Fragen & Antworten

Wo Bremer häufig Rot sehen

Ampeln sind etwas alltägliches für uns. Aber haben Sie sich schon mal gefragt, warum einige Fußgängerampeln ständig Geräusche machen und ob man den gelben Knopf immer drücken muss, wenn man über die Straße möchte?

Autos, Fahrräder und Straßenbahnen am Stern in Bremen. (Bildmontage)
Für ein geregeltes Miteinander sind Ampeln im Straßenverkehr unerlässlich. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Was ist eigentlich eine Ampel?
Ampel wird vom lateinischen "ampulla" abgeleitet und steht für ein kolbenförmiges Gefäß oder eine kleine Flasche. Impfstoffe werden beispielsweise in Ampullen abgefüllt. Wegen ihrer Form wurden auch die hängenden Leuchten in katholischen Kirchen oder Synagogen, in denen das ewige Licht brennt, Ampeln genannt. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Ampel für die farbigen, hängenden Leuchten an der Straße. Fachtechnisch werden sie als Lichtsignalanlagen (LSA) bezeichnet.
Ewiglichtampel in einer Kirche (Archivbild)
Ewiglichtampel in einer Kirche in Alt-Vogtsburg. Bild: DPA | akg-images/Nick Wendt
Seit wann gibt es Ampeln?
In Deutschland wurde die erste LSA in Berlin 1924 am Potsdamer Platz in Betrieb genommen. Doch auch in Bremen stiegt das Verkehrsaufkommen mit Pferdefuhrwerken, Automobilen, Straßenbahnen, Radfahrern und Fußgängern stetig an, so dass am 4. Juni 1928 an vier belebten Kreuzungen die ersten Ampelanlagen in Betrieb gingen. Zwei in der Altstadt und zwei in der Neustadt, jeweils auf den großen Kreuzungen vor den Weserbrücken. Elektrische Schalter, Uhrwerke und Lichter regelten hier nun den Verkehr und nahmen dem menschlichen Verkehrsposten auf der Kreuzung die Arbeit ab. Werbetafeln über den drei waagerecht angeordneten Lichtern sollten die Anschaffungskosten wieder reinholen. In Bremerhaven wurde die erste Ampel 1957 installiert.
Ampel an der Kreuzung Westerstraße - Große Allee, heute Langemarckstraße, ca 1930.
An der Kreuzung Westerstraße / Große Allee (heute Langemarckstraße) hängen die rechteckigen Ampeln über der Straße. Das Bild entstand etwa 1930. Bild: Staatsarchiv Bremen
Warum klackern einige Ampeln?
Dieses auffällige Geräusch dient blinden oder sehbehinderten Menschen dazu, einen Ampelmast zu finden und wird deshalb Mastauffindton genannt. Am Ampelmast befindet sich ein gelber Anforderungstaster, der an der Seite mit einem fühlbaren Relief die Straßensituation erklärt. Also ob beim Weg über die Straße beispielsweise eine Verkehrsinsel, ein Radweg oder Straßenbahngleise zu erwarten sind. Auf der Unterseite des gelben Kastens gibt es einen zusätzlichen Knopf. Der zeigt mit einem Dreieck die Richtung an, in der die Straße zu überqueren ist und kann vibrieren, um neben einem akustischen Signal anzuzeigen, dass die Fußgängerampel auf Grün geschaltet hat.
Auf dem Anforderungstaster einer Ampel befindet sich ein Relief, auf dem die Verkehrssituation ertastbar ist. Start, Fahrbahn, Verkehrsinsel, Straßenbahn, Verkehrsinsel, Straßenbahn, Verkehrsinsel, Fahrbahn, Ende.
Wie hier am Leibnizplatz sind viele Ampeln in Bremen mit einem Leitsystem ausgestattet. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Seit wann gibt es die kleinen grünen Männchen?
Die erste reine Fußgängerampel Bremens wurde am 8. Februar 1955 vor der damaligen Schule an der Kattenturmer Heerstraße eingeweiht. Erstmals konnten hier Fußgänger per Knopfdruck die Autos zum Anhalten bewegen und so gefahrlos die Straße überqueren. Genau 16 Sekunden blieben ihnen dafür. Zur Freimarkstzeit werden einige der grünen Männchen an den Fußgängerampeln in der Innenstadt durch die Bremer Stadtmusikanten ersetzt. In der Weihnachtszeit kann man grüne Weihnachtsmänner als Freigabesignal für Fußgänger beobachten.
Die Bremer Stadtmusikanten leuchten auf einer grünen Ampel am Breitenweg
Bild: Radio Bremen
Ändern sich die Ampeln auch heute noch?
Bremerhaven hat 142 Lichtsignalanlagen und Bremen 630. Aber eine davon ist etwas ganz besonderes. Als zweite Stadt in Deutschland bekam Bremen im Dezember 2020 eine Ampel, deren Taster man nicht mehr berühren muss. An der Ecke Sögestraße / Knochenhauer Straße erkennt die Ampel über Sensoren und Wärmebildkameras die herannahenden Verkehrsteilnehmer und schaltet selbstständig auf Grün, wenn jemand über die Straße möchte. Durch die Überwachung des Umfelds kann die Lichtsiganlanlage sogar entscheiden ob die Grünphase verlängert werden sollte. Kontaktreduzierung durch Technik.

Bremen bekommt eine intelligente Ampel – bundesweit als zweite Stadt

Video vom 18. Dezember 2020
Ein gelber Drucksensor an einer Ampel.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Martin von Minden Bildredaktion

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Dezember 2020, 19:30 Uhr