Galopprennbahn: Bremer Rennverein will wieder mitmischen

Wie es mit der Galopprennbahn weitergeht, ist noch unklar. Der Bremer Rennverein möchte weiterhin Renntage veranstalten – und fühlt sich von der Politik ignoriert.

Pferde und Jockeys beim Derby auf der Galopprennbahn Bremen-Vahr (Archivfoto).
Auf der Bremer Galopprennbahn sind bis zu ihrer Schließung im Jahr 2018 Pferderennen veranstaltet worden. Bild: Imago | Galoppfoto

Inklusives Golf, Musik-Festivals, Sportanlagen, Flohmärkte oder auch ein Winterzirkus: Seit dem Referendum im Mai hat es viele, verschiedene Ideen für eine Nutzung der Bremer Rennbahn gegeben. Konkret ist bislang noch nichts, der Entscheidungsprozess wird offenbar noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zwölf Vorschläge für eine Zwischennutzung sind bisher eingegangen, wie die Wirtschaftsförderung Bremen bestätigte.

Rennverein möchte ins Gespräch kommen

Jetzt meldet sich auch der Bremer Rennverein zu Wort – und kritisiert die Bremer Politik. "Wir haben bei der neuen Stadtentwicklungssenatorin, Maike Schaefer, einen Termin erbeten. Wir haben ihn aber nicht bekommen", beschwert sich Vorstandsmitglied Frank Lenk. Auch bei den Sitzungen über die Zukunft der Rennbahn würde der Verein keine Rolle spielen. Doch der Leiter des Büros von Maike Schaefer (Grüne), Frank Steffe, dementiert auf Nachfrage, dass ein Gespräch angefragt worden sei: "Uns ist keine Gesprächsanfrage bekannt."

Alle sind gerade im Gespräch, aber mit uns spricht keiner. Das finden wir schade. Wir sind schließlich die Letzten, die die Rennbahn benutzt haben.

Frank Lenk, Vorstand Bremer Rennverein
Die Bremer Galopprennbahn aus der Luft aufgenommen.
30 Hektar und viele Möglichkeiten: Noch ist unklar, was mit der Galopprennbahn passieren soll.

Der Verein teilt mit, er möchte weiterhin Renntage auf dem Gelände organisieren. Jedoch so, dass andere parallele Nutzungen nicht ausgeschlossen werden. "Veranstaltungen, die dem neuen Nutzungskonzept gerecht werden", erläutert Lenk. "Wir könnten zum Beispiel drei Rennen im Jahr organisieren." Doch konkret sei der Vorschlag noch nicht. Man möchte zunächst mit den verschiedenen Akteuren ins Gespräch kommen.

Senatorin Schaefer hatte kürzlich einen Runden Tisch angekündigt, der über die verschiedenen Ideen für die künftige Nutzung des Geländes beraten soll und eventuell eigene Konzepte entwickeln könnte. "Wir wissen nicht mal, ob es einen Runden Tisch überhaupt gibt", sagt Lenk dazu. Und tatsächlich gibt es den Runden Tisch noch nicht. Zunächst stünden Diskussionen mit Beiräten, Regionalausschüssen und Bürgerinitiativen an, sagt Steffe. "Wir gehen davon aus, dass wir vielleicht Ende Januar 2020 einladen können."

Zukunft des Vereins unklar

Ende 2016 hatte die Stadt den Pachtvertrag mit dem Rennverein vorzeitig gekündigt, das letzte Pferderennen wurde auf der Rennbahn im Frühjahr 2018 veranstaltet. Über die Zukunft des 30-Hektar-Areals in Bremen-Hemelingen, an der Grenze zur Vahr, wird seitdem heiß diskutiert. Mit einem Volksentscheid im Mai 2019 wurde eine Bebauung, die von den jetzigen Koalitionsparteien befürwortet worden war, von den Bremern mit einer knappen Mehrheit abgelehnt.

Wie es mit dem Rennverein weitergeht, ist ebenfalls noch unklar. In Bremen gäbe es nur die eine Rennbahn, ob er Rennen im Umland veranstalten könne sei noch nicht absehbar, sagt Lenk. "Momentan haben wir nichts organisiert, wir würden gern in Bremen wieder was machen."

Wir sind kein elitärer Haufen. Wir sind ein offenes Haus.

Frank Lenk, Vorstand Bremer Rennverein
Eine junge Frau auf einem Pferd.
Die "Galopprennbahn in der Vahr" wurde im Jahr 1907 eingeweiht.

Der Pferderennsport hat in Deutschland eine lange Tradition, erntet aber auch zunehmend Kritik. Tierschutzvereine wie Peta beklagen den Stress der Tiere, die sich immer wieder verletzten, erkrankten oder eingeschläfert werden müssten. "Die Diskussion hört man immer wieder. Hier prallen zwei unterschiedliche Positionen aufeinander. Die Tierzüchter sagen: 'Wir lieben und pflegen unsere Tiere.' Die Tierschützer sagen: 'Die Tiere sind gestresst.' Wir sehen das anders, sind aber offen für Gespräche und können uns gern mit eventuellen Kritikpunkten auseinandersetzen", weist Lenk die Vorwürfe zurück.

Nutzen zukünftig vier Sportvereine als Gemeinschaft die Rennbahn?

Video vom 29. Oktober 2019
Zu sehen ist das Rennbahngelände von oben.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. Dezember 2019, 23:30 Uhr