Interview

Bremer CDU-Politikerin Winter macht sich für Klimaschutz stark

Die Bremer CDU-Politikerin Wiebke Winter hat zusammen mit anderen die "Klima-Union" gegründet. Was sie damit erreichen möchte, erzählt sie im Interview mit buten un binnen.

Wiebke Winter steht vor einem Baum im Park.
Wiebke Winter will mit einem neuen Verein die Klimapolitik von CDU und CSU beeinflussen. Bild: Radio Bremen

Das jüngste Mitglied im CDU-Bundesvorstand, die Bremer Deputierte Wiebke Winter, hat zusammen mit anderen Parteimitgliedern einen Verein für Klimaschutz gegründet. Die "Klima-Union" könnte in Zukunft eine Bundesvereinigung der CDU werden, wenn es nach den Wünschen ihrer Organisatoren geht. Zu den Gründungsmitgliedern gehören nicht nur Politiker und Politikerinnen, sondern auch Unternehmer, Physiker, Fahrradlobbyisten und Klimawendeberater – eine heterogene Basis. Doch was haben sie konkret vor? Und was unterscheidet die Klima-Union von anderen Klimaschutzvereinen? buten un binnen hat mit Wiebke Winter darüber gesprochen.

Frau Winter, wieso haben Sie die Klima-Union gegründet?
Ich möchte, dass die CDU eine ehrgeizigere Klimapolitik auf Bundesebene vertritt. Das heißt für mich: keine höhere Erderwärmung als 1,5 Grad, und das bis spätestens 2040. Dafür möchte ich mich einsetzen. Die Klima-Union bietet dafür eine Plattform innerhalb der CDU.
Ist so ein Thema bei der CDU nicht ungewöhnlich?
Wieso? Ich glaube, dass der Klimawandel ein wichtiges Thema ist, dem müssen wir uns stellen. Wir brauchen da eine eigene Linie. Von daher sollte sich auch die CDU damit noch stärker befassen. Bis jetzt habe ich sehr viel Neugier mitbekommen.
Haben Sie keine Angst, Wähler damit zu verprellen?
Als Politikerin ist es meine Aufgabe, meine Meinung zu sagen. Und meine Meinung ist, dass wir den Klimawandel stoppen müssen. Ich freue mich über einen Diskurs, wie wir das schaffen können. Mir geht es nicht darum, Menschen das Fleischessen oder das Autofahren zu verbieten. Mir geht es darum, dass wir die größte Katastrophe des Jahrhunderts abwenden können.
Gibt es da nicht einen Interessenkonflikt, zwischen Klimaschutz und Industrie?
Überhaupt nicht. Wenn wir nicht die Wirtschafts- und Industriepolitik in Deutschland mitnehmen, dann verlieren wir unsere Kernkompetenzen und -stärke. Der Mittelstand ist die Herzkammer Deutschlands. Wir brauchen sie, um Innovationen zu schaffen und auch um Steuergelder einzunehmen, die wir dann brauchen, um das Ganze zu finanzieren.
Wollen Sie sich damit den Grünen nähern?
Mir geht es vor allem darum, dass die Linie der CDU auf 1,5-Grad und auf Klimaneutralität in den nächsten zehn bis 20 Jahren ausgerichtet ist. Was andere Parteien machen, ist mir nicht ganz so wichtig. Ich freue mich, wenn wir mit den Grünen ähnliche Ziele verfolgen, aber wie wir das Ziel erreichen wollen, da haben wir sicherlich unterschiedliche Ansichten.
Sind Sie vielleicht so was wie die "Fridays for Future" der CDU?
Fridays for Future setzt sich ebenfalls für ehrgeizigere Klimaziele ein. Allerdings distanziere ich mich ganz, ganz klar von der Kapitalismuskritik, die Fridays for Future anbringt. Ich weiß nicht, warum man diese beiden Themen vermischen muss.
Was sind die konkreten Ziele, die Sie mit der Klima-Union verfolgen wollen – außer dem bereits erwähnten 1,5-Grad-Ziel?
Wir wollen bis 2040 allerspätestens klimaneutral werden, und dafür brauchen wir meiner Meinung nach eine Offensive beim Ausbau der erneuerbaren Energien und beim Stromnetzausbau.
Und was das Bundesland Bremen betrifft?
Ich würde mich freuen, wenn wir in Bremerhaven das Lune-Delta-Gebiet nutzen würden, um Wasserstofftechnologien weiter auszubauen. Und wenn wir uns beim Thema Offshore noch mehr engagieren.
Haben Sie das Thema gewählt, weil Sie gesehen haben, dass es gerade gut ankommt, oder ist es eine Herzensangelegenheit?
Nein, ich war schon mit 13 auf meiner ersten Demonstration, damals gegen Atomkraft. Ich mache das mit Leidenschaft und schon sehr, sehr lange.

Rückblick: Interview mit Wiebke Winter

Video vom 13. Februar 2021
Wiebke Winter, Landesvorsitzende der Jungen Union und Moderator Felix Krömer sitzen sich gegenüber
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Uwe Wichert Redakteur und Autor
  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. April 2021, 19:30 Uhr