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Zufall? Warum manche Bremer kein Corona kriegen

Grafik zeigt im Vordergrund Coronaviren, im Hintergrund eine unscharfe Person in Abwehrhaltung
Es sind eine Reihe genetischer und zusätzlich nicht-genetischer Faktoren, die zusammenwirken können, warum manche Menschen sich einfach nicht mit dem Coronavirus infizieren. Bild: Imago | Shotshop

Trotz engem Kontakt zu Infizierten stecken sich manche Menschen einfach nicht an. Sieben Faktoren gibt es, die gemeinsam bewirken können, dass man gesund bleibt.

Warum stecken sich manche Menschen einfach nicht mit dem Coronavirus an, obwohl sie mit einem infizierten Partner zusammenleben, essen und schlafen? Das weiß wohl keiner so genau. Der Virologe Andreas Dotzauer von der Universität Bremen nennt es eine chaotische Zufälligkeit, warum bei manchen Menschen das Virus schlechter Fuß fassen kann als bei anderen. Auch Epidemiologe Hajo Zeeb sagt, die Infektionsbedingungen müssten zufällig so günstig sein, dass man sich nicht ansteckt, wenn man engen Kontakt zu einer infizierten Person hat. Doch Forscher haben verschiedene Erklärungen. Es sind eine Reihe genetischer und zusätzlich nicht-genetischer Faktoren, die zusammenwirken können.

1 Starkes Immunsystem

Zu den genetischen Faktoren gehören sämtliche Komponenten unseres Immunsystems, die bei jedem etwas anders aussehen mit den sogenannten T-Zellen und den Blutgruppen. Nicht-genetische Faktoren können Alter, Geschlecht und Virusmenge sein. Aber auch psychische und körperliche Konditionen wie Übergewicht und Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Probleme. Menschen mit Vorerkrankungen sind leichter empfänglich für Infektionen.

"Erst einmal dreht sich alles um das Immunsystem", sagt der Virologe Andreas Dotzauer. "Wer ein starkes Immunsystem hat, ist nicht so leicht anfällig für jede Infektionskrankheit. Auch nicht für Corona." Es ist also vom Immunsystem, konkret von der Immunantwort abhängig, ob man sich mit dem Coronavirus ansteckt und ob die Krankheit schwer oder leicht verläuft. Hier spielen vor allem die sogenannten T-Zellen eine wichtige Rolle. 

2 Hilfszellen und Killerzellen

Warum sich manche Menschen nicht mit dem Coronavirus infizieren, hängt unter anderem von den sogenannten T-Zellen ab. Diese bilden Antikörper und töten infizierte Zellen. Forscher haben für ihre Studien Probanden mit Coronaviren infiziert. Diejenigen, die kein Corona bekamen, hatte eine starke T-Zellantwort – das heißt, die T-Zellen reagierten schneller als bei anderen Probanden. Das kann genetisch bedingt sein oder mit vergangenen Erkältungserkrankungen zu tun haben: "Wenn die T-Zellen schon gegen bestimmte Anteile von Corona-Viren eine Abwehr gebildet haben, weil man sich vor der Pandemie schon einmal mit Corona-Erkältungsviren infiziert hat", sagt Hajo Zeeb. Forscher bezeichnen diese Abwehrreaktion als Kreuzimmunität.

Das liegt daran, weil T-Zellen Teil des "adaptiven Immunsystems" sind. Das bedeutet, dass dieser Teil unseres Immunsystems lernfähig ist und sich im Laufe unseres Lebens anpasst und weiterentwickelt, sodass es bei der nächsten Infektion mit gleichen Krankheitserregern schneller reagieren kann. Die sogenannten T-Helferzellen sind an der Bildung von Antikörpern beteiligt, um eine Krankheit abzuwehren – die sogenannten T-Killerzellen erkennen die infizierten Zellen und töten sie ab. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sie werden im Knochenmark gebildet und wandern in den Thymus. Der Thymus ist ein Organ und wichtig für das Immunsystem.

3 Blutgruppe 0

Außerdem wird die Immunantwort auch von der Blutgruppe beeinflusst. Studien haben gezeigt,

  • dass Menschen mit der Blutgruppe 0 sich seltener infizieren als Menschen mit der Blutgruppe A, B und AB.
  • dass Menschen mit zwei unterschiedlichen Blutgruppen sich gegenseitig schlechter anstecken können..

