Interview

So können Eltern ihre Kinder vor gefährlichen TikTok-Trends schützen

Medienpädagoge erklärt: So schützt man Jugendliche vor dem Internet

Bild: dpa | Monika Skolimowska

Von "Hot-Chip" zur "Deo-Challenge": Ein Bremer Medienpädagoge erklärt, wie Eltern mit ihren Kindern über gefährliche Mutproben reden sollten.

Markus Gerstmann arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Medienpädagoge. Er ist vor allem auf auf die Arbeit mit Jugendlichen und Kindern spezialisiert und hat hilfreiche Tipps.

Herr Gerstmann, Mutproben gab es ja schon immer. Aber sind die durch eine Technologie wie die soziale Plattform TikTok extremer geworden?

Natürlich ist es faszinierend, wie schnell man an diese Informationen herankommt und sieht, welche Challenges gerade angesagt sind. Man macht das, um auf der "coolen Seite des Internets" zu sein. Das ist dann dieses Bedürfnis von jungen Menschen, die dabei sein wollen, etwas ausprobieren möchten und Risiken eingehen. Das gehört alles zur jugendlichen Mediennutzung dazu – und zur Pubertät eben auch.

Der Medienpädagoge Markus Gerstmann im Studio von buten un binnen.
Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Markus Gerstmann als Medienpädagoge. Bild: Radio Bremen

Dann ist da aber natürlich die Gegenseite, dass wir natürlich Eltern und Lehrkräfte haben, die sich Sorgen machen, die Kinder schützen wollen und in den Dialog mit Jugendlichen gehen müssen.

Verschärft das Smartphone den Drang, eine Mutprobe machen zu wollen?

Es wird auf jeden Fall alles viel schneller und alle kriegen die Mutproben sofort aufs Handy, weil ja viele Jugendliche TikTok haben. Das ist ihre Informationsquelle, die sie eben im Bus, zuhause oder in der Schule benutzen. Dann haben sie die Idee und sagen: "Hey Kumpel, machen wir mal das eben?“ Oft fehlt in dem Alter die Reflektion, deshalb ist es wichtig, dass sie Erwachsene haben, mit denen sie darüber reden können.

Aber wenn die Kinder und Jugendlichen das im Bus, Schulhof oder wo auch immer machen, sitzt ja kein Erwachsener daneben. Was kann ich als Elternteil tun, um mein Kind zu schützen?

Wir müssen reden, reden und reden mit den Kindern. Wir müssen ihnen solche Beispiele zeigen, was passieren kann. Wir müssen uns informieren. Dadurch werden Eltern Medienkompetenzen vermittelt.

Sowas ist total wichtig und da müssen wir einfach Geduld haben. Immer wieder auf alles hinweisen, auch wenn die Kinder sagen: "Ey Mama, Papa, ich habe da kein Bock drauf, das habe ich schon alles gehört." Trotzdem müssen wir ihnen diese Lebenskompetenz vermitteln.

"Mach nicht alles, was alle anderen tun." Auch ein Satz, den wir schon alle schon mal von unseren eigenen Eltern gehört haben.

Medienpädagoge, Markus Gerstmann

Würden Sie dazu raten, dass man beim Abendbrot anspricht, was in den sozialen Medien so los ist? Oder würden sie sagen, dass es Anlass bezogen sein sollte?

Ich finde, dass man das nicht immer bei einem Anlass ansprechen soll. Sondern dass man immer wieder mit Kindern darüber redet, wie eine gute Mediennutzung funktioniert. "Erzähle mir aus dieser Welt, erzähle mir, was du erlebt hast. Ich bin interessiert an diesen Sachen. Ich freue mich, wenn ihr etwas erzählt und ich weiß das ja nicht, also bin ich daher neugierig an deinem Leben."

Wenn wir das schaffen, im Dialog zu bleiben, dann haben wir schon viel geschafft.

Medienpädagoge, Markus Gerstmann
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Wie weit darf die Neugier der Eltern gehen?

Die Grenze liegt in der Pubertät, in der auch Geheimnisse dazugehören. Kinder wollen nicht, dass die Eltern wissen, dass man in eine Person verliebt ist. Schnüffeln ist nicht angesagt, sondern Vertrauen und Kompetenz ausbauen.

Diese Kompetenz muss man dann als Elternteil erstmal selber haben. Würden Sie dazu raten, dass man sich TikTok auch selber runterlädt?

Man muss es ja nicht herunterladen. Man kann auch im Internet auf die Seite von TikTok gehen und sich ein paar Videos angucken, damit man ein paar Ideen hat. Danach sollte man immer mal wieder neugierig sein, und beispielsweise verfolgen, was in den Medien berichtet wird über die jugendliche Medienwelt, um da dann Ansprechpartner zu sein.

Müssen Schule und Eltern dafür zusammenarbeiten?

Viele Schulen engagieren sich da bereits seit Jahren. Da hilft es aber auch so ein Eltern-Café oder Elternabend zur Medienkompetenz zu veranstalten. Oder einfach auch mal so eine Art "Kneipenabend", bei dem Eltern sich treffen und darüber sprechen: "Was macht eigentlich dein Kind? Ich habe von meinem Kind gehört..", damit wir im Dialog bleiben.

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Autor

  • Moderator Janos Kereszti
    János Kereszti Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen regionalmagazin, 28. September 2023, 19:30 Uhr