Fragen & Antworten

Warum die Bremer Feuerwehr so oft brennenden Müll löschen muss

Feuer auf der Mülldeponie Grauer Wall in Bremerhaven
Die Feuerwehr Bremerhaven löscht die brennende Mülldeponie Grauer Wall in Bremerhaven.
Bild: Feuerwehr Bremerhaven

Immer wieder muss die Bremer Feuerwehr zu Einsätzen in Recyclingbetrieben gerufen werden. Was steckt hinter den regelmäßigen Feuern?

Eine dicke schwarze Rauchsäule über den Industriehäfen, kilometerweit zu sehen – Grund dafür war ein Brand in einem Recyclingbetrieb. Schon wieder? Fast regelmäßig scheint die Feuerwehr in Recyclingbetrieben zum Einsatz zu kommen.

Müsste in solchen Firmen nicht durch ausreichende Brandschutzsicherung so ein Brand verhindert werden können? Wir haben bei der Feuerwehr Bremen und dem Recyclingunternehmen Nehlsen AG nachgefragt, warum es immer wieder zu solchen Bränden kommt.

Wie oft brennt es in Bremer Recyclingbetrieben?
Bei den Meldungen, die die Öffentlichkeit mitbekommt, handelt es sich meist um Großeinsätze. Tatsächlich brennt es aber noch viel häufiger in Recyclingbetrieben. Laut Feuerwehr Bremen komme es regelmäßig zu Einsätzen, bei denen höchstens ein Löschzug gebraucht werde. Aber auch Großeinsätze gebe es immer mal wieder. Zu den betroffenen Betrieben zählt auch die Firma Nehlsen. Sie ist einer der größten Recyclingbetriebe in Bremen. Laut Pressesprecherin ist es in diesem Jahr bereits zu sechs Einsätzen der Feuerwehr gekommen. Zum Glück sind ihrer Aussage nach bei diesen Bränden keine Menschen zu Schaden gekommen. Auch größere Sachschäden konnten vermieden werden.
Warum brennt es dort so häufig?
Gerade auf den Recyclinghöfen der Firma Nehlsen in Bremen befinden sich große Mengen an brennbaren Materialien. Kleinere Selbstentzündungen seien keine Seltenheit. "Wenn brennbares Material lange auf einem Haufen liegt, kann Hitze entstehen. Material wie Holz kann sich dann leicht entzünden", erklärt die Pressesprecherin Marcia Kantoks von der Nehlsen AG. Auch die Feuerwehr Bremen erklärt: "Starke Sonneneinstrahlung oder Hitze können bei unterschiedlichen und auch feuchten Materialien zu Selbstentzündungen führen. Bevor ein kleiner Brandherd dann erkannt werden kann, breiten sich die Flammen rasant auf das zusammengelagerte brennbare Material aus. Dieses tritt im Außenbereich häufiger auf als in Lagerhallen." In den Lagerhallen gebe es oft Rauchmelder, im Freien natürlich nicht.

Ein besonders großes Problem sei aber die "Fehlbefüllung". Der Prozess des Recycling in den Anlagen ist komplexer, als man denkt, und mit den unterschiedlichen Materialien muss unterschiedlich umgegangen werden – deshalb trennen wir ja Müll. Wenn zum Beispiel Batterien in den Restmüll geworfen würden, der dann gepresst wird, kann die leicht entzündliche Flüssigkeit austreten und schnell Brände verursachen. "Durch diese falschen Befüllungen kommt es zum Beispiel auch immer wieder zu Bränden in unseren Fahrzeugen. Hier wird das Material auch gepresst", so Marcia Kantoks von der Nehlsen AG.
Spielt Brandstiftung eine Rolle?
Tatsächlich habe es bei der Firma Nehlsen bereits Fälle gegeben, bei der der Brand durch einen Menschen verursacht wurde, wie sich durch Untersuchungen herausstellte. "Wir können aber nicht genau sagen, ob das Feuer wirklich böswillig gelegt wurde oder einfach ausversehen mal eine Zigarette über den Zaun geschmissen wurde." Das Motiv ist also, wenn überhaupt eines vorhanden war, unklar. Zur Abschreckung und Kontrolle hat das Unternehmen nun an bestimmten Stellen Überwachungskameras installiert.
Warum sind die Brände ein Problem?
Es braucht keine große Fantasie, um sich vorzustellen, dass brennender Kunststoff, wie zuletzt, eine Belastung für die Luft und damit auch uns Menschen darstellt. Aber auch die Personen, die in den Recyclingbetrieben arbeiten, sind immer wieder der Gefahr ausgesetzt. "Wir nehmen große Summen in die Hand, um Brandschutz zu gewährleisten. Der Personenschutz steht hier an erster Stelle", erklärt Kantoks. Für den Betrieb selbst fehle es durch die Feuer außerdem an dem verwertbaren Material. "Es gehen bei diesen Bränden viele Ressourcen verloren, die wir eigentlich recyceln sollen. Das wollen wir natürlich verhindern."
Wie können die Brände verhindert werden?
Dass kleinere Brände entstehen, lasse sich bei einem Recyclingbetrieb kaum verhindern. Um diese aber schnell zu erkennen und löschen zu können, helfen verschiedene Formen des Brandschutzes. Brandmeldetechniken, die beispielsweise Hitzeentwicklung bemerken und dann Alarm auslösen oder diverse Löschanlagen – laut Pressesprecherin Kantoks habe die Firma Nehlsen viel in den Brandschutz investiert. Die Feuerwehr Bremen berichtet: "Die Recycling- und Entsorgungsbetriebe haben auch in Absprache mit dem Vorbeugenden Brandschutz der Feuerwehr Bremen ihre Anlage in Puncto Brandprävention aufgerüstet." Die neuen Anlagen seien auch entsprechend darauf konzipiert. In der Brandfrüherkennung und mit automatischen Feuerlöschanlagen habe sich sehr viel getan. "Aber dennoch sind Brände in diesen Betrieben nie zu 100 Prozent zu verhindern", erklärt ein Feuerwehrsprecher. Kantoks appelliert daher sehr an die Bremer Bevölkerung: "Es muss darauf geachtet werden, dass die Fehlbefüllungen wirklich bei Null liegen. Jeder kann dazu beitragen, dass die Materialien wirklich nur in den Anlagen entsorgt werden, die für sie bereit stehen."

Rauchsäule über den Industriehäfen: Brand in Bremer Recyclingbetrieb

Bild: Radio Bremen | Hauke Hirsinger

Mehr zu den Bränden auf den Recyclingbetrieben:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 20. Mai 2022, 8 Uhr