Das liegt möglicherweise daran, dass die Blutgruppen sich nicht vertragen, weil jeder Mensch Antikörper gegen eine fremde Blutgruppe hat, außer jemand hat Blutgruppe AB. Blutgruppe A hat Antikörper gegen Blutgruppe B und andersherum. Blutgruppe 0 wiederum hat Antikörper gegen A und B. Diese Antikörper richten sich auch gegen das Coronavirus. "Das sind keine sehr starken Phänomene. Aber sie können im Gesamtspiel der Immunantwort auch einen kleinen Beitrag leisten. Nur sollte man sich in keinem Fall darauf verlassen, dass man sagt, ich habe die Blutgruppe 0 und lass mich nicht impfen", sagt Hajo Zeeb.

4 Alter – je jünger, desto geringer das Risiko

Das Immunsystem und die Immunantwort werden mit dem Alter immer schwächer. Darum sind ältere Menschen anfälliger für Infektionskrankheiten. Auch das Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist höher. Genauso kann der Krankheitsverlauf bei älteren Menschen schwerer ausfallen als bei jüngeren Menschen. "Wir wissen, dass bei älteren Personen die Immunreaktion natürlicherweise nicht mehr so stark vonstattengeht wie bei jüngeren Personen. Auch bestimmte Moleküle, die das Virus detektieren und als Auslöser für die Abwehrreaktion dienen, werden nicht mehr in großen Mengen gebildet im Vergleich zu den Jüngeren", so Andreas Dotzauer.

Außerdem wird die Schnelligkeit mit der eine Immunantwort, also Antikörper, aufgebaut werden mit dem Alter etwas schlechter. "Das heißt aber nicht, dass jeder alte Mensch eine schlechte Immunantwort hat. Hinzu kommt, dass man im Alter auch noch andere Erkrankungen hat und entsprechend kann der Körper weniger Abwehrkräfte entwickeln, weil er mit anderen Krankheitsbekämpfungen beschäftigt ist", so Hajo Zeeb weiter.

5 Geschlecht – Frauen weniger anfällig als Männer

Auch das Geschlecht kann bei einer Infektion mit dem Coronavirus eine Rolle spielen. Studien zufolge stecken sich Frauen weniger häufig an als Männer. Das liegt daran, das die Immunantwort bei Frauen generell etwas besser ausfällt als bei Männern. Das sei allerdings abhängig vom Hormonstatus, der periodisch wechselt, so Andreas Dotzauer. Frauen seien während der Periode anfälliger, meint er. Epidemiologie Hajo Zeeb fügt hinzu: "Hormone sind schon wichtig bei der Immunantwort. Es ist aber nicht so, dass die Immunantwort während der Periode völlig Brach liegt, auch wenn sie kurzzeitig verschoben und schwächer ist. Und trotzdem haben viele Frauen eine sehr gute und ausreichende Immunantwort in der Zeit", so Hajo Zeeb.

6 Virusmenge

Ob man sich von einer infizierten Person ansteckt oder nicht, hängt auch davon ab, welche Virusmenge eine infizierte Person abgibt. Am Anfang einer Erkrankung kann die Virusmenge im Rachen oder in der Nase recht hoch sein. Auch Menschen, die keine Symptome haben, können hohe Virusmengen in sich tragen und stark infektiös sein. Die Virusmenge kann über einen PCR-Test herausgefunden werden. "Es kommt schon sehr auf die Virusmenge an. Je konzentrierter, desto höher ist die Chance, dass man sich ansteckt beziehungsweise die Infektion verbreitet. Je höher die Konzentration, desto schwerer auch der Verlauf", sagt Hajo Zeeb.

7 Tageszeit

Außerdem hängt es unter anderem auch von der Tageszeit ab, ob man sich mit dem Coronavirus ansteckt oder nicht. Am Morgen und Vormittag ist die Wahrscheinlichkeit sich mit dem Virus zu infizieren geringer als im weiteren Verlauf des Tages, weil der Körper und somit das Immunsystem sich in der Nacht regenerieren konnten.

Generell aber kann bei der Infektion mit Krankheiten auch das persönliche Verhalten dazu beitragen, dass man sich weniger gut ansteckt. Einige Menschen haben Corona nicht bekommen, weil sie vorsichtig waren und die AHA-Regeln eingehalten haben: Hände waschen, Abstand halten und Maske tragen. "Das sind wohl dann auch die Maßnahmen, die am besten schützen vor einer Infektion mit dem Virus", meint der Virologe Andreas Dotzauer. Epidemiologe Hajo Zeeb fügt hinzu: "Gute Maske richtig getragen, ist von allen Sachen, die wir so haben, das Beste. Denn wenn man Abstand so definiert, dass man sagt, ich treffe niemanden und gehe nicht mehr raus, dann ist das auch recht sicher, ist aber für uns Menschen als Sozialwesen dauerhaft keine Art von Leben."

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Necla Süre