So klärt Bremen, ob Patienten an oder mit dem Coronavirus starben

Die älteste Corona-Tote war 107 Jahre alt. War die Ursache das Virus oder eine Vorerkrankung? Auch Obduktionen können das nicht immer zweifelsfrei klären.

Bestattungsfachkräfte in Corona-Schutzkleidung mit einem Holzsarg (Symbolbild)
Die Behörden in Bremen prüfen bei einem Todesfall, ob der Mensch "an" oder "mit" dem Coronavirus gestorben ist. (Symbolbild) Bild: DPA | Felix Hörhager

In Bremen und Bremerhaven sind bislang 53 Menschen an einer aktiven Sars-CoV-2-Infektion und ihren Folgen wie einer Lungenentzündung (Pneumonie) gestorben (Stand 1. Juli). Doch eine Frage muss immer geprüft werden: Ist das Virus Ursache für den Tod des Patienten?

Statistische Besonderheiten

"Bei den Todesfällen haben wir eine Altersspanne von 42 bis 107 Jahren", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Mit rund 53 Prozent sterben laut der Behörde mehr Männer als Frauen. Gestorben sind demnach 28 Männer und 25 Frauen.

Männer sind durchschnittlich mit 75 Jahren gut zehn Jahre jünger als die Frauen mit durchschnittlich 85 Jahren. "Dabei muss aber auf die statistisch gesehen kleine Fallzahl hingewiesen werden, einzelne Fälle haben hier natürlich ein größeres Gewicht", erklärt Fuhrmann die Zahlen. So sei der jüngste Verstorbene männlich und die älteste Verstorbene weiblich, das erkläre den durchschnittlichen Altersunterschied von zehn Jahren.

Mit oder an dem Virus gestorben?

"Wenn wir einen Todesfall haben, werten wir generell aus, ob die Person 'mit' oder 'an' Corona gestorben ist. Die Frage ist: Ist die Infektion ursächlich für den Tod?", erklärt Fuhrmann das Vorgehen der Gesundheitsbehörde. Bei den 53 gemeldeten Fällen in Bremen und Bremerhaven sei auf jeden Fall davon auszugehen, dass sie an der Sars-CoV-2-Infektion und den nachfolgenden Erkrankungen gestorben sind.

So wird geprüft: Hat die Corona-Infektion und die folgende Pneumonie den Tod ausgelöst oder ist der Mensch an einem Multiorganversagen in Folge der Infektion verstorben? Dann lässt sich sagen: Der Mensch ist 'an dem Virus verstorben'.

Obduktion nicht immer eindeutig

Bei Todesursachen, die keinen direkten Zusammenhang mit der Infektion haben, stirbt ein Mensch 'mit dem Virus'. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn ein positiv getesteter Mensch an einem Herzinfarkt verstirbt. "Da ist in aller Regel nicht davon auszugehen, dass dieser Infarkt von der Covid-19-Erkrankung ausgelöst wurde", so Fuhrmann.

"Manchmal ist auch mit einer Obduktion nicht zweifelsfrei zu klären, ob jemand an oder mit einer Covid-19-Infektion verstorben ist."

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde

Ein wichtiges Kriterium sei, dass die Menschen ohne eine Covid-19-Erkrankung zu einem anderen Zeitpunkt verstorben wären, so Fuhrmann weiter. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Autounfall während einer positiven Infektion. Solche Fälle werden im Gesundheitsamt gar nicht erfasst, da es keinen direkten Zusammenhang zwischen Unfalltod und Corona-Infektion gibt.

Bremen meldet Todesfälle dem RKI

Die Bremer Kliniken und Ärzte melden die Todesfälle, die ursächlich an einer Corona-Infektion gestorben sind. Diese Zahlen fasst die Gesundheitsbehörde zusammen und gibt sie an das Robert Koch Institut (RKI) weiter. In der Falldefinition des RKI heißt es wörtlich: "Dem Gesundheitsamt wird gemäß [….] der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf eine Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) […] namentlich gemeldet". Zusätzlich teilt das Gesundheitsamt Alter und Geschlecht der Verstorbenen mit.

Andere Erkrankungen auf dem Totenschein

Die Todesursache "Corona" wird durch Arztmeldungen, Arztbriefe sowie den Totenschein nachgewiesen. Ob dabei weitere Erkrankungen vorlagen wie etwa Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen wird ebenfalls auf dem Totenschein notiert. So ist dem Bremer Gesundheitsamt ebenfalls bekannt, welche Vorerkrankungen die Verstorbenen in Bremen und Bremerhaven hatten.

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Video vom 29. Juni 2020
Vier Bewohner eines Altenheims sitzen nebeneinander.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Juli 2020, 23:30 Uhr