Fragen & Antworten

Bremer Spieletage: Was macht ein modernes Brettspiel aus?

Eine Gruppe an Spielern bei einem Treffen

Was für Spiele gibt es auf den Bremer Spieletagen?

Bild: Imago / Funke Foto Services

An diesem Wochenende trifft sich die Spiele-Branche in der Bremer Volkshochschule. Für Laien stellt sich aber die Frage: Wie findet man das passende Spiel für den nächsten Spieleabend?

Die Bremer Volkshochschule wird mal wieder zum Spieleparadies: Dort steigen am Wochenende die 14. Bremer Spieletage, erwartet werden mehr als 4.000 Besucherinnen und Besucher, unter anderem Bürgermeister Andreas Bovenschulte. "Die Vielfalt der Aussteller ist einzigartig in Norddeutschland", sagt auch Andreas Ebert. Er ist Fachbereichsleiter für Gesellschaft, Politik und Umwelt an der Volkshochschule, organisiert das Event seit der ersten Ausgabe 2007 – und weiß, genau wie die anwesenden Spieleautoren, was ein gutes Spiel ausmacht.

Wie haben sich Spiele in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert?

"Es gibt altbekannte Spiele wie Monopoly, wo die Runden immer sehr ähnlich ablaufen. In den letzten Jahren ist es abwechslungsreicher geworden, als immer nur nacheinander zu würfeln oder Karten auszuspielen", sagt Ebert. Außerdem sei die Ansprache durch das Material und die Grafik heute deutlich besser als früher. Moderne Spiele würden zusätzlich viel häufiger Themen aufgreifen, die die Gesellschaft bewegen: "In einem aktuellen Spiel wird beispielsweise die Geschichte der Weimarer Republik nachgespielt", sagt der Organisator der Messe. Andere behandeln wiederum Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Insgesamt bilanziert er: "Die Spielebranche ist riesig geworden. Vor etwa 15 Jahren ist das Angebot explodiert, jährlich erscheinen über 1.000 neue Spiele." Das bilde auch die Vielfalt derjenigen ab, die Spiele spielen. Von Kennerspiel mit großer Spieltiefe bis zum Kinderspiel mit ganz einfachem Spielprinzip sei alles vertreten.

Welche neuen Arten von Spielen haben sich durchgesetzt?

Der Spieleentwickler Lukas Zach hält sein Spiel "Dorfromantik" in den Händen
Der Bremer Spieleentwickler Lukas Zach hat für sein Spiel "Dorfromantik" im letzten Jahr den Titel des Spiels des Jahres eingeheimst. Bild: Radio Bremen / Kristian Klooß

"Seit fünf oder sechs Jahren gibt es immer mehr kooperative Spiele. Man versucht also gemeinsam Lösung für Probleme zu finden und hat dadurch ein ganz anderes Gruppenerlebnis", sagt Ebert. Das Spiel "Dorfromantik", mit dem der Bremer Lukas Zach den Titel Spiel des Jahres 2023 einheimste, sei ein solches Spiel: "Es ist ein kooperatives Legespiel, das sich von Partie zu Partie weiterentwickelt. So ist jede Runde anders und es wird immer herausfordernder", sagt Zach.

Ein weiteres Genre, das immer größeren Zulauf erlebt, sind die Rollenspiele. Bei Pen-and-Paper-Rollenspielen schlüpfen die Spielenden in die Rolle von Charakteren in einer fiktiven Welt und erleben gemeinsam eine Geschichte, die von einer Spielleitung erzählt wird. Alles, was man dafür braucht, ist ein Stift und Papier für den eigenen Charakter. "Wir haben auf den Spieletagen gleich zwei Räume, wo man direkt an Rollenspielrunden teilnehmen kann", sagt Ebert.

Anders als bei Pen-and-Paper-Rollenspielen braucht man für Live-Active-Roleplay, kurz einfach LARP genannt, mehr als nur Stift und Papier. Die Rollenspieler kleiden sich entsprechend ihrer Rolle und simulieren ein gemeinsames Leben. Kostüme und Schauspiel stehen bei dieser Art von Rollenspiel besonders im Vordergrund. "Wir haben zum ersten Mal LARP-Gruppen da, die ihr Hobby vorstellen und erklären werden", sagt der Organisator.

Was macht nun ein Spiel zu einem guten Spiel?

"Das hängt natürlich davon ab, wer es spielt und was man von dem Spielerlebnis haben möchte", sagt Ebert. "Wenn der Erfolg vom Glück abhängt, sagen die Strategen, dass es keinen Spaß macht und wenn es zu komplex wird, sagen andere, dass es zu schwer ist." Trotz aller Unterschiede gebe es aber ein paar Merkmale, an denen man schon ein gutes Spiel von einem schlechten unterscheiden könne: "Die Regeln sollten nicht zu kompliziert sein und es sollte nicht schon nach einer Viertelstunde klar sein, wer gewinnt. Gut ist es auch, wenn Spiele so konzipiert werden, dass beispielsweise durch eine Punktwertung oder verdeckte Aufträge erst in der letzten Runde klar wird, wer gewinnt", sagt er.

"Die Königsdisziplin ist es, wenn man ein Spiel mit sehr einfachen Regeln und trotzdem großer Spieltiefe hat. So holt man einen Gelegenheitsspieler genauso ab wie einen Expertenspieler. Solche Spiele sind allerdings sehr selten", sagt Spieleautor Zach. "Generell sind Spiele mittlerweile erfolgreicher, die einen guten Spieleinstieg ermöglichen. Die Erklärung ist am besten so ins Spiel eingewoben, dass man gar nicht merkt, dass man das Spiel gerade lernt."

Und wie ist die Situation für Spieleentwickler derzeit?

"Fast alle Autoren haben noch einen weiteren Beruf, es gibt nur wenige, die davon leben können", sagt Zach, der seit 20 Jahren Spieleentwickler ist und zusätzlich noch als Gamedesigner für Videospiele arbeitet. "Das hat einfach damit zu tun, dass die Beteiligung am Gewinn deutlich kleiner ist, als beispielsweise bei Buchautoren."

Durch die Auszeichnung zum Spiel des Jahres gehen die Verkäufe von Spielen zwar in der Regel deutlich nach oben. Aber ob die Einkünfte dann auch so bleiben, könne man eben nicht sagen: "Im nächsten Jahr gibt es ja wieder ein neues Spiel des Jahres." Trotzdem lohnt sich das Entwickeln für Zach: "Die Community ist total kameradschaftlich, hilfsbereit und freundlich und alle sind per Du. Es ist einfach schön, dass sich alle Tipps geben und man die Perspektive der anderen Autoren hören kann."

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  • "Mehr als nur Monopoly": So erfinden diese Bremer Gesellschaftsspiele

    Rund 80 Spiele hat Friedemann Friese entwickelt – und der studierte Mathematiker hat immer wieder neue Ideen. Mal geht es um Kohle und Öl, mal um einen berühmten Bremer Stadtteil.

Autor

  • Lukas Scharfenberger

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Kommt rum, 9. März 2024, 11:15 Uhr