So sollten Bremer mit Maskenverweigerern umgehen

Der Umgang mit Menschen, die aus Prinzip keinen Mundschutz tragen wollen, ist kompliziert und mitunter gefährlich. So geht die BSAG damit um – und das raten Psychologen.

Eine Frau mit einer Schutzmaske steht in einer Bremer Straßenbahn.
So ist es verordnet: Eine Bremerin steht mit einer Maske in einer Bremer Straßenbahn. Bild: DPA | Sina Schuldt

Wie hältst du es mit der Maske? Für die meisten Bremerinnen und Bremer stellt sich diese Frage im Supermarkt oder in der Straßenbahn nicht. Sie tragen das Stück Stoff einfach. Einige haben genau damit aber ein Problem. Sie wollen vom Maskentragen nichts wissen.

Nicht immer endet dann der Hinweis, doch bitte den Mund- und Nasenschutz zu tragen, einvernehmlich. In Oldenburg schlugen Anfang der Woche zwei Männer auf einen Busfahrer ein, der sie mehrfach auf die Maskenpflicht hingewiesen und schließlich die Polizei verständigt hatte. In Südfrankreich war Anfang des Monats sogar ein Busfahrer durch die Attacken mehrerer Maskenverweigerer verstorben.

Streitigkeiten in Bremer Bahnen die Ausnahme

"Traurige und dramatische Fälle wie diese gibt es bei uns zum Glück nicht", sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Auch Streitigkeiten zwischen Fahrgästen wegen der Maskenpflicht seien in Bremer Bussen und Bahnen die Ausnahme, kämen aber vor. "Eskalieren diese Fälle, wird über die Leitstelle die Polizei gerufen", sagt Holling.

Die Fahrer und Kontrolleure würden zwar angehalten, mit Augenmaß zu reagieren. "Die Kontrolle der Maskenpflicht aber liegt bei den zuständigen Ordnungsbehörden und nicht bei uns", sagt Holling. Darüber hinaus sei eine Kontrolle des Verhaltens von Fahrgästen für Fahrerinnen und Fahrer einer fast 36 Meter langen Straßenbahn nahezu unmöglich.

Ordnungsamt kontrolliert Maskenpflicht

Um Verstöße gegen die seit Ende April geltende Maskenverordnung zu unterbinden, führt die BSAG gemeinsam mit dem Ordnungsamt Kontrollen in Bussen und Bahnen durch, sagt Holling. Dabei trugen zum Beispiel am Montag in vier Stunden vier Fahrgäste keine Maske, sagt der BSAG-Sprecher. "Drei haben diese nach einem Hinweis durch das Ordnungsamtspersonal aufgesetzt, einem Fahrgast haben unsere Kolleginnen und Kollegen eine Maske ausgehändigt."

Fahrgästen empfiehlt Holling, einen Streit mit Maskenverweigerern im Bus oder der Straßenbahn zu vermeiden.

"Mit einem handfesten Streit im Fahrzeug ist niemandem geholfen – und niemand wird dadurch besser geschützt."

BSAG-Sprecher Andreas Holling

Das sehen auch Experten so, die für das Phänomen der Maskenverweigerer verschiedene Gründe nennen.

"Die Maskenpflicht ist unbequem und einigen ist der Sinn offenbar nicht verständlich", sagt Amelie Thobaben, Bremer Landesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Medial gebe es sehr präsente, laute Gruppen, die das Corona-Virus und das Recht des Staates eine Maskenpflicht zu verordnen, infragestellten. "Wem es also lästig ist, sich an die Maskenpflicht zu halten, der findet geeignete Vorbilder, um sich mit seiner Verweigerung im Recht zu fühlen", sagt Thobaben. Viele reagierten dann patzig, verbal ausfällig oder trügen ihre Maske demonstrativ unterm Kinn.

Ein Verhalten, dass dem Bremer Rechtspsychologen Dietmar Heubrock zufolge auch als "Reaktanz" bezeichnet werde. "Dieses Phänomen tritt auf, wenn man Menschen bestimmte Freiheiten wegnimmt." Diese weggenommene Freiheit werde dann subjektiv als besonders wichtig empfunden, selbst wenn der Eingriff objektiv gesehen gar nicht so groß sei. Dies sei mit einem Kind vergleichbar, das lange nicht mit einem Spielzeug gespielt habe. Wenn dann ein anderes Kind komme und sich das Spielzeug nehme, gebe es Streit.

Diskussionen vermeiden, raten Experten

Ob die Situation eskaliert, hänge bei Erwachsenen auch von der Persönlichkeitsstruktur ab, sagt Heubrock. Der eine resigniert und sagt, ich setze die Maske auf. Andere reagierten aggressiv. Dies seien dann oft die gleichen Menschen, die sich zum Beispiel auch beim Falschparken aggressiv verhielten.

Im Umgang mit Maskenverweigerern rät der Psychologe, nicht einfach auf eine Vorschrift zu verweisen. "Das nützt nichts, denn genau dagegen rebellieren ja die Verweigerer – schlechte Lösung." Eine bessere Lösung sei, zunächst auf den Verweigerer einzugehen. "Ich würde dann darauf hinweisen, dass mich das mit der Maske auch nervt, dass man es aber ja zum Schutz anderer dann doch auf sich nehme."

Psychotherapeutin Amelie Thobaben rät im Umgang mit Maskenverweigerern vor allem dazu, die Emotionen nicht anzufeuern: "Sachlichkeit, kurze Sätze, einfache Sprache, körperliche Distanz – und Diskussionen vermeiden."

Bremen will an Maskenpflicht festhalten

Video vom 6. Juli 2020
Die Corona Vorschriften als Schilder an einer Geschäftstür.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 24. Juli 2020, 16:45 Uhr