Russische Oligarchen-Jacht soll am Donnerstagmorgen Bremen erreichen

Die Luxusyacht "Dilbar" liegt in einer Werft in Hamburg.

Festgesetzte russische Jacht "Dilbar" ist auf dem Weg nach Bremen

Bild: DPA | Christian Charisius
  • Festgesetzte Oligarchen-Jacht wird nach Bremen geschleppt
  • Jacht war wegen der russischen Invasion in die Ukraine festgesetzt worden
  • Ankunft in Bremen voraussichtlich erst am frühen Donnerstagmorgen

Die wegen EU-Sanktionen in Hamburg festgesetzte Luxusjacht "Dilbar" wird voraussichtlich erst am frühen Donnerstagmorgen Bremen und die Lürssen-Werft in Vegesack erreichen. Das 156 Meter lange Schiff darf nicht aus eigenem Antrieb fahren und wird von zwei Schleppern gezogen. Der Transport begann in der vergangenen Nacht.

Laut Lürssen wird das eigene Dock "Elbe 17", in dem das Schiff monatelang gelegen hatte, dringend für andere Projekte benötigt. Deshalb müsse es zeitnah wieder verfügbar gemacht werden. Eigentlich darf das Schiff nicht bewegt werden. Ein Sprecherin von Lürssen teilte buten un binnen auf Anfrage mit: "Diese Verlegung ist vollständig im Einklang mit europäischem Sanktionsrecht und wir arbeiten weiterhin eng mit den zuständigen Behörden zusammen."

Jacht gehört Schwester eines Putin-treuen Oligarchen

Die Luxusjacht Dilbar wird von Schleppern aus dem gefluteten Trockendock der Werft Blohm + Voss auf die Elbe vor den Landungsbrücken gezogen.
In der Nacht zu Mittwoch wurde die "Dilbar" aus dem Trockendock in Hamburg gezogen. Bild: DPA | Jonas Walzberg

Die 156 Meter lange Luxusjacht war im April auf Basis der EU-Sanktionen wegen des Einmarschs russischer Truppen in die Ukraine festgesetzt worden. Die mit mehr als 500 Millionen Euro angeblich teuerste Luxusjacht der Welt wurde mit einem Verfügungsverbot belegt und darf damit "nicht mehr veräußert, vermietet oder belastet werden", wie ein Sprecher des Bundeskriminalamts (BKA) damals sagte. Bei der Eignerin handele es sich um die Schwester des kremltreuen Oligarchen Alischer Usmanow.

Villa von Oligarch durchsucht

Usmanov wird aktuell verdächtigt, gegen die EU-Sanktionen, die nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine gegen kremlnahe Oligarchen verhängt worden waren, verstoßen zu haben. Laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt ist Usmanov russischer Staatsbürger. Sein Anwesen in Rottach-Egern – die Frankfurter Strafverfolger sprechen von zwei Wohnsitzen – und weitere Usmanow zugerechnete Häuser am Tegernsee wurden von einer Sicherheitsfirma bewacht. Damit habe der Beschuldigte dagegen verstoßen, dass seine Gelder in Deutschland eingefroren sind.

Laut der Münchner Staatsanwaltschaft wurden im Zuge der Ermittlungen gegen Usmanov dessen Villa am Tegernsee und weitere 23 Objekte in Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg durchsucht.

Bund friert Milliarden-Werte von Russen ein

Laut dem Magazin "Spiegel" hat die Bundesregierung bis Mitte September Vermögenswerte von russischen Staatsbürgern in Deutschland von mindestens 4,88 Milliarden Euro eingefroren. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf ein Dokument aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Usmanow hat mit einem Firmenimperium vor allem im in der Metall- und Stahlindustrie ein Vermögen gemacht. 2018 hat er seinen Anteil am englischen Fußballclub Arsenal London für rund 600 Millionen Euro verkauft. Nach Recherchen des Bayerischen und Mitteldeutschen Rundfunks haben die deutschen Behörden Usmanow im Visier, weil er sich offenbar seit 2016 regelmäßig über längere Zeit in seinem Haus in Rottach-Egern aufgehalten hat und damit in Deutschland steuerpflichtig gewesen sein könnte.

Beschlagnahmte Oligarchen-Jacht "Dilbar" unterwegs nach Bremen

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 21. September 2022, 7:30 Uhr