pandemie wurde der Begriff Lockdown in den deutschen Sprachgebrauch übernommen. Dabei werden öffentliches Leben, Arbeitsleben und privates Leben sozusagen heruntergefahren und es kommt zu einem Stillstand, so die Sprachforscherin weiter in ihrem Aufsatz.

Historische Bespiele für einen Lockdown sind die Maßnahmen zum Schutz der Menschen nach einen Attentat oder eines Amoklaufs. Meist handelt es sich dabei um Zeiträume von wenigen Stunden oder Tagen. Übersetzt werden kann der Begriff am ehesten mit 'Absperrung' oder 'Ausgangssperre'. Dies trifft auf die Corona-Maßnahmen in Deutschland aber nicht zu.

2 Shutdown

Das englische Wort 'Shutdown' bezeichnete ursprünglich "die Schließung einer Fabrik, eines Geschäftes oder anderen Unternehmens, entweder für kurze Zeit oder für immer", schreibt Wortschatzforscherin Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache mit Verweis auf das Wörterbuch Collins Dictionary.

Während der Corona-Pandemie wird der Begriff Shutdown häufig auf die Gesellschaft übertragen und bezeichnet die Quasi-Stilllegung des gesellschaftlichen Lebens. Er definiert sich über die geltenden Maßnahmen.

Lockdown und Shutdown sind nicht identisch verwendbar. Während bei einem Lockdown die Bürger dazu angehalten werden, nicht aus dem Haus zu gehen, ist dies bei einem Shutdown durchaus möglich.

3 Ausgangssperre

Im Kampf gegen das Corona-Virus wurde in vielen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien eine sogenannte Ausgangssperre verhängt. Je nach Land galten und gelten unterschiedliche Maßnahmen.

In Deutschland gibt es keine Ausgangssperre, auch in Bremen nicht. Sie kann aber von der Bundesregierung, der Landesregierung oder dem Landrat sowie Bürgermeistern verhängt werden, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist.

Gesetzliche Grundlage ist Artikel 11 des Grundgesetzes, der die Freizügigkeit sicherstellt - also das freie Bewegen in der Öffentlichkeit. Dieses Recht kann allerdings unter bestimmten Umständen eingeschränkt werden (Absatz 2). Zum Beispiel, wenn die Gefahr einer Seuche droht oder bei einer Naturkatastrophe.

4 Ausgangsbeschränkung

Jedes Land kann eine Ausgangsbeschränkung verhängen. Sie kann aber auch nur für eine bestimmte Region gelten. Die Ausgangsbeschränkung stützt sich auf Paragraf 28 des Infektionsschutzgesetzes. Dort steht, dass die zuständige Behörde "notwendige Schutzmaßnahmen" zur "Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten" erlassen kann.

Beispielsweise im März wurde eine sogenannte Ausgangsbeschränkung in Bayern von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verhängt. Während dieser Ausgangsbeschränkung sollten die sozialen Kontakte auf das nötige Minimum reduziert werden: Das Verlassen der eignen Wohnung war nur aus einem triftigen Grund gestattet. Gründe für das Verlassen der Wohnung waren beispielsweise: die tägliche Arbeit, notwendige Arztbesuche und Einkäufe sowie Bewegung an der frischen Luft. Es drohte bei Nichtbeachtung ein Bußgeld.

Bürgermeister Andreas Bovelschulte (SPD) betonte im März, dass eine Kontaktbeschränkung eine Alternative zu einer Ausgangsbeschränkung sei und er diese ablehne. Da in Bremen für den November aber ähnliche Empfehlungen der Kontaktbeschränkung gelten, sprechen viele hier ebenfalls von einer 'Ausgangsbeschränkung'.

5 Kontaktbeschränkung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist die Kontaktbeschränkung. Diese regelt die Anzahl der Menschen, die sich aus unterschiedlichen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Kontaktbeschränkungen beziehen sich auf die Öffentlichkeit, dennoch sollen auch in Wohnungen und privaten Einrichtungen Feiern untersagt werden, so Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD).

Die Kontaktbeschränkung wird vom Senat regelmäßig überarbeitet und den aktuellen Corona-Maßnahmen angepasst.

6 Sperrstunde

Zur sogenannten Sperrstunde müssen Gaststätten ihren Betrieb einstellen. Diese Regelung diente ursprünglich dazu, die Nachtruhe zu sichern. In einigen Bundesländern gilt noch heute eine Sperrstunde, meist zwischen 5 und 6 Uhr - oft wird diese Zeit auch Putzstunde genannt.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde auch in Bremen wieder eine Sperrstunde eingeführt. In einigen Bundesländern haben Gastwirte gegen die Sperrstunde geklagt und Recht bekommen. So hat das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) die nächtliche Sperrstunde für Gastronomen und das Verbot für einen Außer-Haus-Verkauf von Alkohol vorläufig gekippt.

7 Alkoholverkaufsverbot

Das Alkoholverkaufsverbot regelt die Zeiten in denen alkoholische Getränke in Gaststätten, Supermärkten oder an Kiosken verkauft oder ausgeschenkt werden dürfen. Durch das Verbot während der Corona-Pandemie sollen Infektionen mit dem Virus vermieden werden, da Alkohol eine enthemmende Wirkung hat und so Abstands- und Hygienekonzepte oft nicht mehr beachtet werden könnten.

Gastro-Gemeinschaft in Bremen stellt Eilantrag gegen Sperrstunde

Video vom 22. Oktober 2020
Ein Bild der Litfaß-bar im Bremer Viertel.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. Oktober 2020, 23:30 Uhr